Papst in Afrika: Das Strahlen dieser Glaubensfreude

Am Donnerstag hat Leo XIV. seine elftägige Afrikareise beendet. Schon auf dem Flug nach Algerien, der ersten von vier Stationen, hatte der Papst bekräftigt: „Diese Reise hätte die erste des Pontifikats sein sollen. Bereits im vergangenen Mai hatte ich das gesagt.“ Numerisch war es die dritte. Den Besuch in der Türkei und in Libanon Ende November hatte Leo noch von seinem Vorgänger Franziskus geerbt, der sie krankheitsbedingt nicht mehr absolvieren konnte. Der Tagesausflug nach Monaco Ende März war so etwas wie eine Testreise.

In diesem Jahr wird es noch weitere apostolische Reisen ins Ausland geben. Im Juni geht es für sieben Tage nach Spanien. Im Herbst könnte Lateinamerika hinzukommen, mit der Pflichtstation Peru, Leos „adoptierten“ Heimatland. Die USA, seine erste, die „leibliche“ Heimat, wird der Papst dieses Jahr nicht besuchen – ungeachtet der Feiern zu 250 Jahren Unabhängigkeit und der von Vizepräsident J. D. Vance schon vor Monaten persönlich überbrachten Einladung des Weißen Hauses. Im November finden in den USA die Zwischenwahlen zum Kongress statt. Päpste meiden Auslandsbesuche in Wahljahren, es besteht das Risiko der politischen Vereinnahmung.

Mit Afrika war Leo XIV. lange vor seiner ersten Reise auf den Kontinent als Pontifex vertraut. Als Ordensoberer der Augustiner von 2001 bis 2013 sowie auch in seiner Eigenschaft als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe im Vatikan von 2023 bis 2025 hat Robert Francis Prevost den Kontinent rund zwei Dutzend Mal besucht. Und zwar vom Maghreb bis zum Süden, von West- über Zentral- bis Ostafrika.

Ein Ordensmissionar auf dem Stuhl Petri

Als Ordensmissionar war Afrika, wo die Weltkirche so dynamisch wächst wie in keinem anderen Erdteil, für den Augustinermönch ein „natürliches“ Ziel. Auch wenn er selbst nicht dort, sondern in Peru über einen längeren Zeitraum missionarisch tätig war. Einen Ordensmissionar wie Prevost, der buchstäblich in der ganzen Welt zu Hause war und bleibt, namentlich in Afrika, hat es auf dem Stuhl Petri bisher nicht gegeben.

Nach der ersten Station Algerien, wo Leo einer winzigen Herde mit Jahrtausende alten Wurzeln in einem heute zu 99 Prozent muslimisch geprägten Land Überlebensmut zusprach, durfte er in Kamerun, Angola und Äquatorialguinea in die berstende Glaubensfreude einer stetig wachsenden Christengemeinde eintauchen.

Die Energie, die der Papst bei Eucharistiefeiern vor Hunderttausenden entfesselte, schien zu ihm zurückzufließen: Leo absolvierte sein Mammutprogramm mit insgesamt 18 Flügen und zwei Dutzend Ansprachen ohne erkennbare Zeichen der Ermüdung. Im Mittelpunkt seiner Ansprachen und Homilien stand immer wieder die Friedensbotschaft des Evangeliums, daneben die Forderung nach sozialer und humaner Gerechtigkeit, schließlich die Verbundenheit mit Verfolgten und die Nähe zu unschuldigen Opfern.

„Eine Handvoll Tyrannen, die die Welt verwüsten“

Diese Botschaften waren immer auf die nationalen, regionalen und lokalen Bedingungen gemünzt, betonte der Papst am Wochenende. Damit reagierte er auf Darstellungen in Medien, die seine Aussagen in einen Zusammenhang zur Weltpolitik und zum vermeintlichen Zwist mit Präsident Trump gestellt hatten. Papst Leos Zuhörer in Yaoundé, Luanda und Malabo vermochten dessen Klage über „eine Handvoll Tyrannen, die die Welt verwüsten“, sowie über „Gewalttäter und Despoten“, die sich von Macht und Reichtum blenden ließen, sehr wohl auf ihren eigenen Erlebnishorizont beziehen.

Auch seine Forderung nach einer gerechteren Verteilung der natürlichen Reichtümer eines Landes und Kontinents war zuerst an seine dortigen Zuhörer gerichtet und erst danach an ein globales Publikum. In Kamerun sagte der Papst bei einer Messe vor 100.000 Gläubigen: „Lasst euch nicht von Misstrauen und Mutlosigkeit leiten. Weist jede Form von Missbrauch und Gewalt zurück, die mit dem Versprechen schnellen Gewinns täuscht, aber das Herz verhärtet und abstumpft. Vergesst nicht, dass euer Volk noch reicher ist als dieses Land, denn euer Schatz liegt in euren Werten: Glaube, Familie, Gastfreundschaft und Arbeit.“

Am vorletzten Tag seiner Reise besuchte der Papst in der Küstenstadt Bata in Äquatorialguinea eine Haftanstalt, wo er ein Plädoyer für Vergebung und Barmherzigkeit hielt. Und er wandte sich bei einer Messe mit 50.000 Gläubigen im Stadion der Stadt direkt an die Jugend. Die Bevölkerung Afrikas ist mit einem Durchschnittsalter von kaum zwanzig Jahren so jung wie in keinem anderen Erdteil.

Das hellste Licht, das ihm auf seiner Reise begegnet sei, sei jenes „in ihren Augen, ihrem Lächeln, ihren Liedern“ gewesen, sagte Leo. Mit ihrem Strahlen hätten die jungen Menschen auf allen Stationen seiner Reise bezeugt, „dass Christus Freude, Sinn, Inspiration und Schönheit in das Leben eines jeden Menschen bringt“.

Source: faz.net