Druschba-Pipeline betroffen: Russland stoppt kasachische Öllieferungen nachher Deutschland
Druschba-Pipeline betroffenRussland stoppt kasachische Öllieferungen nach Deutschland
22.04.2026, 17:05 Uhr
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Russland bestätigt Angaben aus Kasaschstan, wonach kein Öl aus dem Land mehr über die Druschba-Pipeline nach Deutschland geliefert wird. Für die betroffene Raffinerie in Schwedt braucht es damit Alternativen, denn sie ist für Ostdeutschland enorm wichtig. Die schwierige Suche läuft.
Russland wird ab dem 1. Mai nach Regierungsangaben in Moskau kein Öl aus Kasachstan mehr durch seine Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland leiten. Das Öl werde über andere Strecken umgeleitet, sagte der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Dies hängt mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zusammen“, erklärte er.
Er habe die kasachische Seite in der vergangenen Woche bei Gesprächen darüber informiert, sagte Nowak. Zuvor hatte der Energieminister des zentralasiatischen Landes, Jerlan Akkenschenow, erklärt, Russland habe den Öl-Transit über die Pipeline Druschba und weiter zur Raffinerie PCK Schwedt in Brandenburg mit Null eingeplant. Er mutmaßte, dass dies mit den jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammenhänge.
Nowak machte auch deutlich, dass Russland kein Interesse habe, hier als Transitland zu fungieren. „Die Deutschen haben auf russisches Öl verzichtet, das heißt, bei ihnen ist alles in Ordnung“, sagte er.
Bundesregierung sucht andere Lieferwege
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zeigte sich zuversichtlich, dass die Raffinerie in Schwedt ihre Produktion auch bei einem möglichen Stopp des Transits von kasachischem Rohöl durch Russland aufrechterhalten kann. Sie gehe davon aus, dass die Raffinerie weiter Rohöl erhalte „und dass PCK in der Lage ist, Produktion auf dem Niveau zu halten“, sagte Reiche in Berlin.
Das Ministerium schätzt die Versorgungssicherheit in Deutschland zwar als nicht gefährdet ein, räumte aber ein, dass die PCK-Raffinerie dann womöglich mit einer geringeren Kapazität fahren müsste. Die Anlage ist eine der größten in Deutschland und versorgt den gesamten Nordosten, einschließlich des Großraums Berlin-Brandenburg. „Neun von zehn Autos in Berlin und Brandenburg fahren mit Kraftstoff aus Schwedt“, wirbt sie auf ihrer Firmenseite. Ein Großkunde ist der Berliner Flughafen.
Die Bundesregierung sei im intensiven Austausch mit der Geschäftsführung und der Bundesnetzagentur als Treuhänder. Als alternative Lieferwege nannte sie die Häfen in Danzig und Rostock. Dies müsse aber sorgfältig geplant werden. Zu Auswirkungen für Verbraucher und Unternehmen könne sie noch nichts sagen.
„Erpressungsversuch“
Der frühere Energie-Staatssekretär Michael Kellner sprach von einem Erpressungsversuch. „Russland versucht mal wieder, Deutschland zu erpressen“, sagte der Grünen-Politiker zu Reuters. „Der PCK wird das Öl nicht ausgehen.“ Die Mengen über Polen ließen sich steigern.
Lieferungen über den polnischen Hafen Danzig sind jedoch politisch heikel. Polen hatte in der Vergangenheit Vorbehalte geäußert, da der russische Staatskonzern Rosneft trotz der seit 2022 bestehenden Treuhandverwaltung in Deutschland weiter die Mehrheit an der Raffinerie in Schwedt hält.
Kasachstan ist als Öllieferant wichtig, seit Deutschland wegen des Ukraine-Kriegs auf russische Lieferungen verzichtet. Bei einer Auslastung von über 90 Prozent erhielt Schwedt zuletzt nach früheren Angaben etwa 60 Prozent des Rohöls über Rostock und jeweils etwa 15 Prozent über Danzig und aus Kasachstan.
Source: n-tv.de