Wahl in Ungarn: Auszählung in Ungarn läuft – Warten uff erste Teilergebnisse



Susanne Ködel
Susanne Ködel

Die Auszählung läuft

Bei der Ungarn-Wahl werden derzeit die Stimmen ausgezählt. Erste belastbare Teilergebnisse lassen noch auf sich warten. Bislang ist erst ein Bruchteil der Stimmen ausgezählt worden. Die Wahlkommission aktualisiert den Status laufend auf ihrer Webseite.

Claudia Thaler
Claudia Thaler

Angespannte Stimmung in Budapest

Auch mein Kollege Ulrich Ladurner beobachtet die Szenen in Budapest. Anhänger von Péter Magyar versammeln sich auf dem Batthyány-Platz, am rechten Donaufer. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf das prächtige, hell erleuchtete Parlamentsgebäude, schreibt er. Noch feiert niemand, noch herrscht erwartungsvolle Stimmung.Die Menschen hier haben keine Zweifel, dass Magyar gewinnen wird, schreibt mein Kollege. Aber sie sind zurückhaltend, denn sie wissen, dass Magyar eine Zwei-Drittel-Mehrheit braucht, um das System Orbán zu ändern.

Alexander Kauschanski
Alexander Kauschanski

„Árad a Tisza“

Immer wieder skandieren die Magyar-Unterstüzer: „Árad a Tisza.“ Wörtlich übersetzt heißt das: Die Theiß tritt über die Ufer. Die Theiß ist ein Nebenfluss der Donau, fließt durch Ungarn und ist für seine Hochwasser bekannt. Zugleich heißt so Péter Magyars Partei für Recht und Freiheit. Die Parole spielt mit beiden Bedeutungen. Gemeint ist: Tisza bekommt so viele Stimmen, dass sie alles überschwemmt.

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Magyar gibt sich optimistisch

Er sei optimistisch über den Ausgang der Wahl, sagte Magyar bei seiner Pressekonferenz. Die hohe Wahlbeteiligung zeige, dass diese Wahl den Menschen in Ungarn sehr wichtig gewesen sei.

Alexander Kauschanski
Alexander Kauschanski

Jubel bei Magyar-Auftritt in Budapest

Jubel brandet auf, als Péter Magyar in Budapest vor die Presse tritt. Sein Auftritt wird live übertragen. Dann wird es still auf dem Batthyány-Platz. Die Menge lauscht. Magyar dankt allen, die gewählt haben. Sie hätten die Demokratie in Ungarn gefeiert.

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Orbáns Stabschef führt Wahlbeteiligung auf Mobilisierung von Fidesz zurück

Der Stabschef des amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán, Gergely Gulyás, hat die hohe Wahlbeteiligung in Ungarn als Zeichen einer starken Demokratie bezeichnet. Den Grund für die höchste Wahlbeteiligung seit dem Ende des Kommunismus sieht Gulyás in der Mobilisierung durch die Regierungspartei Fidesz. „Wir freuen uns, dass das nächste Parlament über dieses starke demokratische Mandat verfügen wird“, sagte der Stabschef. Er vertraue darauf, das Fidesz auch darin die Mehrheit haben werde.

Alexander Kauschanski
Alexander Kauschanski

„Wir sind aufgeregt, aber auch nervös“

Der Batthyány-Platz liegt in Budapest auf der Budaer Seite der Donau, gegenüber dem Parlament. Am Abend hat sich hier eine große Menge versammelt, Unterstützer von Viktor Orbáns Herausforderer Péter Magyar. Viele sind jung, schwenken ungarische Fahnen. Auch eine EU-Flagge weht im Wind. Auf einer großen Leinwand läuft der Livestream des unabhängigen Senders Partizán. Die Menschen jubeln, als die aktuellsten Umfragewerte erscheinen: Tisza 54 bis 55 Prozent, Orbáns Fidesz 38 bis 40, die rechtsextreme Mi Hazánk 4 bis 5 Prozent.

„Wir sind aufgeregt, aber auch nervös“, sagt Noémi. Die 37-Jährige lebt in Budapest, arbeitet im Finanzbereich und ist mit einer Freundin hergekommen. „Tisza wird gewinnen.“ Sie hofft sogar auf eine Zweidrittelmehrheit für Tisza. „Ich will Veränderung. Ich bin es leid mit Fidesz und Orbán. Ich mag die Korruption nicht, den Zustand unseres Landes, ihre Ideologie.“ Und: „Es ist nicht gut, wenn jemand 16 Jahre so viel Macht hat, egal. Wir wollen einen Wandel und ich hoffe, dass wir ihn heute erleben.

Als im Stream ein Fidesz-Politiker erscheint, buht die Menge, viele rufen: „Dreckige Fidesz.“

Noémi (links) und ihre Freundin auf der Tisza-Kundgebung in Budapest
Noémi (links) und ihre Freundin auf der Tisza-Kundgebung in Budapest

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Letzte Umfragen sehen Opposition deutlich vorn

Zwei nach der Schließung der Wahllokale veröffentlichte Umfragen, die allerdings schon vor dem Wahltag durchgeführt wurden, sehen die Tisza-Partei von Péter Magyar vorn. Das Meinungsforschungsinstitut 21KK sieht Tisza in der letzten Umfrage bei 55 Prozent und damit 132 Sitzen im Parlament, Orbáns Fidesz bei 38 Prozent. Als dritte Partei würde demnach die rechtsextreme Partei Unsere Heimat (Mi Hazank) mit fünf Prozent der Stimmen den Einzug ins Parlament schaffen.

