Ahmed al-Scharaa: Syriens Übergangspräsident zu Besuch in den USA eingetroffen
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist zu
einem offiziellen Besuch in den USA eingetroffen. Das meldete die staatliche
syrische Nachrichtenagentur. Al-Scharaa wird am Montag von US-Präsident Donald
Trump im Weißen Haus empfangen.
Unmittelbar vor der Reise von al-Scharaa verkündete das
syrische Innenministerium eine landesweite Aktion gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es habe 61 Razzien gegeben, dabei seien 71 Personen
festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Behörde. Zudem hätten
Sicherheitskräfte Sprengstoff und Waffen beschlagnahmt.
Es ist al-Scharaas erster Besuch in der US-Hauptstadt. Beide
Seiten verknüpfen Hoffnungen mit dem Treffen. Nach Angaben des
US-Syriengesandten Tom Barrack soll al-Scharaa bei seinem Besuch ein Abkommen
über Syriens Beitritt zur US-geführten internationalen Koalition zum Kampf
gegen den IS unterzeichnen.
Zudem planen die USA nach Diplomatenangaben die
Errichtung eines Militärstützpunkts in der Nähe der syrischen Hauptstadt
Damaskus. Al-Scharaa wiederum dürfte sich vor allem finanzielle Zusagen für den
Wiederaufbau seines vom jahrelangen Bürgerkrieg zerstörten Landes erhoffen.
USA streichen al-Scharaa von der Terrorliste
Im Zuge der Annäherung zwischen den USA und Syrien hatte die US-Regierung
al-Scharaa am Freitag von ihrer Terrorliste gestrichen. Am Donnerstag hatte der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Sanktionen gegen al-Scharaa
aufgehoben. Al-Scharaa bemüht sich seit seinem Amtsantritt um ein
moderateres Image. Im September hatte der frühere Anführer der islamistischen
HTS-Miliz bereits an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York
teilgenommen.
Die HTS-Miliz und mit ihr verbündete Gruppen hatten im
Dezember 2024 den langjährigen syrischen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt.
Die HTS ist ein früherer Zweig von Al-Kaida, hatte sich jedoch bereits vor
Jahren von dem Terrornetzwerk losgesagt.
Anfang Oktober fanden in Syrien die ersten Parlamentswahlen
seit Assads Sturz statt. Religiöse Minderheiten wie Kurden, Christen und
Alawiten sind nach der Wahl im Parlament unterrepräsentiert, Frauen fast gar
nicht vertreten.