Achtung Betrug: So unverschämt zocken Fake-Shops mit „Wir-schließen“-Maschen aufwärts Instagram ab!

Tränenreiche Abschiede, angebliche „Geschäftsaufgaben“ und Mega-Rabatte: Hinter solch rührseligen Posts stecken oft eiskalte Abzocker – statt Luxus landen dann Schrottfetzen im Paket. Mit diesen drei einfachen Tricks kann man sich schützen


Fallen Sie bloß nicht darauf herein, wenn jemand „schweren Herzens“ den Laden schließt und deshalb auf Social Media mit Schnäppchen lockt

Illustration: der Freitag, Material: Imago Images


Nach 40 Jahren will sich ein älteres Ehepaar endlich zur Ruhe setzen und ihr Geschäft schließen. Oder ein Modehändler erklärt auf Facebook oder Instagram, er tue es „mit schwerem Herzen“ und müsse nun seinen Restbestand verkaufen. Hinter solchen Geschichten steckt manchmal ein echtes Schicksal. Doch in vielen Fällen handelt es sich um einenOnline-Betrug:

Das vermeintliche „Alles-muss-raus“-Schnäppchen entpuppt sich als Masche von Fake-Shops. Verbraucher zahlen – und bekommen entweder gar nichts oder nur minderwertige Ware, die mit dem beworbenen Produkt kaum etwas zu tun hat. Die Madrider IT-Sicherheitsforscherin Marta Mallavibarrena entdeckte beim Scrollen durch Instagram gleich mehrere Shops, die identisch formulierten: „Leider schließen wir …“. Mal wurden Herrenjacken angeboten, mal Tiermuster-Outfits.

Ein Blick in die Werbebibliothek von Meta (Facebook/Instagram) zeigte: Rund 50.000 Anzeigen nutzten diesen Textbaustein, 1.600 davon waren noch aktiv. Viele der Accounts existierten erst seit wenigen Wochen, ältere hatten zuletzt ihre Profilnamen geändert. Mallavibarrena erklärt: „Bilder seriöser Händler werden geklaut und in den Fake-Anzeigen wiederverwendet.“ Wenn tatsächlich Ware verschickt werde, komme sie oft von Billigplattformen oder Dropshipping-Anbietern – in schlechter Qualität. „Statt eines echten Strickpullovers landet dann ein Polyester-Shirt mit aufgedrucktem Muster im Paket.“

Typische Maschen von Fake-Shops

Die Betrugsseiten arbeiten nach einem wiederkehrenden Muster:

  • Angebliche Geschäftsaufgabe: Shops behaupten, sie müssten schließen und Restposten verkaufen.

  • Künstliche Verknappung: Wenige Stücke sollen angeblich noch auf Lager sein.

  • Rabattdruck: 20 Prozent auf ein Teil, 40 Prozent auf zwei – je mehr man kauft, desto billiger wird es.

  • Täuschend echter Auftritt: Profile mit Stadt- oder Ländernamen wirken seriös, sind aber frei erfunden.

  • KI-Bilder: Gründerfotos und andere Bilder sind oft computergeneriert.

Die Verbraucherorganisation Which? dokumentierte einen besonders dreisten Fall: Eine Boutique namens „Thompson Oxford“ warb mit „schwerem Herzen und Tränen in den Augen“, weil sie angeblich gegen große Ketten nicht bestehen könne. Doch in Wahrheit, erklärt die Betrugsberaterin Serpil Hall, seien diese Seiten simpel gestrickt: „Das ist industrialisierte Manipulation – billige Werbung, falsche Dringlichkeit, schnelles Umbenennen. So kassieren sie Tausende Kunden ab, bevor sie verschwinden.“

So entlarven Sie einen Instagram-Fake-Shop

  1. Kommentare prüfen: Oft berichten Betroffene, ob sie Ware erhalten haben – und wie schlecht sie war.

  2. Meta-Werbebibliothek checken: Wenn der gleiche Text in Tausenden Anzeigen auftaucht, ist das verdächtig.

  3. Bilder rückwärts suchen: Mit Google Images lässt sich überprüfen, ob Produktbilder geklaut sind.

Meta verbietet in seinen Richtlinien ausdrücklich irreführende Anzeigen. Wer eine verdächtige Anzeige entdeckt, sollte sie daher umgehend melden.

Fazit: Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich ein Scam. Hinter vielen emotionalen „Wir schließen leider!“-Posts stecken schlicht Fake-Shops, die auf gutgläubige Schnäppchenjäger abzielen. Wer aufmerksam bleibt, Kommentare liest und Bilder prüft, kann sich wirksam vor Online-Betrug schützen.