In einer Umfrage von Median kommt Tisza auf 135 Parlamentssitze. Prognosen oder Hochrechnungen sind das nicht, die Umfragen sind daher nur bedingt aussagekräftig. 

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Unterschiedliche Regelungen für Ungarn im Ausland

Bei einem knappen Wahlergebnis könnte es auf die Stimmen der im Ausland lebenden Ungarinnen und Ungarn ankommen. Das betrifft mehrere Hunderttausend Wählende, deren Stimmen erst bis weit in die kommende Woche hinein ausgezählt werden. Allerdings bestehen unterschiedliche Regelungen.

Die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern dürfen per Briefwahl wählen. Allein in Rumänien ⁠sind 300.000 Ungarn registriert, angesichts der nationalistischen Rhetorik von Orbán unterstützen sie eher die Regierungspartei Fidesz. In Westeuropa arbeitende Ungarn, denen mehrheitlich eine eher Orbán-kritische Haltung unterstellt wird, dürfen dagegen nicht per ‌Briefwahl wählen. Die 200.000 Ungarn in Deutschland müssen demnach ihre Stimmen in den Konsulaten, der Botschaft ‌oder bei einem Heimaturlaub in Ungarn abgeben. Das erschwert die Wahlteilnahme.

Ungarische Wähler bei der Stimmabgabe in London
Ungarische Wähler bei der Stimmabgabe in London. Henry Nicholls/AFP via Getty Images

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Steigt die Wahlbeteiligung noch auf über 80 Prozent?

Die Wahlbehörde hat den letzten Zwischenstand der Wahlbeteiligung veröffentlicht. Bis 18.30 Uhr haben demnach 77,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, was jetzt schon ein Rekordergebnis darstellt. Die schlussendliche Beteiligung bis 19 Uhr könnte an die 80 Prozent heranreichen.

In einigen Regionen sind die 80 Prozent bereits geknackt. In Budapest haben 80,96 Prozent ihre Stimme abgegeben, in den westlichen Regionen Györ-Moson-Sopron (81,95 Prozent) und Vas (81,56 Prozent) liegt die Beteiligung sogar noch höher. 

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Die Wahllokale sind geschlossen

Die Ungarinnen und Ungarn haben gewählt. Seit 19 Uhr sind die Wahllokale im ganzen Land geschlossen. Erste Teilergebnisse werden in etwa einer Stunde erwartet. Ob Ministerpräsident Viktor Orbán an der Macht bleibt oder sein Herausforderer Péter Magyar gewinnt, wird sich voraussichtlich erst in den Stunden danach zeigen.

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Wer ist Péter Magyar?

Mit einem Facebook-Post im Februar 2024 zog Péter Magyar erstmals das Interesse der ungarischen Öffentlichkeit auf sich. „Ich möchte keine Minute Teil eines Systems sein, in dem sich die wahren Verantwortlichen hinter den Röcken von Frauen verstecken“, schrieb er, gerichtet an Viktor Orbán.

Zwei Jahre später ist Magyar der gefährlichste Gegner des ungarischen Ministerpräsidenten – vielleicht auch deshalb, weil sie sich als ehemalige Parteigenossen in manchen Punkten gar nicht so uneinig sind, wie mein ZEIT-Kollege Ulrich Ladurner schreibt. Anders sieht das aber zum Beispiel beim Verhältnis zur Europäischen Union aus.

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Claudia Thaler
Claudia Thaler

Orbán will Wahlergebnis nach eigenen Angaben anerkennen

Regierungschef Viktor Orbán hat angedeutet, das Wahlergebnis in jedem Fall anerkennen zu wollen. „Es gibt eine Verfassung in Ungarn, und sie muss befolgt werden. ​Die Entscheidung des Volkes muss respektiert werden„, sagte Orbán, der seit 2010 an der Macht ist.

Trotz eines Vorsprungs für die Oppositionspartei Tisza in den Umfragen von sieben bis neun Prozentpunkten, gilt der Ausgang als offen. Dies liegt unter anderem an einem von Orbáns Fidesz-Partei geänderten Wahlrecht. Es ​begünstigt ländliche Wahlkreise, in denen Fidesz traditionell stark ist, gegenüber den Städten. Experten zufolge benötigt die Opposition daher landesweit einen Vorsprung von mindestens fünf bis sieben Prozentpunkten, um eine parlamentarische Mehrheit zu erringen.

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Der Endspurt läuft

Die letzte Stunde der Wahl ist angebrochen, um 19 Uhr schließen die Wahllokale in Ungarn. 
Wähler und Wählerinnen in Budapest
Wähler und Wählerinnen in Budapest. Sebi Behrens/DIE ZEIT

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Das Ende von Orbán?

In wenigen Stunden werden erste Teilergebnisse für die Wahl erwartet, die in Ungarn vieles ändern könnte. Die große Frage: Bleibt Viktor Orbán weiter an der Macht? In den vergangenen 16 Jahren hat der ungarische Ministerpräsident das demokratische System seines Landes zunehmend zu einem autokratischen umgebaut.

Der Opposition um seinen Herausforderer Péter Magyar von der Mitte-rechts-Partei Tisza werden den Umfragen nach zum ersten Mal große Chancen zugerechnet. Wer ist Magyar? Wieso steht Orbán diesmal so schlecht dar? Alles Wichtige zur Wahl in Ungarn haben meine Kollegen Anna-Lena Schlitt, Konstantin Zimmermann und Claudia Thaler für Sie zusammengefasst.

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