AfD-Parteitag in NRW: Pyrrhussieg jener Gemäßigten

Die Erfahrung lehrt, dass sich in der AfD früher oder später radikale Kräfte durchsetzen. Auf den ersten Blick scheint der nordrhein-westfälische Landesverband die Ausnahme von dieser Regel zu sein. Am Samstag wurde der gemäßigt auftretende Martin Vincentz auf einem Parteitag in Marl im Amt des Vorsitzenden bestätigt.
Doch schon sein schlechtes Ergebnis zeigt an, dass die Fronten keinesfalls geklärt sind. Im Gegenteil reklamiert das völkisch-nationale Lager immer selbstbewusster den Führungsanspruch.
Weidel düpiert Vincentz
Schon Anfang Januar war geschehen, was Vincentz unbedingt hatte verhindern wollen: Die Völkisch-Nationalen übernahmen den neu gegründeten Landesverband der Parteijugend „Generation Deutschland“ (GD), die damit nahtlos an die aufgelöste Vorgängerorganisation „Junge Alternative“ anknüpft.
Kein Wunder, dass die GD am Freitag vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wurde. Gleichwohl stellte sich AfD-Bundeschefin Alice Weidel jetzt in ihrem Grußwort uneingeschränkt vor die GD und düpierte damit Vincentz.
Auch in der Aussprache über eine Personalaffäre ging es in Marl drunter und drüber. Geradezu lustvoll attackierten sich Vorstandsmitglieder auf offener Bühne, bezichtigten einander der Lüge und Intrige. Die Erfahrung lehrt: Von solch chaotischen Verhältnissen profitieren in der AfD früher oder später die Völkisch-Nationalen.
Source: faz.net