Tabakkauf-Verbot: Wie Großbritannien dasjenige Rauchen bekämpft
In Großbritannien wird allen Personen, die 2009 oder später geboren wurden, der Kauf von Zigaretten und anderen Tabakprodukten verboten. Das Gesetz tritt zum Beginn des nächsten Jahres in Kraft, sofern es in den kommenden Tagen die formale Zustimmung von König Charles III. erhält. Es sieht auch vor, dass ältere Erwachsene künftig bestraft werden können, die Tabakprodukte für Personen erwerben, die 2009 oder später geboren wurden.
Während das Kaufverbot für Tabakprodukte rigoros für alle Jahrgänge von 2009 an gelten soll, werden E-Zigaretten oder andere Nikotin-Produkte auf andere Weise beschränkt: Sie dürfen künftig nicht mehr an Personen abgegeben werden, die ihre Volljährigkeit nicht erreicht haben. Außerdem wird die Werbung für Nikotinprodukte beschränkt und der Verkauf von Tabak mit neuen Lizenzregeln versehen.
Die britische Labour-Regierung setzt durch das neue Gesetz ein Verbot in Kraft, das schon von den konservativen Vorgängern angestoßen worden war. Gesundheitsminister Wes Streeting sprach von „einem historischen Moment für die Gesundheit der Nation“. Die Kinder im Vereinigten Königreich würden künftig „Teil der ersten raucherfreien Generation“ sein; sie würden von lebenslangen Schäden und Abhängigkeiten bewahrt. Vorbeugung sei besser als Heilen. Die Reform werde Leben retten, den nationalen Gesundheitsdienst entlasten und zu einem gesünderen Britannien beitragen, so Streeting.

Das neue Gesetz sieht überdies vor, dass per Verordnung von den zuständigen Ministerien bestimmte öffentliche Räume zu rauchfreien Zonen erklärt werden können, etwa Spielplätze oder Gebiete vor Schulen und Krankenhäusern. Es eröffnet auch die Möglichkeit, Eltern den Gebrauch von E-Zigaretten in Autos zu untersagen, wenn dort Kinder mitfahren. Das Rauchen in Biergärten und an öffentlichen Orten wie Stränden oder Parks soll hingegen weiter gestattet sein.
Wie kann das Alter überprüft werden?
Zu den wenigen kritischen Stimmen gehörte der frühere konservative Abgeordnete Michael Morris, der als Lord Naseby seit drei Jahrzehnten dem Oberhaus angehört, und sich dort wiederholt gegen schärfere Regelungen zur Beschränkung des Rauchens ausgesprochen hat. Er hat langjährige Verbindungen zur britischen Tabakindustrie und bemängelte in der letzten Abstimmung über das Gesetz in der laufenden Woche, die neuen Regeln würden „viele Menschen in der Tabakbranche verärgern“. Er plädierte dafür, durch bessere Erziehungsregeln dafür zu sorgen, dass junge Leute auf das Rauchen verzichteten.
Verstöße gegen das neue Gesetz sollen als Vergehen bewertet und mit Geldbußen geahndet werden; als eine übliche Höhe wird im Gesetzestext die Summe von 200 Pfund, also rund 230 Euro, genannt. Die neuen Regelungen schreiben nur unbestimmt vor, es müssten von den Tabak-Verkäufern geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um künftig das Alter ihrer Käufer zu prüfen.
Da in Großbritannien keine Personalausweise ausgegeben werden und die Anschaffung eines Reisepasses eine freiwillige Handlung ist, dienen zur allgemeinen Identitätsbestätigung häufig die Adressfelder behördlicher Schreiben. Darauf ist jedoch nicht das Alter der Adressaten vermerkt. Führerscheine könnten als Altersnachweis eingesetzt werden, jedoch bleiben Nachweislücken für jene, die weder über Pass noch Fahrerlaubnis verfügen.
Source: faz.net