Ab Mittwoch: Streiks im Zusammenhang Lufthansa eskalieren: Kabinenpersonal streikt zwei weitere Tage








Piloten und Kabinenpersonal legen die Lufthansa lahm, während das Management von „absurden Forderungen“ spricht. Wie der Streit um Gehälter und Arbeitsbedingungen eskaliert.

Bei der Lufthansa wollen die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter im Anschluss an den zweitägigen Streik der Piloten ab Mittwoch zwei Tage lang die Arbeit niederlegen. Der Ausstand beginne am Mittwoch um 00.01 Uhr und ende am Donnerstag kurz vor Mitternacht, teilte die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) am Montag mit. 



Bestreikt werden sollen alle Abflüge der Kernmarke Lufthansa von Frankfurt und München. Das Kabinenpersonal hatte im Streit über bessere Arbeitsbedingungen erst am Freitag für einen Tag die Arbeit niedergelegt. Am Montag und Dienstag verweigern die Piloten im Tarifstreit mit der Lufthansa den Dienst.

Mit dieser fünften Streikwelle des fliegenden Personals wird der Festakt zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Lufthansa an diesem Mittwoch endgültig überschattet. Die Gewerkschaften planen eine Kundgebung vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen.


Es gebe keinen besseren Ort des Protestes als den geplanten Festakt mit Bundeskanzler Merz, sagt Ufo-Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger. „Wenn sich das Management gemeinsam mit der Bundespolitik für 100 Jahre Lufthansa feiert, dann werden wir genau dort sichtbar machen, unter welchen Bedingungen die Arbeitgeberseite funktioniert – und auf wessen Rücken aktuelle Entscheidungen ausgetragen werden.“

Gewerkschaften und Lufthansa mit gegenseitigen Vorwürfen

Verantwortlich für die Eskalation ist nach Ansicht von Ufo das Unternehmen. „Wir haben es hier mit einer Arbeitgeberseite zu tun, die sich in einer Hardliner-Position eingerichtet hat, während sie unentwegt verkündet, jederzeit verhandlungsbereit zu sein“, kritisierte Tarifexperte Harry Jaeger. Die Lufthansa hat die Forderungen der Piloten als „absurd und unerfüllbar“ bezeichnet. Erneut mussten tausende Passagiere ihre Reisepläne ändern. 




Am Montag warnte Personalvorstand Michael Niggemann die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. Mit Blick auf die entstehenden Kosten betonte der Manager: „Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft.“


Niggemann kommentierte die neu angekündigten Streiks so: „Der erneute Streikaufruf der Spartengewerkschaft UFO zeigt auf bedrückende Weise, dass ihr das Schicksal unserer Fluggäste und die Zukunft der Lufthansa völlig gleichgültig sind.“ Die konzernweit ohnehin schon besten Einsatzbedingungen für Flugbegleiter sollten mit diesem „Erzwingungsstreik“ noch einmal deutlich angehoben werden.

Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar, dass der Konzern vor den Streiks nicht einknicken werde. „Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke“, sagte Spohr. 

DPA · Reuters

rw

Source: stern.de