Als welcher Watergate-Skandal in die Kinos kam – nie waren Büro-Szenen so spannend

Der Skandal kostete US-Präsident Nixon 1974 das Amt und erschütterte die USA. Die Enthüllungen zur Watergate-Affäre waren filmreif – folgerichtig kam schon zwei Jahre später ein hochspannender Reporter-Krimi ins Kino, der heute ein Klassiker ist.

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So etwas nennt man wohl eine Recherche mit tiefgreifenden Folgen: Am Ende trat US-Präsident Richard Nixon zurück. Der Watergate-Skandal war das Thema des Films „All the President’s Men“, der am 4. April 1976 in den USA Premiere hatte. Die Helden waren Carl Bernstein und Bob Woodward, zwei junge Reporter der „Washington Post“, gespielt von den Hollywood-Stars Dustin Hoffman und Robert Redford. Regie führte Alan Pakula. Der Film erhielt vier Oscars.

Die Enthüllungen über illegale Machenschaften und Machtmissbrauch der Republikaner begannen im Präsidentschaftswahlkampf 1972; sie gelten bis heute als Sternstunde der unabhängigen Presse. Der fesselnde Kinofilm liefere ein akkurates Bild vom amerikanischen Journalismus in Bestform, lobte die Kritik im Konkurrenzblatt „New York Times“. In der Bundesrepublik lief er unter dem Titel „Die Unbestechlichen“, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kriminalfilm von Brian de Palma aus dem Jahr 1987.

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Die Premiere des Films wurde Anfang April 1976 im Washingtoner Kennedy-Center gefeiert, benannt nach dem 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, heute umbenannt in Trump-Kennedy-Zentrum. Der Film, gedreht vornehmlich in der nachgebauten Redaktion, einem Großraumbüro unter Neonlicht, zeigt eine Welt von gestern. Das Geklapper der manuellen Schreibmaschinen bildet die Geräuschkulisse.

Die im Film erwähnten Parteispenden sind lächerlich gering, verglichen mit denen der Tech-Giganten heute. Telefonnummern fand man in dicken Büchern, beim Telefonieren drehte man Wahlscheiben.

Das Drehbuch orientiert sich an dem gleichnamigen Buch von 1974, das die Pulitzer-Preisträger Bernstein und Woodward über ihre Arbeit schrieben. Beide waren eigentlich in der Lokalredaktion beschäftigt. Woodward war nach einem Studium an einer Eliteuniversität fünf Jahre Offizier in der US-Marine gewesen, angeblich mit Zugang zu Top-Security-Dokumenten.

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Zu dem Film gehört das Drama der Beziehung zwischen Woodward und Bernstein. Sie mochten einander anfangs nicht. „Ich suche keinen Streit“, sagt Redford als Woodward nach der Kritik an einem Textentwurf zu Hoffman als Bernstein – in geradezu streitlustigem Ton. Irgendwann rauften sich die beiden zusammen.

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In der Redaktion unter Leitung des strengen, charismatischen Chefredakteurs Ben Bradlee (gespielt von Jason Robards) wird das Duo als „Woodstein“ bekannt. Ein mysteriöser Regierungsinsider (Hal Holbrook) hilft den beiden mit Informationen. Sie nennen ihn „Deep Throat“ in Anlehnung an einen damals viel gesehenen Pornofilm.

Ausgangspunkt des Skandals war ein Einbruch im Washingtoner „Watergate“-Hotel- und Bürokomplex, von dem die Leser der „Washington Post“ erstmals am 18. Juni 1972 erfuhren: Fünf Männer waren im dortigen Büro der Demokratischen Partei festgenommen worden, mit Einbrecherwerkzeug und Abhörwanzen. Einer von ihnen hatte, wie sich herausstellte, für den Geheimdienst CIA gearbeitet. Der Film nimmt das Publikum mit zu den Höhe- und Tiefpunkten in den ersten Monaten der „Woodstein“-Recherche, zum Lesen von Dokumenten, zu Interviews und nächtlichen Autofahrten.

Die Männer, die ins Büro der Demokratischen Partei eingebrochen waren, gehörten zum Umfeld der Wahlkampagne der Republikaner. Doch das war erst der Anfang der Watergate-Affäre, denn es blieb nicht bei der Arbeit von „Woodstein“. Auch andere Reporter deckten teils skandalöse Details auf. Bekannt wurden illegale Parteispenden, schmutzige Tricks der Republikaner gegen politische Gegner und wiederholte Behinderung der Justiz, im US-Rechtssystem ein schweres Vergehen.

Im Zuge von Kongressanhörungen erfuhren die US-Amerikaner von einem im „Oval Office“ eingerichteten geheimen Tonbandsystem, das der Präsident hatte einbauen lassen, und von der Existenz einer „Feindesliste“ bekannt. Präsident Nixon trat 1974 zurück, Nachfolger wurde der Republikaner Gerald Ford, der Nixon umgehend begnadigte.

„Die Unbestechlichen“ ist bei verschiedenen Streaming-Anbietern abrufbar, allerdings aktuell in keiner Flatrate enthalten.

epd/mak

Source: welt.de