Iran-Gespräche in Islamabad: Verhandlungen mit vielen Hürden

Ein Polizist vor einer Plakatwand zu den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.

Stand: 11.04.2026 • 08:40 Uhr

In Pakistan sollen die Friedensgespräche zwischen den USA und Iran beginnen. Beobachter sind nach dem Eintreffen beider Delegationen zuversichtlicher als bislang. Dabei sind längst nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt.

Es klingt nicht unbedingt nach einem guten Start, wenn vor Beginn von Gesprächen die eine Seite sagt: „Wir sind guten Willens, aber haben kein Vertrauen in die anderen“ – so der iranische Delegationsleiter, Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf. Sein Gesprächspartner, US-Vizepräsident JD Vance, warnte vor seinem Aufbruch, dass man sich nicht austricksen lasse.

Pakistans Premierminister Shahbaz Sharif, Vermittler und Gastgeber der Verhandlungen zwischen den USA und Iran, ist sich der Herausforderung bewusst: „Ein dauerhafter Waffenstillstand ist die nächste schwierige Phase, in der es darum geht, die komplizierten Probleme durch Verhandlungen zu lösen. Diese Phase wird über Erfolg oder Scheitern entscheiden“, so Sharif.

„Make or break“ – so fasste es Sharif am späten Freitagabend zusammen. Bis zuletzt hatte Teheran offengelassen, ob seine Delegation zu Friedensgesprächen anreisen würde – denn aus Sicht Irans muss die Waffenruhe, die seit Mittwoch in Kraft ist, auch für den Libanon gelten. Doch die USA bestreiten das, und Israel setzt seine Angriffe dort fort.

Iran ist auf Verhandlungen angewiesen

Doch zumindest sind alle Beteiligten schon in Islamabad eingetroffen. Die iranische Delegation ist 70 Mann stark. Die Hauptstadt, ein grüner Ort am Fuß der Berge, hat sich herausgeputzt, Bürgersteige frisch gestrichen und die Sicherheitsstufen erhöht.

Trotz der feindlichen Töne und Drohungen, die den Aufbruch begleitet haben, sei Iran jetzt auf Verhandlungen angewiesen, erklärt Kamran Bokhari, Nahost-Experte aus den USA: „Für die Iraner ist es ganz klar eine existenzielle Frage, das haben sie selbst deutlich gemacht. Sie können es sich nicht leisten, länger zu kämpfen, daher haben sie ein großes Interesse daran, dass dies gelingt.“

Doch auch die amerikanische Seite sei auf einen Deal angewiesen und stehe deshalb unter Zeitdruck, so Bokhari: „Der Präsident – ​​es ist ein Zwischenwahljahr – hat diese militärische Mission nicht unternommen, um seine innenpolitische Position zu schwächen. Im Gegenteil, er wollte sie stärken.“

Beobachter zuversichtlicher als zuvor

Doch Pläne und Wirklichkeit können sich manchmal stark voneinander unterscheiden. Es gibt viele Streitpunkte rund um die Verhandlungen. Das 10-Punkte-Papier, das als Grundlage dienen soll, existiert in zwei verschiedenen Versionen. Die Persische liest sich wie eine Wunschliste Irans, mit Reparationen für Kriegsschäden, Aufhebung von Sanktionen, Erlaubnis des Atomprogramms – und allein dieser Punkt ist für US-Präsident Trump nach wie vor ausgeschlossen.

Trotzdem blicken Beobachter zuversichtlicher als noch vor einigen Wochen auf diese Verhandlungen: Dass US-Vizepräsident JD Vance angereist ist, sei ein gutes Zeichen. Vance soll Beobachtern zufolge offener sein als etwa der Sondergesandte Steve Wittkof. Die Delegation landete am Vormittag (Ortszeit) in Islamabad.

Pakistan hat auch eigene Interessen

Die eigentlichen Verhandlungen wird Pakistans Außenminister Ishaq Dar leiten, der seit Wochen diplomatisch an einer Lösung des Konflikts mitarbeitet. Am Vormittag soll Premier Shahbaz Sharif mit der iranischen Seite sprechen. „Die pakistanische Führung wird sich nach besten Kräften bemühen, diese Gespräche zum Erfolg zu führen“, sagte er.

Dabei spiele auch Eigeninteresse eine Rolle, erklärt Christian Wagner, Südasien-Experte von der Stiftung Wissenschaft und Politik: „Man möchte natürlich nicht in den Konflikt involviert werden. Wenn es zur Eskalation kommt, wäre man automatisch Konfliktpartei auf Seiten der USA und Saudi-Arabiens.“

Pakistan müsste dann fürchten, dass Iran eventuell schiitische Gruppen im Land mobilisiere, was die innenpolitische Lage dort nochmal weiter verschlechtern würde, so Wagner. Das ist das eine – das andere ist der Imagegewinn. Sollten die Verhandlungen tatsächlich Erfolg haben, kann sich Pakistan als Friedensbringer und Brückenbauer feiern.

Source: tagesschau.de