Oh là là! Diese 25 ungeschriebenen Regeln sollten Frankreich-Reisende Kontakt haben

Die Franzosen haben ihre eigene Art, Dinge zu tun. Großer Wert wird auf Essen, Ästhetik und bestimmte Umgangsformen gelegt. Viele Fauxpas passieren, wenn diese ungeschriebenen Prinzipien verletzt werden. Voilà: ein Leitfaden in 25 Punkten.

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1. Im Café ein Wasser bestellen, ohne „s’il vous plaît“ zu sagen? Lieber nicht! Der Kellner wird dich glatt übergehen. Ein wenig Höflichkeit hingegen öffnet Türen: für ein rasch serviertes Getränk, ein Lächeln oder vielleicht sogar einen besseren Platz.

2. Die Franzosen brauchen keinen Smalltalk und kein leeres Geschwätz mit Fremden, doch eines ist im Alltag unverzichtbar: immer grüßen, wenn man ein Restaurant, ein kleines Geschäft oder sogar einen Aufzug betritt. Ein höfliches „Bonjour Madame“ oder „Bonsoir Monsieur“ signalisiert sofort Wertschätzung und wirkt wie ein kleines soziales Satzzeichen, das auf Anhieb Wohlwollen erzeugt.

Dasselbe gilt beim Abschied: „Au revoir“ oder „Bonne journée“ werden stillschweigend erwartet, und ein ordentliches „Merci Madame“ beim Verlassen der Boulangerie kann nie schaden.

3. Wenn du etwas von einem Franzosen willst – etwa den Busfahrer nach einer Auskunft fragst oder jemanden auf der Straße nach dem Weg – solltest du nicht einfach lospoltern, schon gar nicht auf Englisch („Hey, Mister, where’s the Eiffel Tower?“). Nutze stattdessen einen der zentralen Zaubersätze der französischen Sprache: „Excusez-moi, Monsieur …“. Diese magischen Worte wirken selbst bei ungeduldigen Passanten oft Wunder. Noch eindrucksvoller in der erweiterten Form: „Excusez-moi de vous déranger, Monsieur …“, „entschuldigen Sie bitte die Störung, mein Herr …“.

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Auch wenn du nie Französisch gelernt hast, ist es lohnend, ein paar grundlegende Ausdrücke zu kennen. Versuche es wenigstens mit: „Excusez-moi, parlez-vous anglais?“, „Entschuldigen Sie, sprechen Sie Englisch?“. Damit zeigst du einen gewissen Respekt für die Sprache, auf die die Franzosen sehr stolz sind.

4. Vergiss nicht, immer etwas Bargeld dabeizuhaben. Zwar kann man heute in den meisten Geschäften und Gastronomiebetrieben bequem mit Karte oder Handy bezahlen, doch viele kleine Läden verlangen noch einen Mindestbetrag. Ohne Scheine keine Croissants – und auch für Trinkgelder im Restaurant ist man mit etwas Kleingeld in der Tasche gut gerüstet.

5. Übertreibe es bei allem Bemühen aber nicht mit Freundlichkeit oder dem Bestreben, sofort Vertrautheit aufzubauen. In Frankreich schätzt man zugleich Diskretion – weniger ist oft mehr.

Ein freundliches Bonjour, ein dezentes Lächeln: Das genügt. Wer dem Coiffeur oder Antiquitätenhändler sein halbes Leben erzählt oder die Servicekraft im Bistro mit persönlichen Fragen löchert („Wohnen Sie im Quartier?“), wirkt nicht charmant, sondern aufdringlich. Auch überbordend gute Laune, anbiederndes Geplauder oder falsche Komplimente erzeugen mehr Verlegenheit als Freude.

Die Vorstellung, etwas zu sagen, das man nicht so meint – etwa „Wir sollten das öfter machen“ zu jemandem, den man eigentlich nicht wiedersehen möchte – sorgt für grenzenlose Verwirrung. Im Zweifel schweigen die Franzosen lieber, als etwas zu äußern, hinter dem sie nicht stehen.

6. Lass dich nicht vom Klischee täuschen, dass Franzosen gegenüber Fremden hochnäsig und abweisend seien. Dieser Ruf hat viel mit kulturellen Unterschieden zu tun: Man gibt sich generell privater und reservierter und öffnet sich erst, wenn man jemanden wirklich kennt – und wenn nicht, c’est la vie. So ist das Leben.

