Straße von Hormus: Ölpreis steigt nachher Trumps Ankündigung einer Seeblockade
Die gescheiterten Verhandlungen in Pakistan und die Ankündigung der
US-Blockade in der Straße von Hormus haben die Ölpreise über die Marke von 100 US-Dollar getrieben. Die Nordseeöl der Sorte
Brent verteuerte sich um rund acht Prozent auf 102,80 Dollar je
Barrel (159 Liter). Auch der Preis der US-Sorte WTI
zur Lieferung im Mai legte in der Nacht wieder zu.
Vor den inzwischen gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein Ende des Krieges hatte der Preis pro
Barrel noch bei 95,20 US-Dollar gelegen. Die Ölpreise bleiben derzeit der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt.
Nachdem die Gespräche Samstagnacht vorerst gescheitert waren, kündigte US-Präsident Donald Trump an, die USA würden die strategisch wichtige Meerenge blockieren. Der Stopp des Schiffsverkehrs zu und von iranischen Häfen soll dem US-Zentralkommando zufolge an diesem Montag um
16 Uhr (MESZ) beginnen.
Der Chef der iranischen Marine kritisierte Trumps Ankündigung dagegen als „lächerlich und absurd“. Nach Angaben des Staatsfernsehens sagte Schahram Irani, die iranische Marine überwache und kontrolliere „alle Bewegungen der aggressiven US-Armee in der Region“. Die iranische Revolutionsgarde hatte zuvor mitgeteilt, jedes
militärische Schiff, das sich der Straße von Hormus nähere,
werde als Verletzung der Waffenruhe betrachtet und bekämpft.
Maltesischer Tanker kehrt um
Aus Sorge vor der US-Blockade meiden Öltanker neuen Daten zufolge bereits wieder die Straße von Hormus. Ein unter maltesischer Flagge fahrender Supertanker
kehrte vor der Durchfahrt um und ankerte im Golf von
Oman, zeigen Daten der Dienste LSEG und Kpler. Das Schiff sollte
eigentlich irakisches Rohöl für Vietnam laden. Zwei
pakistanische Tanker sowie ein Schiff unter liberianischer
Flagge fuhren am Sonntag hingegen in den Golf ein.
Trump hatte am Sonntag (Ortszeit)
gegenüber dem Sender Fox News eingeräumt, dass die Öl- und Benzinpreise
bis zu den Kongresswahlen im November hoch bleiben könnten. Dies gilt als seltenes Eingeständnis der möglichen politischen Folgen
seiner Entscheidung, den Iran anzugreifen.
Rasche Entspannung seitens der Reeder nicht in Sicht
Analysten warnten nach Trumps Blockadeankündigung vor den Auswirkungen auf den Ölmarkt.
Die USA würden damit auch die verbleibenden iranischen
Öllieferungen von bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag durch die
Meerenge verhindern, sagte Saul Kavonic vom Analysehaus MST
Marquee. Dies werde die ohnehin bestehenden Versorgungsengpässe
weiter verschärfen, hießt es in einem Statement der ANZ-Bank.
Der Verband Deutscher Reeder reagierte verhalten auf die jüngsten Entwicklungen. „Leider besteht derzeit wenig Anlass zur Annahme, dass sich die Situation kurzfristig entspannt“,
sagte ein Verbandssprecher der Nachrichtenagentur dpa. Sollte der Iran
Minen in der Meerenge gelegt haben, wäre deren Beseitigung jedoch ein wichtiger
Beitrag.
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