Deutsche Bank verdient im dritten Quartal mehr als erwartet

Krieg in der Ukraine, Energiekrise – all das konnte der Deutschen Bank im zurückliegenden Quartal nichts anhaben. Im Gegenteil: Sie verdiente mehr als erwartet. Vor Steuern waren es 1,6 Milliarden Euro und damit fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Zudem wies das Institut das beste Drittquartalsergebnis seit 2006 aus. Analysten hatten der Deutschen Bank nur einen Vorsteuergewinn von 1,34 Milliarden Euro zugetraut.

Auch die Erträge von 6,92 Milliarden Euro lagen über den erwarteten 6,5 Milliarden Euro. Den Aktionären des Hauses verbleibt im dritten Quartal noch ein Gewinn von 1,12 Milliarden Euro. Damit reihte sich Deutschlands größte Geschäftsbank in die Riege ihrer US-Wettbewerber, die mit ihren Zahlen für das September-Quartal ebenfalls überzeugen konnten.

„Wir haben unser höchstes Ergebnis seit mehr als einem Jahrzehnt erzielt – sowohl im dritten Quartal als auch in den ersten neun Monaten des Jahres. Das unterstreicht die erfolgreiche Transformation unserer Bank“, kommentierte Vorstandschef Christian Sewing das vorgelegte Ergebnis. Der Vorstandschef zeigte sich zudem überzeugt, die selbst gesteckten Ziele für dieses Jahr zu erreichen. So soll die Rendite auf das materielle Eigenkapital 8 Prozent betragen. Analysten bezweifelten zuvor, dass dies dem Institut, das am Ende ihres 2019 angestoßenen Restrukturierungsprozesses steht, gelingen würde.

Rentabilität bereits über Zielmarke

Nach den ersten neun Monaten liegt die Rentabilitätskennzahl bei 8,1 Prozent und damit auch deutlich höher als die im Vorjahreszeitraum erzielten 4,8 Prozent. Auch die Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich von 82 Prozent im Vorjahr auf 73 Prozent. Das heißt für jeden Euro Ertrag musste die Deutsche Bank 73 Cent aufwenden. Und das bei einer gestiegenen Mitarbeiterzahl, die das Institut mit der Einstellung von 749 Hochschulabsolventen sowie die Eingliederung von weiteren 547 externen Mitarbeitern begründete. Am 30. September zählte die Bank weltweit 84.556 Beschäftigte (Vollzeitstellen) und damit 1641 mehr, als noch vor drei Monaten.

Ertragsseitig konnten alle vier Einheiten der Deutschen Bank zulegen, zwei davon, nämlich die Unternehmens- und die Privatkundenbank, sogar zweistellig. Konzernweit konnte das Institut seine Erträge um 15 Prozent steigern, was auch mit höheren Margen nach der Zinswende begründet ist. Zurzeit bekommen Banken mehr Zinsen, wenn sie Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, als sie ihren Kunden zahlen. Diese Differenz könnte sich nach der morgigen EZB-Sitzung noch einmal deutlich erhöhen. Gleichzeitig steigen die Zinsen bei der Kreditvergabe.

Gleichwohl musste die Deutsche Bank auch ihre Risikovorsorge erhöhen, um eventuelle oder tatsächliche Kreditausfälle in der gegenwärtig heiklen wirtschaftlichen Lage abfangen zu können. Mit 350 Millionen Euro stellte die Deutsche Bank 233 Millionen Euro mehr zurück als im Vergleichsquartal des Vorjahres. „Wir sind von unserem soliden Kreditbuch aber weiterhin überzeugt und haben unsere Prognose bekräftigt, dass wir für das Gesamtjahr eine Risikovorsorge von etwa 25 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens erwarten“, schrieb Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter des Hauses.