Teurer, demgegenüber nicht besser

Gerade feiert die Lufthansa ihren 100. Geburtstag. Doch zwischen Premium-Anspruch und Alltagsrealität klafft bei der Airline mittlerweile eine spürbare Lücke.

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Bei vielen Deutschen gilt die Lufthansa noch immer als Premium-Airline. Premium, das heißt im Fluggeschäft: bessere Flugzeuge, besserer Service, dafür aber auch höhere Preise als die Billig-Konkurrenz von Ryanair oder Easyjet. Eins bedingt das andere. Wer Premium fliegt, hat zu Recht die Erwartung, sich im Sitz zurücklehnen zu können und mehr als nur einigermaßen solide von Berlin nach München oder von Frankfurt nach New York gebracht zu werden.

Gerade feiert die Lufthansa-Gruppe ihr 100-jähriges Bestehen. Vorstandschef Carsten Spohr hatte sogar Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur großen Feier nach Frankfurt eingeladen. Zwischen Premium-Anspruch und Alltagsrealität klafft bei der Airline aber mittlerweile eine spürbare Lücke. Und das hat nicht nur mit den Streiks ihrer Piloten und des Kabinenpersonals zu tun, die in dieser Woche einen Teil des Flugverkehrs hart getroffen haben.

Mittelmäßig pünktlich

Bei Pünktlichkeit ist der Anbieter im internationalen Vergleich eher Mittelfeld, oft auch schlechter als die Wettbewerber. Der Service an Bord ist nicht mehr deutlich besser als bei der Konkurrenz. Die Preise aber sind vor allem bei Inlandsflügen mittlerweile so stark gestiegen, dass sie mit der gebotenen Leistung immer schwerer zu rechtfertigen sind. Als Kunde gewinnt man den Eindruck, dass das Lufthansa-Management gerade im Heimatland die Macht hat, Preise nahezu nach Belieben zu setzen – in einer Weise, die in wettbewerbsintensiveren Märkten kaum möglich wäre.

Diese Marktmacht ist auch eine Folge politischer Entscheidungen der vergangenen Jahre. Frühere Regierungen haben das Fliegen deutlich verteuert. Luftverkehrsteuer, hohe Gebühren, eine scharfe Regulierung – das alles hat den Standort so unattraktiv gemacht, dass die Konkurrenz auf andere Märkte ausgewichen ist. Die Politik hoffte damit, bisherige Airline-Kunden zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen, da diese weniger Kohlendioxid pro Passagier ausstößt, was besser fürs Klima ist. In der Realität sind viele Kunden nun allerdings mit zwei unbefriedigenden Systemen konfrontiert. Wer pünktlich am Ziel ankommen und nicht zu viel bezahlen will, nimmt mittlerweile oft wieder das Auto.

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Selbst die Arbeitnehmervertreter der Lufthansa scheinen dieses Gefühl von Macht zu kennen. Wenn schon wenige Streiks ausreichen, um große Teile des innerdeutschen Flugverkehrs lahmzulegen, zeigt das vor allem, wie unzureichend die Ausweichmöglichkeiten für Kunden geworden sind. In einem Markt mit funktionierendem Wettbewerb würden Ausfälle zumindest teilweise kompensiert werden – durch andere Anbieter, alternative Verbindungen, mehr Kapazität. In Deutschland aber trifft jeder Streik die Passagiere und die Wirtschaft als Ganzes mit voller Wucht.

Dauerhaft lösen lässt sich das Dilemma nur, wenn die Politik die Rahmenbedingungen ändert. Gebühren und Regulierung müssen runter. Damit wird der Markt nicht nur für die Lufthansa billiger, sondern auch für andere Anbieter attraktiver. Mehr Wettbewerb führt zu sinkenden Preisen und einem besseren Angebot.

Solange ein Markt gleichzeitig teuer, dünn und wenig umkämpft ist, wird sich daran wenig ändern. Und wer will, dass die Deutsche Bahn im Konkurrenzkampf mit den Airlines besser abschneidet, sollte nicht das Angebot der Fluggesellschaften politisch verteuern, sondern dafür sorgen, dass Züge pünktlich fahren. Für jeden einzelnen Passagier wäre das besser – für die Bundesrepublik als Standort auch.

Source: welt.de