Aberglaube: Ist Freitag, dieser 13., wirklich ein Unglückstag?

Freitag der 13. ist in einem Abreißkalender zu lesen.

Stand: 13.03.2026 • 07:52 Uhr

Die 13 gilt als Unglückszahl – nicht nur am Freitag: Fluggesellschaften haben keine Reihe 13. Bei vielen Fußballmannschaften gibt es keinen Spieler mit der Nummer 13. Wieso glauben Menschen daran?

Von Anke Mautner-Culetto, SWR

Ein Kratzer im Lack, ein Fleck auf der Lieblingsbluse oder ein kleines Missgeschick. Schnell fällt der Blick auf den Kalender und – na klar, es ist Freitag der 13. Für manche ein ganz normaler Tag für andere ein Pechtag. Doch was sagen die Zahlen?

Keine Häufung von Unfällen

Das statische Landesamt Baden-Württemberg hat die Daten zur Verkehrsunfallhäufigkeit von über 13 Jahren angeschaut und kam zu dem Schluss, dass es an einem Freitag, den 13., nicht zu signifikant mehr Unfällen kommt als an jedem anderen Freitag des Jahres.

Auch globale Daten zu Flugzeugabstürzen seit 1945 zeigen keine Häufung am 13. oder Freitag, den 13. – das Risiko verteilt sich gleichmäßig. Freitage sind generell unfallträchtiger durch mehr Verkehr, aber nicht der 13. speziell. Doch worauf beruht dann die Vorstellung, dass ausgerechnet Freitag, der 13., Unglück bringt?

Religiöser und mythologischer Ursprung

Die Kulturwissenschaftlerin Karin Bürkert von der Universität Tübingen erklärt im SWR, dass sowohl der Wochentag als auch die Zahl tief in religiösen und mythologischen Erzählungen verankert seien. Freitag sei verbunden mit Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung Jesus.

Die Zahl 13 hat einen christlichen und einen nordischen Ursprung. Einerseits bezieht sie sich auf den Verräter Judas, den 13. Teilnehmer des letzten Abendmahls, und andererseits auf den nordischen Gott Loki, der als 13. Gast Unheil bringt.

Dieser Aberglaube verband sich vermutlich in den 1950er-Jahren mit dem US-amerikanischen Unglückstag „Black Friday“ – jenem Börsencrash von 1869. Kulturforscher Gunther Hirschfelder beschreibt diesen Prozess als Kulturtransfer, der den Mythos in Europa weiter verstärkte.

Seither taucht Freitag, der 13., in Filmen, Musik und Literatur immer wieder auf – und prägt damit das kollektive Bewusstsein.

Warum Menschen an Unglückstage glauben

Aberglaube entstehe oft dort, wo Menschen nach Orientierung suchen, erklärt Kulturwissenschaftlerin Bürkert. „Menschen machen Sinn aus Dingen […] und Sinn produzieren ist was ganz Wichtiges in unserem Leben und hat auch eine Entlastungsfunktion.“ Aberglaube helfe, verschiedene Ängste zu erklären, ihnen einen Grund zu geben und damit erstmal Entlastung zu schaffen.

In seltenen Fällen entwickelt sich aus der Angst vor dem Freitag, den 13., sogar eine Phobie: Die Paraskavedekatriaphobie, die krankhafte Angst vor dem Pechtag. Manche Betroffene bleiben an diesem Tag tatsächlich zu Hause.

Krankenkassen sehen hier jedoch keinen messbaren Effekt. Auf Anfrage der SWR-Wissen aktuell Redaktion teilt die AOK mit, dass sich an diesen Freitagen keine auffällige Steigerung von Krankmeldungen zeige. Abweichungen treten demnach vielmehr dann auf, wenn ein Freitag in unmittelbarer Nähe zu Feiertagen oder Ferien liegt.

Wie unser Gehirn uns in die Irre führt

Risikoforscher Hans Müller-Peters von der Technischen Hochschule Köln betont, wie wichtig es für die psychische Gesundheit sei, nicht ständig voller Angst durchs Leben zu laufen und zu überlegen, was passieren könnte.

Der Mensch sei evolutionär darauf programmiert, bestimmte Risiken, auf die man schnell und gut reagieren kann, zu erkennen, erklärt der Forscher. Schwierigkeiten hätten Menschen mit abstrakten Risiken. Dazu gehörten diffuse Wahrscheinlichkeiten, große Summen und Glücksspiel. „Wenn wir uns Risiken vorstellen sollen“, sagt Müller-Peters, „dann sind wir damit überfordert. Wir greifen dann oft zu einer Abkürzung, wir überlegen uns eher, wie gut kann ich mir vorstellen, dass das passiert?“ Aberglaube, so der Risikoforscher, könne eine solche Abkürzung sein, um abstrakte Risiken greifbarer und vielleicht sogar realistischer zu machen.

Selbsterfüllende und selbstzerstörende Prophezeiungen

Der Umgang mit Risiken und der persönliche Aberglaube können sogar den Verlauf unseres Lebens verändern. Denn laut Forschung können Zukunftsvorhersagen, auch Prophezeiungen genannt, selbsterfüllend oder selbstzerstörend sein.

Die bloße Angst vor einem Sturz kann dazu führen, dass aus genau dieser Unsicherheit heraus das Unglück passiert. Die Furcht vor einem Flug kann so groß sein, dass man einen Flug absagt, die Prophezeiung „zerstört“ und nie erfährt, ob etwas die Angst gerechtfertigt war. „Lassen Sie sich nicht verunsichern, dass Sie durch die Sorge vielleicht erst das Herbeiführen, vor dem Sie Angst haben“, empfiehlt Müller-Peters.

Wie relevant ist Freitag, der 13., heute noch?

Freitag, der 13. ist kein weltweites Phänomen. In Spanien ist Dienstag, der 13., der Unglückstag. Der Namensgeber des Wochentags Dienstag (span.: martes) ist der Kriegsgott Mars und damit ein Unglücksbote. In Italien ist Freitag, der 17., ein Unglückstag. Andere Kulturkreise kennen auch andere Unglückszahlen. In China und Japan fürchtet man die 4, da sie ähnlich zu dem Wort für Tod klingt.

Eine Studie israelischer Wissenschaftler von 2025 stellt fest, dass Aberglaube in unserer heutigen Welt immer noch existiert, aber stark vom individuellen Denkmuster abhängt. Die Studie betont den Unterschied einen Aberglauben zu haben und sein Leben nach einem Aberglauben auszurichten.

Das Fehlen der 13 im Flugverkehr und auf den Fußballtrikots zeigt, dass viele Menschen ihr Glück nicht herausfordern wollen – obwohl die Statistik Entwarnung gibt.

Jetzt bleibt nur abzuwarten, was uns der Freitag bringt. Drei Freitage fallen dieses Jahr auf den 13., der nächste ist dann wieder im November.

Source: tagesschau.de