Aktienmarkt: Der M-Dax ist aufwärts dem Weg zu seinem Allzeithoch

Bei passiven Investments mit einem mittel- und langfristigen Anlagehorizont hängt der Anlageerfolg vor allem davon ab, welchen Index man auswählt. Im Vergleich dazu spielen andere Faktoren für die Gesamtperformance – zum Beispiel die Gebührenunterschiede – meist eine kleinere Rolle.

Beim Vergleich der vier deutschen Auswahlindizes – Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax – zeigt sich aus mittel- und langfristiger technischer Sicht, dass die relative Stärke- oder Schwäche-Position eines Index oft eine jahrelange Stabilität aufweist und der Wechsel auf einen neuen Favoriten-Index im Regelfall nur langsam vollzogen wird.

Beim innerdeutschen Index-Vergleich fällt auf, dass seit dem Regierungswechsel (ab dem 6. Mai 2025) und vor dem Hintergrund der veränderten Wirtschafts- und Fiskalpolitik insgesamt die Indizes mit einem stärkeren konjunkturellen Binnenbezug langsam an relativer Stärke gewinnen. Diese technische Entwicklung, die sich seit dem Jahresanfang 2026 noch beschleunigt hat, sollte sich fortsetzen.

50 größte Unternehmen nach den Dax-Konzernen

Der M-Dax umfasst seit der Index-Reform im September 2021 die 50 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland unterhalb des Dax 40, gemessen an der Marktkapitalisierung im Streubesitz. Er ist ein Performance-Index, bei dem anfallende Dividendenzahlungen ebenfalls anteilig in Kursveränderungen umgerechnet werden.

Dieser Index startet zurückgerechnet – analog zum Dax – bei 1000 Punkten zum Jahresende 1987. Die zurzeit im M-Dax enthaltenen Titel erzielen über 40 Prozent (je nach genauer Abgrenzung) ihrer Unternehmensumsätze im Inland im Gegensatz zu den Werten im Dax 40, bei denen es nur noch gut 20 Prozent sind.

Daher sollte es, trotz aller weiteren Einflussfaktoren und der derzeit hohen Schwankungen an den internationalen Finanzmärkten, nicht überraschen, wenn sich in der gegenwärtigen Börsenphase mit den erfolgten monetären und den anlaufenden fiskalpolitischen Konjunkturanregungen (EZB-Zinssenkungen respektive schuldenfinanzierte ­Ausgabenprogramme der neuen Bundesregierung) verstärkt das Thema Binnenkonjunkturbezug (M-Dax) als die internationale Ausrichtung (Dax) in der Kursentwicklung niederschlägt.

Im Hausse-Zyklus vom Jahresanfang 2009 (Finanzkrise) bis Ende 2021 hat der M-Dax (plus 527,0 Prozent) den Dax (nur plus 230,2 Prozent) mit einer jahrelangen, ausgeprägten relativen Stärke sehr deutlich geschlagen. Ab dem Jahresanfang 2022 – parallel zur damaligen Ampelregierung mit ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik, aber auch der Phase der Krisen (Russland/Ukraine-Krieg; Energiekrise; Inflationsschübe) – und bis zum 6. Mai 2025 (Wahl des neuen Bundeskanzlers) lag ein anderes relatives Bild vor.

In diesem Zeitraum erzielte der Dax ein Plus von 46,9 Prozent, während der M-Dax minus 16,4 Prozent hinnehmen musste. Seit dem Jahreswechsel 2024/2025 (Vorfeld der Bundestagswahl im Februar) drehen sich nach drei Jahren wieder die relativen Positionen, und die relative Lage des M-Dax hat sich im deutschen Indexvergleich langsam verbessert.

Diese Tendenz verfestigt sich seit dem 6. Mai 2025 (Schlusskurse), da seitdem der S-Dax um 11,6 Prozent, der M-Dax um 7,7 Prozent und der Dax um 6,9 Prozent gestiegen sind, während der Tec-Dax um 2,2 Prozent gefallen ist. Seit dem Jahresanfang 2026 hat sich die relative Stärke der Indizes mit dem Binnenkonjunkturbezug – auch mit verursacht durch Sondereinflüsse – sogar etwas beschleunigt, da der S-Dax seitdem ein Plus von 5,3 Prozent und der M-Dax ein Plus von 3,3 Prozent aufweisen, während der Dax mit plus 1,5 Prozent und der Tec-Dax mit minus 0,4 Prozent eher etwas hinterlaufen.

Eine Baisse wie aus dem Bilderbuch

Aus langfristiger technischer Sicht war der M-Dax zum Jahresanfang 2022 aus der früheren Top-Formation (unterhalb der Widerstandszone im Umfeld der Allzeithochs bei 36.429) mit einem technischen Verkaufssignal in eine Baisse-Bewegung gedrückt worden. Diese führte den Index, begleitet von weiteren (Trading-)Verkaufssignalen, in einen Bilderbuch-Baisse-Trend, der im Oktober 2022 in einem Ausverkauf bei 21.457 (neue Unterstützung) endete. Seitdem bewegt sich der M-Dax wieder in einer moderaten Hausse, die aus drei technischen Phasen besteht. Zuerst lag bis Januar 2023 ein kräftiger Erholungstrend bis auf 29.815 vor.

Im Anschluss folgte eine zweijährige Seitwärts-/Abwärts-Korrektur im Umfeld der fast waagerecht laufenden 200-Tage-Linie und unterhalb der mehrfach getesteten Widerstandszone um 27.700. Zum Jahresstart 2025 ist der Index mit einem Investment-Kaufsignal über diese Widerstandszone in einen neuen Aufwärtstrend gelaufen.

Etappenziel von 34.000 Punkten deutet sich an

Hierbei liegt die intakte Hausse-Trendlinie aktuell bei 28.500, wobei eine steigende 200-Tage-Linie (zurzeit bei 30500) das positive technische Gesamtbild unterstützt. Zum Jahreswechsel 2025/2026 ist der M-Dax mit einem weiteren (Investment-)Kaufsignal aus der vorherigen, trendbestätigenden Flaggen-Konsolidierung herausgelaufen. Beim M-Dax deutet sich als nächstes mittelfristiges Etappenziel der Bereich um 34.000 (kleine Widerstandszone) an.

Als langfristiges Etappenziel steht ein Test der Widerstandszone im Umfeld der alten Allzeithochs auf der Tagesordnung. Trotz dieser attraktiven technischen Gesamtlage sollte aber jede M-Dax-Position als Teil des Risikomanagements einen strategischen Sicherungsstopp bei 28.400 (unterhalb der Hausse-Trendlinie) erhalten. Dieser Stopp wird dann Schritt für Schritt mit der steigenden Trendlinie angehoben.

Der Autor ist Geschäftsführer von Matzke Research.

Source: faz.net