„Julian, dasjenige gehört hier nicht her“ – Sammer kritisiert Nagelsmann

In der Causa Deniz Undav gab Bundestrainer Julian Nagelsmann jüngst preis, sich auch auf Anraten seiner Ehefrau beim Torjäger entschuldigt zu haben. Das kam nicht überall gut an. Experte Matthias Sammer richtet deutliche Worte an ihn.

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Matthias Sammer ist bekannt für klare Worte. Der 58 Jahre alte frühere Fußballprofi, der mit Borussia Dortmund sowohl als Spieler (1995 und 1996) als auch als Trainer (2002) den Meistertitel gewann, scheut sich nicht, Dinge klar anzusprechen.

Sammer, der inzwischen als Berater beim BVB tätig ist, spricht im „Hagedorn Talk“ (heute um 21 Uhr auf Sky) mit Sky-Moderator Ricardo Basile unter anderem über die Unterschiede zwischen Bundestrainer Julian Nagelsmann und Bayern-Coach Vincent Kompany. Sammer war in der Vergangenheit als DFB-Sportdirektor (2006 bis 2012) sowie Bayern-Sportvorstand (2012 bis 2016) tätig – kennt sich also bei der Nationalmannschaft und dem deutschen Rekordmeister bestens aus.

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Sammer auf die Frage von Basile, ob es Nagelsmann helfen würde, wenn er sich mal mit Kompany treffen würde: „Also, es ist erst mal ein großer Unterschied erkennbar, keine Frage. Je näher das Turnier kommt und je mehr Julian vermeintlich in der Kritik steht, entwickle ich immer mehr das Gefühl, ihn schützen zu wollen und eine Hand über ihn zu legen, um zu sagen, was denn jetzt möglicherweise das Beste wäre. Und ich würde ihm, wenn mir das überhaupt zusteht, einfach raten, vor dieser WM gar nicht so viel zu erzählen. Weil diese WM natürlich im Austausch mit der Führung des Verbandes, mit dem Staff und mit den Spielern vorbereitet wird.“

Nagelsmann ist seit September 2023 deutscher Bundestrainer. Nach dem bitteren Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM 2024 gegen Spanien (1:2 nach Verlängerung) steht für ihn mit der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko das zweite große Turnier mit der DFB-Elf an.

„Kompany hätte das sicherlich so nicht getan“, sagt Sammer

Sammer weiter: „Und dementsprechend wird man Julian Nagelsmann keine fehlende Akribie oder kein Fußballfachwissen vorwerfen können. Das ist ja richtig. Und jetzt geht es darum – und das ist das, was Kompany natürlich immer erlebt hat, auch als Spieler in verschiedensten Positionen: Julian hat, glaube ich, mit 21 seine fußballerische Laufbahn beendet (mit 20 beim FC Augsburg II – d. R.), wenn ich es richtig im Kopf habe. Er ist sehr, sehr schnell Trainer geworden und ein sehr guter Trainer. Aber die Message, die ich ihm eigentlich geben würde, ist: Ruhig bleiben. Ich glaube, dass er gerade versucht, den Leuten da draußen zu erklären, was seine Beweggründe sind, um gewisse Aussagen zu tätigen, zum Beispiel auch über Deniz Undav. Da kann man ja sagen, so unehrlich war das nicht. Es ist vielleicht nicht optimal als Trainer, oder du musst dir über die Konsequenzen bewusst sein. Und deshalb: Kompany hätte das sicherlich so nicht getan, aber Julian hat es getan.“

Dann erklärt Sammer auf Nachfrage von Basile konkret, was Nagelsmann von Kompany lernen kann: „Ja, also erst einmal die großen Linien: All meine Spieler – egal wen – verteidige ich nach außen hin, als gäbe es kein Morgen. Darüber baust du Vertrauen auf. Und natürlich in der täglichen Arbeit – deshalb kann man das aber nur bedingt vergleichen. Vincent Kompany hat seine Spieler täglich, und Julian hat sie in großen Abständen. Und er muss natürlich oftmals – und ich glaube, dass es bei ihm der Fall ist – durch gewisse Aussagen, durch gewisse Reizpunkte etwas auslösen, also eine Reaktion hervorrufen. Nur glaube ich, dass das nur bedingt der richtige Weg ist.“

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Sammer kritisiert Nagelsmann, weil er öffentlich erzählt hatte, dass seine Ehefrau Lena Wurzenberger (die beiden sind seit 2022 ein Paar und seit Januar 2026 verheiratet) ihm riet, sich bei Stuttgart-Stürmer Deniz Undav zu entschuldigen. Zuvor hatte Nagelsmann sich trotz Undavs Siegtor zum 2:1 im Testspiel gegen Ghana kritisch über seinen Angreifer geäußert.

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Sammer: „Aber ich kann nur für mich sagen, als Message, wenn wir über ihn sprechen: Auch das mit seiner Ehefrau – sie sind ja jetzt verheiratet – ist so ein Schmankerl, Lena ins Spiel zu bringen, um zu sagen: ‚Mensch, die hat mich darauf hingewiesen.‘ Das ist so. Nur dass das Thema Undav so kritisch gesehen wurde, dass die Leute jetzt möglicherweise diskutieren: Jetzt braucht er schon seine Ehefrau für die Lösung. Das macht ihn auf der einen Seite sympathisch, auf der anderen Seite – hochprofessionell betrachtet – würde ich sagen: Julian, das gehört hier nicht her.“

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Sammers an Nagelsmann gerichtetes Fazit: „Du bist der Bundestrainer, der Nachfolger von Herberger – ich vergesse einige –, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, alle haben Titel gewonnen, Jupp Derwall, Berti Vogts, dann Jogi Löw als Weltmeister-Trainer. Deshalb: Schau dir vielleicht an, wie die ‚Alten‘ manche Dinge handhaben würden. Er wählt das Beste, davon bin ich überzeugt. Und letztendlich ergeben Erfahrung und ein Stück weit Jugendlichkeit große Unterschiede. Aber ich würde mir wünschen – und ich muss da Rudi auch ein Stück weit mit ins Boot nehmen –, ihn vielleicht noch enger im Austausch darauf hinzuweisen, gewisse Themen eher nicht zu machen. Aber ich kenne Rudi auch, und er sagt: Ja, aber wenn ich ihm das sage, muss er auch authentisch bleiben. Also gehen wir mal davon aus, dass wir sagen: Weniger ist manchmal ein bisschen mehr. Aber vielleicht ist dieses ‚Mehr‘ am Ende beim Turnier auch das Außergewöhnliche.“

jr

Source: welt.de