Abgestürzte US-Kampfjets: Experten warnen vor möglicher Gefangennahme von US-Luftwaffensoldat
Nach dem Abschuss eines F-15-Kampfjets der US-Streitkräfte im Iran und der Rettung eines Crewmitglieds suchen jeweils die USA und der Iran nach dem zweiten Besatzungsmitglied. Nach Einschätzung von Beobachtern hat die Suche für beide Kriegsparteien eine hohe Priorität. Es handle sich um eine „kritische Mission“, sagte etwa die langjährige US-Diplomatin Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms bei der Londoner Denkfabrik Chatham House, der BBC.
Der Iran hätte, sollte er das zweite Besatzungsmitglied der abgeschossenen F-15 fassen, „ein sehr starkes Druckmittel“, sagte Rapp. Zuvor hatten im Iran staatsnahe Sender dazu aufgerufen, das Besatzungsmitglied lebend zu fassen. Laut Berichten iranischer Medien soll auch eine Belohnung ausgerufen worden sein.
Druckmittel in Geheimverhandlungen oder öffentliche Demütigung Trumps?
Falls der Soldat oder die Soldatin in Gefangenschaft geraten und Bilder davon an die Öffentlichkeit gelangen, könne dies die ohnehin kritische Haltung der US-Öffentlichkeit zum Krieg gegen den Iran beeinflussen, sagte Rapp: „Wenn solche Bilder auftauchen würden, hätte das aus amerikanischer Sicht eine enorm verändernde Wirkung.“
Ähnlich bewertete der Iranexperte Hamidreza Azizi von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) die Folgen einer solchen Entwicklung. Bei einer Gefangennahme des Besatzungsmitglieds könne der Iran zwei Wege gehen, sagte er der New York Times. Demnach wäre denkbar, dass das Regime in Teheran die Gefangennahme zunächst geheim hält und versucht, die USA hinter den Kulissen unter Druck zu setzen, um Zugeständnisse der US-Regierung zu erreichen.
Die zweite Möglichkeit sei, das Crewmitglied öffentlich vorzuführen und somit zu propagandistischen Zwecken einzusetzen. Dies sei wahrscheinlicher, sagte Azizi: Das Regime habe ein großes Interesse daran, den US-Präsidenten Donald Trump zu „demütigen“. Trump hatte sich zuvor nur ausweichend dazu geäußert, was er in diesem Fall zu tun gedenke. „Wir hoffen, dass das nicht passieren wird“, sagte er dem britischen Independent.
Führende iranische Regimevertreter spotteten bereits nach Bekanntwerden des Abschusses über die USA. Mit Blick auf die vielen Aussagen Trumps aus den vergangenen Wochen, wonach der Iran bereits so gut wie besiegt sei, schrieb etwa der iranische Parlamentssprecher Mohammed Bagher Ghalibaf auf X: „Nachdem sie den Iran 37 Mal in Folge besiegt haben, wurde dieser brillante, strategielose Krieg, den sie begonnen haben, nun von einem ‚Regimewechsel‘ zu ‚Hey! Kann jemand unsere Piloten finden? Bitte?‘ herabgestuft.“
Iran schießt zwei US-Militärflugzeuge ab
Am Freitag war im Südwesten des Iran eine F-15-Maschine der USA abgeschossen worden. Beide Besatzungsmitglieder konnten sich katapultieren, einer wurde von US-Spezialeinheiten gerettet und wird derzeit medizinisch versorgt. Berichten zufolge handelt es sich dabei um den Piloten und bei dem noch vermissten zweiten Crewmitglied um den Waffensystemoffizier des Zweisitzer-Jets.
Später bestätigten US-Beamte der Nachrichtenagentur Reuters iranische Angaben, wonach ein bei der US-Suchaktion eingesetzte Militärmaschine des Typs A-10 Warthog vom Iran abgeschossen wurde. Das Nahkampfflugzeug stürzte Berichten zufolge in den Persischen Golf, der Pilot soll bereits gerettet worden sein.
Die US-Armee hat seit Kriegsbeginn bereits einige Flugzeuge verloren, darunter
ein Tankflugzeug, das im Irak abgestürzt war, sowie drei F-15-Jets, die
versehentlich von Kuwait abgeschossen wurden. Eine Gefangennahme von US-Soldaten durch den Iran stand bislang jedoch noch nicht als Möglichkeit im Raum.
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