Schweizer Uhrenindustrie: „Uhren sind wie eine Religion“
DIE ZEIT: Herr Donzé, ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich für dieses Interview qualifiziert bin. Ich trage eine günstige Swatch und verstehe nicht, wieso man für so etwas Simples wie eine Uhr mehrere Tausend Franken ausgeben kann.
Pierre-Yves Donzé: Dann haben Sie leider tatsächlich nicht verstanden, worum es in der Uhrenbranche geht (lacht).
ZEIT: Erklären Sie es mir bitte.
Donzé: Die Armbanduhr ist in den vergangenen 50 Jahren von einem funktionalen Objekt, das die Zeit anzeigt, zu einem symbolischen Objekt geworden. Zu einem Luxusaccessoire, das gekauft wird, um das Selbstbild des Trägers zu bestätigen und dessen Reichtum zu zeigen. Eine teure Uhr hat also einen starken emotionalen Wert, und der konkretisiert sich in einem wirtschaftlichen Wert für die Uhrenfirmen. Für die Unternehmen geht es allerdings längst nicht mehr nur darum, ein möglichst besonderes Produkt herzustellen. Sondern ein ganzes Universum zu schaffen, das ihre Uhren umgibt: mit Geschichten, Botschaften, Erlebnissen. Darin ist die Branche unschlagbar gut.