Zugleich sind Franzosen – etwa im Vergleich zu Engländern – ausgesprochen direkt. Sie sagen unbefangen, was sie denken. Diese unverblümte Offenheit kann manchmal vor den Kopf stoßen, ist aber nicht zwingend Ausdruck von Sympathie oder Antipathie. Meist geht es einfach darum, die eigene – aus ihrer Sicht selbstverständlich wahre – Meinung mitzuteilen.

7. Küsschen ja, Umarmung nein: Hingehauchte Küsse zur Begrüßung oder zum Abschied – faire la bise – sind in Frankreich eine gängige Geste unter Freunden, Familie und sogar flüchtigen Bekannten. Viele Franzosen verstehen jedoch nicht, warum man sich stattdessen umarmt. Eine Umarmung gilt als deutlich intimer als ein paar Küsschen auf die Wange.

Und die Anzahl der Küsschen variiert je nach Region: zwei in weiten Teilen des Nordens, manchmal drei oder vier anderswo – ein kleiner regionaler Tanz der Höflichkeit, der sogar die Franzosen selbst manchmal ins Grübeln bringt. Am besten lässt du dein Gegenüber den Takt vorgeben, dann kann kaum etwas schiefgehen.

8. In vielen Ländern landet man heute schon nach dem zweiten Satz beim vertraulichen „Du“, und in Berlin würde man kaum auf die Idee kommen, den Barmann zu siezen. In Frankreich hingegen wird Distanz selbst unter jungen Leuten als Zeichen von Respekt verstanden.

Ungefragtes Duzen wirkt nicht lässig, sondern eher vulgär, fast wie ein kleiner sozialer Übergriff. Wer Menschen trifft, die man nicht gut kennt, ist mit einem freundlichen „vous“ auf der sicheren Seite – sonst kann es passieren, dass man trotzdem nachdrücklich gesiezt wird.

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Der Wechsel zum „tu“ ist ein besonderer Moment, meist eine ausgesprochene Einladung – ein fast feierlicher Schritt hin zu einer persönlicheren Ebene, der besser vom Franzosen als vom Besucher ausgeht. Bemerkenswert: Selbst langjährige Freunde sprechen sich oft konsequent weiter mit „vous“ an. Für Außenstehende wirkt das herrlich anachronistisch, als hätte jemand vergessen, im 19. Jahrhundert das Licht auszuschalten. Dahinter steckt jedoch kein Mangel an Nähe, sondern ein fein geölter Höflichkeitscode, der tief in der französischen Kultur verankert ist.

9. Eine gemeinsame Mahlzeit hastig herunterzuschlingen, ist in Frankreich ein absolutes No-Go. Essen bedeutet hier weit mehr als bloße Nahrung oder simples Vergnügen – es ist fast schon heilig. Ein großer Teil des Lebens dreht sich ums Einkaufen, Zubereiten, Genießen und Diskutieren über Essen (nicht selten sprechen Franzosen beim Mittagessen schon über das Abendessen).

Das heißt aber nicht, dass sie ständig naschen – au contraire, ganz im Gegenteil: Es gibt feste Essenszeiten, und dafür nimmt man sich alle Zeit der Welt, sei es mit Familie, Freunden oder – mittags – mit den Kollegen.

10. Rufe im Restaurant bloß nicht „Garçon!“ Der Ausdruck mag in Lehrbüchern noch auftauchen, ist aber längst überholt – niemand spricht heute einen Kellner so an. Direktes Zurufen ist ohnehin unfein. Am besten suchst du Blickkontakt und sagst dann leise Monsieur – beziehungsweise Madame –, sobald die Bedienung in Reichweite ist.

Übrigens: „Mademoiselle“ ist zwar weniger anstößig als das deutsche „Fräulein“, doch die Anrede ist definitiv passé und wird heute fast nur noch von älteren Menschen auf dem Land verwendet. Aus dem Mund ausländischer Gäste stößt sie selten auf Begeisterung.

