Minister erhebt schwere Vorwürfe: Israels Militär tötet libanesische Journalistin zwischen Luftangriff
Minister erhebt schwere VorwürfeIsraels Militär tötet libanesische Journalistin bei Luftangriff
23.04.2026, 00:52 Uhr
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Die israelische Armee trifft bei einem Luftangriff zwei libanesische Journalistinnen. Während eine mit Verletzungen davonkommt, wird die andere unter Trümmern begraben. Das Militär soll die Rettungsarbeiten mit weiteren Angriffen blockiert haben – Amal Chalil kann nur noch tot geborgen werden.
Im Süden des Libanon ist eine libanesische Journalistin bei einem israelischen Luftangriff getötet worden. Die Leiche der für die Zeitung „Al-Achbar“ tätigen Amal Chalil sei nach einem umfassenden Such- und Rettungseinsatz nach einem israelischen Luftangriff in der Stadt al-Tiri geborgen worden, teilte der libanesische Zivilschutz am späten Mittwochabend mit.
Die Zeitung bestätigte den Tod ihrer Mitarbeiterin. Eine weitere Journalistin wurde Behörden zufolge bei dem Angriff verletzt. „Al-Achbar“ hatte zuvor mitgeteilt, dass ihre beiden Mitarbeiterinnen Chalil und Seinab Faradsch bei einem israelischen Angriff auf die nahe der israelischen Grenze gelegenen Stadt al-Tiri verletzt worden seien. Eine der beiden Journalistinnen sei unter Trümmern verschüttet worden.
Rettungskräfte seien durch anhaltenden israelischen Beschuss zeitweise daran gehindert worden, zu der Eingeschlossenen vorzudringen, teilten das libanesische Gesundheitsministerium, ein hochrangiger Militärvertreter und Journalistenverbände mit.
Israels Militär wies den Vorwurf zurück, Rettungsteams blockiert zu haben, und erklärte, es habe Berichte über zwei verletzte Journalistinnen erhalten. Bei einem Angriff auf ein Auto seien zudem zwei Menschen getötet worden, berichteten libanesische Medien.
Die beiden Frauen berichteten aktuell über Entwicklungen nahe der Stadt Al-Tairi, als ein israelisches Geschoss ein Fahrzeug vor ihnen traf. Daraufhin seien sie in ein nahegelegenes Haus geflüchtet, das anschließend von einem weiteren israelischen Angriff getroffen worden sei. Libanesische Rettungskräfte konnten Faraj, die eine Kopfverletzung erlitten hatte, retten, wie Elsy Moufarrej von der libanesischen Journalistengewerkschaft sagte.
Als die Helfer zurückkehrten, um Khalil zu retten, habe Israels Militär eine Blendgranate abgeworfen und so den Zugang zu dem zerstörten Gebäude blockiert. Das Gesundheitsministerium in Beirut teilte mit, Israels Militär habe die Rettung durch den Einsatz einer Blendgranate und scharfer Munition auf den Krankenwagen verhindert. Etwa vier Stunden nach dem ersten Angriff hätten die Retter an den Ort zurückkehren können, sagte Moufarrej.
Israels Armee: „Unmittelbare Bedrohung“
Libanons Präsident Joseph Aoun forderte laut einer Erklärung seines Büros, „Medienvertreter nicht ins Visier zu nehmen, während sie ihre journalistische Arbeit verrichten“. Libanons Informationsminister Paul Morcos erklärte im Onlinedienst X, Chalil sei „von der israelischen Armee ins Visier genommen worden, während sie ihre berufliche Pflicht erfüllte“. Eine solche „gezielte Attacke auf Journalisten“ sei „ein schweres Verbrechen und ein eklatanter Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht“, fügte er hinzu.
Die israelische Armee erklärte, sie habe im Süden des Libanon „zwei Fahrzeuge identifiziert, die von einer von der Hisbollah genutzten militärischen Anlage abgefahren waren“. Nachdem festgestellt worden sei, „dass die Personen gegen die Waffenruhe-Vereinbarungen verstießen und eine unmittelbare Bedrohung darstellten, griff die israelische Luftwaffe eines der Fahrzeuge an“, hieß es in einer Stellungnahme. Anschließend sei auch die Anlage angegriffen worden, „aus der die Personen geflohen waren“.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Am vergangenen Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten, die am Sonntag endet.
Source: n-tv.de