Alban Bergs „Wozzeck“: Kann man Armut lauschen?

Laut historischem Wetterbericht war der 14. Dezember 1925 in Berlin ein trüber Tag. Regnerisch, knapp über null Grad, ein Montag. Streiks und Demonstrationen prägen das Stadtbild des Jahresendes, der Rechtsruck im Reich macht sich bemerkbar (Hindenburg wird Präsident, die NSDAP gründet sich neu), und an der Staatsoper kriselt es. Wenige Wochen vor der Uraufführung von Alban Bergs Oper Wozzeck fliegt der Intendant raus. Das Stück gilt als die erste Zwölfton-Oper der Musikgeschichte (weil erstmals nicht in traditioneller Dur-Moll-Harmonik komponiert, sondern sozusagen atonal) und ist schlagartig ein Welterfolg.