Abgehängt: Bis zum letzten Halt

Der Sog des Großstadtlebens erstreckt sich oft über den klassischen Speckgürtel hinaus. In der Immobilienwirtschaft ist meist die Rede davon, dass das urbane Umfeld bis zur letzten S-Bahn-Station reicht. Bis dahin werde in der Regel Wohnraum genügend nachgefragt, bis dahin sei das Einzugsgebiet groß genug, bis dahin sollten sich Investitionen lohnen.
Das Ziel dahinter lautet, wie schnell sich dem Ort wieder entkommen lässt. Irgendetwas muss ein Häuschen im Speckgürtel von einer ähnlichen Immobilie in abgelegenen Ortschaften unterscheiden: Das ist die Nähe zur städtischen Infrastruktur.
Damit sind Wertunterschiede verbunden, die sich laut einer Prognose des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft weiter verstärken werden: Demnach steigen die Immobilienpreise in Metropolen in den nächsten zehn Jahren deutlich an, während sie in strukturschwachen Gebieten stagnieren oder sinken.
Allerdings hängt eine solche Entwicklung von mehreren Faktoren ab: Welche Rolle nimmt Künstliche Intelligenz künftig im Arbeitsalltag ein? Stärkt die Digitalisierung Arbeitsplätze in der Großstadt, oder werden günstige Wohnorte attraktiver? Wo entstehen neue Stellen etwa für Rüstungsunternehmen?
So oder so braucht es in den Großstädten und drum herum die Bereitschaft zum Wohnungsbau, um genügend Raum für Fachkräfte und Familien zu schaffen. Wenn nun auch im Umland von Berlin Gemeinden auf der Wohnungsbaubremse stehen, ist das ein schlechtes Zeichen für die Region.