11. Frag beim Bezahlen im Restaurant auf keinen Fall in die Runde: „Wer hatte was?“ In Frankreich übernimmt üblicherweise ein Gast die gesamte Rechnung, und man teilt die Summe anschließend einfach durch die Anzahl der Personen am Tisch. Ende der Diskussion. Pedantische Detailfragen wie „Hattest du das Dessert?“ gelten pas du tout – überhaupt nicht – als angemessen. Kleinklein macht hier niemand, und viele Restaurants tun sich bis heute schwer, einzelne Teilbeträge abzurechnen.

12. Frankreich ist ein Land der Weinliebhaber. Prendre un verre während einer Mahlzeit ist nach wie vor weitverbreitet, auch wenn Millennials und die Gen Z beim Alkoholkonsum zurückhaltender sind.

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Was es sichtlich weniger gibt als in Deutschland oder England, ist öffentliche Trunkenheit. Wenn Leute mit Grölen, Torkeln oder anderem störenden Verhalten auffallen, sind es meist Touristen. Die Franzosen genießen ihren Wein gern – aber bitte mit Haltung.

13. Die Franzosen sind stolz auf ihre Cuisine und erwarten, dass du ihre Köstlichkeiten und Spezialitäten würdigst. Eine gewisse Probierfreudigkeit gehört zum guten Ton.

Wer bei jeder Speise die Nase rümpft oder lange Listen kulinarischer Sonderwünsche und angeblicher Unverträglichkeiten vorbringt, macht sich schnell unbeliebt. Bei echten Nahrungsmittelintoleranzen solltest du das Restaurant vorab informieren – vor allem, wenn es sich um ein Gourmetlokal mit kleiner Karte handelt.

14. Lass dich am Telefon nicht einschüchtern. Die erste Antwort der Telefonistin lautet in Frankreich fast immer „impossible“ oder „non“. Gemeint ist jedoch: „Dann zeig mal, wie sehr du es willst – überzeuge mich.“ Und genau so geht es weiter – jede neue Durchwahl ist eine kleine Prüfung, die du bestehen musst, bevor du endlich beim richtigen Gesprächspartner landest.

15. Während es in deutschsprachigen Ländern und Skandinavien üblich ist, nackt in die Sauna zu gehen, trägt man in Frankreich grundsätzlich Badekleidung. Lediglich in einigen geschlechtsspezifisch getrennten Saunen ist textilfreies Schwitzen erlaubt – und selbst dann meist nur mit umgebundenem Handtuch.

16. In Frankreichs Großstädten zählen Flexibilität und die Fähigkeit, sich seinen Weg zu bahnen, oft mehr als starre Fairness. Hier stellt man sich nicht einfach diszipliniert hinten an wie in London oder Edinburgh – es läuft anders. In Bussen und Metros herrscht ein funktionierendes Durcheinander: scheinbar ohne Rücksicht auf aussteigende Fahrgäste, und doch kommt jeder irgendwie an den anderen vorbei.

Vor den Kassen in Geschäften bilden sich zwar Schlangen, doch deren Ablauf ist unvorhersehbar. Wer zu höflich wartet, bleibt schlicht hängen. Am besten beobachtet man die Einheimischen genau und passt sich an – ohne ein wenig Durchsetzungsvermögen geht hier gar nichts. C’est la France.

17. Du wurdest tatsächlich privat eingeladen? Dann darfst du dich geehrt fühlen! Wer diese Schwelle überschreitet, kann sich auf die großzügige Gastfreundschaft der Franzosen freuen. Allerdings: Man erscheint niemals mit leeren Händen – selbst wenn der Gastgeber vorher betont, man müsse nichts mitbringen.

Blumen, handgemachte Pralinen (chocolats artisanaux) oder eine gute Flasche Wein kommen immer gut an. Der erlesene Cru landet nach französischer Etikette jedoch nicht sofort auf dem Tisch, sondern meist im Weinkeller des Hauses.

18. Bring keinen Wein aus deinem Heimatland mit. Es gibt kaum einen besseren Wein als französischen Wein, und für den Beweis des Gegenteils bist du hier am falschen Ort.

19. Bei privaten Abendeinladungen gilt: besser zu spät als zu pünktlich. Etwa eine Viertelstunde Verspätung wird als taktvoll betrachtet. Wer exakt zur verabredeten Zeit klingelt, trifft den Gastgeber womöglich noch unter der Dusche oder bei den letzten Vorbereitungen fürs Dîner.

