Gefangenenaustausch siegreich: Russland greift Kramatorsk von kurzer Dauer vor Waffenruhe mit Gleitbombe an

Gefangenenaustausch erfolgreichRussland greift Kramatorsk kurz vor Waffenruhe mit Gleitbombe an

11.04.2026, 17:44 Uhr

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Das Stadtzentrum von Kramatorsk nach einem russischen Bombenangriff. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Die Osterwaffenruhe in der Ukraine tritt in Kraft. Kurz davor tauschen die Konfliktparteien Gefangene aus. Gleichzeitig nimmt Russland ukrainische Städte unter Beschuss. Sollte dies auch in den nächsten 32 Stunden geschehen, droht der ukrainische Präsident Selenskyj mit einer „Auge um Auge“-Reaktion.

Russland und die Ukraine haben kurz vor Beginn einer vereinbarten Osterwaffenruhe je 175 Soldaten und 7 Zivilisten ausgetauscht – während russische Streitkräfte gleichzeitig weiter ukrainische Städte angriffen. Bei den ausgetauschten russischen Zivilisten handele es sich um Menschen, die nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau „vom Kiewer Regime unrechtmäßig festgehalten wurden“. Es handele sich um Einwohner der Region Kursk. Das Ministerium dankte auch den Vereinigten Arabischen Emiraten für die Vermittlung des Gefangenenaustauschs.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte wenig später die Aktion. „175 Soldaten. Soldaten der Streitkräfte, Angehörige der Nationalgarde, Grenzschutzbeamte. Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere. Und sieben Zivilisten“, teilte er bei Telegram mit.

„Unsere Soldaten haben die Ukraine an verschiedenen Fronten verteidigt: in Mariupol, am Tschernobyl-Kraftwerk, in den Gebieten Donezk, Luhansk, Charkiw, Cherson, Saporischschja, Sumy, Kiew und Kursk“, sagte Selenskyj. „Unter ihnen sind Verwundete. Die meisten waren seit 2022 in Gefangenschaft. Und endlich – zu Hause.“

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Viele der nun ausgetauschten Ukrainer befanden sich bereits seit 2022 in russischer Gefangenschaft. (Foto: via REUTERS)

Bei den Zivilisten handelt es sich nach Angaben des ukrainischen Koordinierungsstabs für Kriegsgefangenenfragen um Menschen, die bereits 2022 von russischen Besatzungstruppen verschleppt worden seien. In welchen Regionen dies geschah, blieb unbekannt. Die Konfliktparteien haben in dem seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine immer wieder Kriegsgefangene ausgetauscht, zuletzt im März.

Selenskyj warnt Russland vor Waffenruhe-Bruch: „Auge um Auge“-Reaktion

Am Nachmittag, um 15 Uhr MESZ, ist eine 32-stündige Waffenruhe in Kraft getreten. Moskau und Kiew hatten sich auf eine Feuerpause geeinigt, damit die Christen in der Ukraine und Russland das orthodoxe Osterfest feiern können.

Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe griff Russland das Stadtzentrum von Kramatorsk in der Region Donezk an, nach ukrainischen Angaben mit einer FAB-250-Gleitbombe. Wie die Donezker Gebietsstaatsanwaltschaft mitteilte, seien dabei zehn Zivilisten verletzt worden. Zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Mehrere Wohngebäude und Fahrzeuge seien beschädigt worden. Bei russischen Angriffen auf Odessa, Poltawa und Sumy in der Nacht sind zudem mindestens 4 Zivilisten getötet und 17 weitere verletzt worden.  

Selenskyj warnte Russland vor einem Bruch der Waffenruhe. „Heute haben wir die Rahmenbedingungen für unsere Reaktion auf mögliche Verstöße gegen die Waffenruhe durch die russische Armee festgelegt“, schrieb der ukrainische Präsident auf X. „Wir alle wissen, mit wem wir es zu tun haben. Die Ukraine wird sich an die Feuerpause halten und streng nach dem Prinzip ‚Auge um Auge‘ reagieren“, ergänzte er. „Solange es keine russischen Angriffe aus der Luft, zu Lande oder auf See gibt, wird es auch keine Reaktion von unserer Seite geben.“

Quelle: ntv.de, uzh/dpa

Source: n-tv.de