Agenda Order: Vicinity will Sneaker-Sortiment erweitern

Vicinity verkauft aktuell ausschließlich über den eigenen E-Commerce, möchte sich aber in diesem Jahr auch für den Wholesale öffnen.
Noch dieses Jahr möchte das Streetwear-Label Vicinity sein Sneaker-Sortiment erweitern. Im Gespräch mit der TW verraten Kiyan Yildiz, CEO, und Antonio Marcuccetti, Head of Footwear, welche Strategie dahintersteckt.
TextilWirtschaft: Herr Yildiz, wie ist Ihr Jahr gestartet und welche Strategie verfolgen Sie aktuell?
Kiyan Yildiz: Andere Streetwear-Labels fokussieren sich oft nicht auf Sneaker, wir wollen mit den großen Brands konkurrieren. Vor zwei Jahren kam Antonio Marcuccetti als Head of Footwear zu uns, damals hatten wir nur unser Bestseller-Modell Akimbo im Sortiment. Er ist ein erfahrener Footwear-Designer und wir planen, die Kollektion zu erweitern. Aktuell arbeiten wir an fünf Entwürfen.
Antonio Marcuccetti: Boot-Hybride, wie bei uns ein Mix aus einem hohen Sneaker wie dem Nike Air Max und einem schwarzen Lederboot, sind beliebt. Wir planen in der ersten Jahreshälfte den Release eines Sportstyle-Sneakers.
Antonio Marcuccetti: Für zukunftsträchtig halte ich einerseits den Low Profile-, anderseits den Sportsstyle-Trend. Der Heritage-Trend beziehungsweise Retro-Styles halte ich für vielversprechend.
Kiyan Yildiz: Meiner Meinung nach spielen vor allem futuristische Designs in Zukunft eine Rolle, hier vor allem Running-Silhouette. Auch der Y2K-Trend hält seit letztem Jahr weiter an. Wichtig ist den Kunden mittlerweile vor allem Bequemlichkeit.
Agenda Order
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Dominieren aus Ihrer Sicht schnelle Hype-Zyklen oder langlebige Styles?
Antonio Marcuccetti: Die Kunden präferieren aktuell Retro-Styles, also Modelle wie Nike Jordan, Nike Airforce, Adidas Samba oder Gazelle. Für ein junges Label wie Vicinity ist das ein Problem, denn wir können nicht auf diesen Zug aufspringen. Wir versuchen daher, vor allem den Fokus auf die Details zu legen und auf ungewöhnliche Materialien wie Denim oder Fur-Optik.
Kiyan Yildiz: Vor fünf bis sieben Jahren gab es noch deutlich mehr Hype-Produkte. Das ist aktuell nicht mehr so stark, allerdings rechne ich damit, dass das ab 2027 wieder zunehmen könnte.
Beobachten Sie Unterschiede im Kaufverhalten zwischen den Generationen?
Antonio Marcuccetti: Sechzehnjährige sind für uns eine wichtige Zielgruppe, denn in diesem Alter entwickeln die meisten eine Passion für Sneaker und bauen eine Beziehung zur Brand auf. Die meisten Kunden der Gen Z analysieren nicht die Herkunft der Materialien, sondern schauen nur auf aktuelle Trends. Millenials wollen das Produkt eher verstehen, legen mehr Wert auf die Produktionsbedingungen der Sneaker. Oft mischen sie den eigenen Style, den sie bereits entwickelt haben, mit aktuellen Trend-Pieces.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit beim Sneaker-Kauf Ihrer Kundschaft?
Antonio Marcuccetti: Sneaker sind teuer zu produzieren, denn es bedarf mehrere Produzenten. Wir produzieren teilweise in Portugal, teilweise in China. Style ist den Kunden in diesem Segment eher wichtiger als Nachhaltigkeit. Wichtig sind vor allem langlebige Produkte, dafür beziehen wir beispielsweise hochwertiges Leder aus Italien für unseren Boot-Hybrid.
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Wie relevant sind limitierte Drops und Kollaborationen derzeit für Sie?
Kiyan Yildiz: Wir planen in Zukunft Kollaborationen mit Artists aus der Musikszene. Im vergangenen Jahr hat es meiner Ansicht nach zu viele Kooperationen im Sneaker-Bereich gegeben. Aus Marketingsicht sind sie jedoch wichtig, um Aufmerksamkeit für sein Label zu generieren. Auch Aktionen wie unsere Pop-ups, die wir in Berlin, Paris oder Mailand planen, sind ein wichtiger Hebel, den wir zunehmend nutzen wollen.
Über welche Kanäle vertreiben Sie Sneaker hauptsächlich?
Kiyan Yildiz: Wir verkaufen als D2C-Brand aktuell ausschließlich über den eigenen E-Commerce. Unsere Pop-ups machen einen geringen Teil aus, sowie ein paar wenige B2B-Kunden. Wir wollen uns in diesem Jahr auch für den Wholesale öffnen, allerdings bleibt der Fokus auf D2C.