20. Komm nicht mit leerem Magen. Es wird zwar zu essen geben, reichlich und in mehreren Gängen – aber erst am fortgeschrittenen Abend. Bis zum Entrée fließt mancher Tropfen in den nüchternen Bauch. Ohnehin treffen die nächsten Gäste erst nach einer weiteren Dreiviertelstunde ein: „Sind wir zu spät?“ – „Mais non!“, keineswegs. Erst nach vielen Freundlichkeiten und mehrmals nachgefülltem Glas geht es an den Tisch.

21. Lass dich nicht von den vielen Wortabkürzungen irritieren. Franzosen lieben sie innig – was es für Ausländer nicht einfacher macht, sie zu verstehen. So wird ein Obdachloser, alias Clochard, heute allgemein als SDF (sprich: „esdef“) bezeichnet. Das steht für „sans domicile fixe“ – ohne festen Wohnsitz. Wird etwas gelobt, hört man oft „impec!“ – die Kurzform von „impeccable“, einwandfrei. Und „ados“ ist die gängige Abkürzung für „adolescents“, also Jugendliche.

22. Neben Freiheitsliebe, libertärem Geist und unbekümmerter Nonchalance gibt es in Frankreich einen ebenso ausgeprägten Drang zur Disziplin und eine Neigung zu regelversessener Bevormundung – wahrscheinlich sind das zwei Seiten derselben Medaille. So ist seit Sommer 2025 das Rauchen in fast allen öffentlichen Außenbereichen verboten: Parks, Bushaltestellen, Sportanlagen, in der Nähe von Schulen – selbst an Stränden.

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Das Gesundheitsministerium betont: „Die Freiheit zu rauchen muss dort enden, wo die Freiheit der Kinder beginnt, frische Luft zu atmen.“

Man muss dieses Durchgreifen nicht immer verstehen: Restaurantterrassen bleiben vom Verbot ausgenommen, und die gesundheitlichen Risiken für Kinder am Strand erscheinen angesichts der großen Menge frischer Meeresluft gering. Wer sich dennoch nicht daran hält und erwischt wird, zahlt 135 Euro.

23. Selbstverständlich kannst du die französischen Mode-Codes ignorieren, wenn dir nach salopper Kleidung ist, nur wundere dich nicht, wenn du dabei wie der Tourist des Monats wirkst. Besonders in Städten wie Paris oder Bordeaux zählt Eleganz oft mehr als reine Zweckmäßigkeit.

Überall begegnet man raffiniert dezenten, geschmackvollen Outfits. Selbst im Urlaub, wenn sich andere Nationen gern völlig gehen lassen, pflegen die Franzosen konsequent ihr Stilgefühl. Alles, was eher praktisch als schön ist – klobige Rucksäcke, Funktionskleidung, Trekkingsandalen – sorgt für hochgezogene Augenbrauen und macht unmissverständlich klar: Du bist kein Kenner französischer Alltagsästhetik.

24. Vorsicht beim Kraftausdruck „putain!“ (wörtlich: „Hure“). Zwar wird das Wort von Franzosen aus allen Schichten bei fast jeder Gelegenheit benutzt und dient oft der Bekräftigung einfacher Feststellungen, zum Beispiel „Ce n’est pas évident, putain!“ („Das ist echt nicht einfach, Mann!“). Von Ausländern geäußert, wirkt es jedoch unpassend und vermittelt schnell den Eindruck, man wolle extra cool oder prollig erscheinen.

Meist okay sind dagegen die harmloseren Ausrufe „merde!“ und „zut alors!“. Sie klingen zwar ebenfalls derb, sind aber nicht beleidigend – vergleichbar mit dem deutschen „Mist!“ oder „Verdammt noch mal!“. Zu meiden sind allerdings die in lockeren Situationen häufig verwendeten Varianten „putain de merde!“ oder „putain de bordel de merde!“, ebenso wie zahlreiche andere umgangssprachliche Ausdrücke wie „ta gueule!“ („Halt’s Maul!“) oder „connard!“ („Vollidiot!“).

25. Widersprich den Franzosen nicht, wenn sie über den (angeblichen) Verfall der guten Umgangsformen klagen – das ist seit Jahrhunderten ihr Lieblingsthema. C’est comme ça. So ist das nun mal!

Source: welt.de