Altersvorsorge-Reformen: Deutschlands Defizite sind mit Riesterreform nicht behoben

In der Altersvorsorgepolitik sind Deutsche und Skandinavier in den Neunzigerjahren vom selben Punkt aus gestartet. Sie stellten fest, dass Arbeit teurer wurde und das im globalisierten Wettbewerb zu Nachteilen für die Beschäftigten führte. Also veränderten sie behutsam – und keineswegs wie oft von linker Seite kritisiert: in einem Akt neoliberaler Staatszertrümmerung – die Balance zwischen den drei Säulen (gesetzlich, betrieblich, privat) und zwischen Umlage und Kapitaldeckung.
Die Ergebnisse kann man zwei Jahrzehnte später sehen: Schwedische Bürger haben mit mehr Aktienanteil und bei geringeren Kosten höhere Vermögen angesammelt als deutsche. Mit der Riester-Reform steht einem höheren Aktienanteil nicht mehr viel im Wege. Es soll aber Wahlfreiheit zwischen Sicherheit und Rendite geben. Das ist ein riesiger Fortschritt. Ein anderes Thema sind die Kosten.
Das System soll so stark vereinfacht und das Produktangebot so standardisiert sein, dass es keinen aufwendigen Beratungsprozess mehr braucht, der hohe Provisionen rechtfertigen würde. Es kann nicht sein, dass Finanzvertriebe über üppige Abschlussvergütungen ihre mickrigen Einnahmen in anderen Sparten ausgleichen und dadurch am Leben gehalten werden.
Das Ringen um höhere Effizienz funktioniert in der Altersvorsorge nicht sehr gut. Das bleibt die Hausaufgabe von Finanzminister Lars Klingbeil: einen Wettbewerb zu erzeugen, von dem Verbraucher profitieren.
Source: faz.net