Viktor Orbán: „Ich hoffe, Sie sind mindestens so müde wie ich“
Wie tritt ein Herrscher auf, der seine eigene Niederlage heraufziehen sieht? Wenn er Viktor Orbán heißt, schürt er Angst vor Feinden, er sucht Rückhalt bei befreundeten Autokraten, lässt sich von russischen Geheimdiensten beraten – und wenn selbst das nicht mehr verfängt, wirbt er ein letztes Mal um die Gunst des Volkes.
Nur was, wenn auch das nicht reicht? Was, wenn der ungarische Ministerpräsident die Parlamentswahl am Sonntag verliert?
Samstag in Budapest, der letzte Abend vor der Wahl. Kurz vor 20 Uhr tritt Viktor Orbán auf eine Bühne im Burgviertel. Es wirkt, als wisse er nicht recht, wohin mit sich. Kurz legt er seine Hand auf die Brust, dann steckt der 62-Jährige seine Hände in die Taschen seiner Outdoorjacke. Ein Lächeln kann er sich nicht abringen. Orbán tritt ans Podest, dann wieder zur Menge, winkt, die Hände weit ausgebreitet.