Ukrainekrieg: Russland will keine Schwäche nebst dieser Drohnenabwehr zeigen

Im Abwehrkampf gegen Russland steht die Ukraine derzeit wieder besser da. Fortschritte in der Drohnenentwicklung haben das ohnedies langsame Vorrücken der Invasoren im Donbass weiter gebremst und es Kiew ermöglicht, die russische Energieinfrastruktur empfindlich zu treffen. Im Irankrieg erzielt Präsident Wolodymyr Selenskyj damit auch Erfolge auf internationaler Bühne. Er bestätigte nun, dass die Ukraine Militärfachleute in mehrere Länder des Nahen Ostens entsandt habe, um beim Abschuss iranischer Drohnen zu helfen. Im Gegenzug erhalte man Treibstoff und Abwehrwaffen.
„Es geht hier nicht um eine Trainingsmission, nicht um Übungen“, sagte Selenskyj dem Portal „Kyiv Independent“ zufolge in einem Gespräch mit Journalisten. „Es geht darum, die Entwicklung eines modernen Flugabwehrsystems zu unterstützen, das tatsächlich funktionieren kann.“ Der Ukraine sei es gelungen, auch Drohnen mit Düsenantrieb zu zerstören. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis man auch in der Lage sei, solche Drohnen im industriellen Maßstab zu produzieren.
Selenskyj sagte, dass die Ukraine zurzeit mit Oman, Kuwait und Bahrain über Sicherheitsabkommen für zehn Jahre verhandele. Mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar hat Kiew bereits Verträge abgeschlossen. Dafür erhält die Ukraine Abwehrwaffen zum Schutz ihrer Energieinfrastruktur sowie Benzin und Diesel unter anderem aus europäischen Raffinerien.
Eine Osterruhe gab es schon im vergangenen Jahr
Auf russischer Seite teilte der Kreml am Donnerstagabend mit, es solle zum orthodoxen Osterfest an diesem Wochenende eine Waffenruhe gelten, von Samstagnachmittag bis zum Ablauf des Sonntags. „Wir gehen davon aus, dass die ukrainische Seite dem Beispiel der Russischen Föderation folgt“, hieß es noch.
Dabei hatte Selenskyj schon Ende März jede Form von Waffenruhe befürwortet und dabei neben einer völligen Feuerpause auch eine „Energie-Waffenruhe“, also ein Aussetzen der gegenseitigen Angriffe auf die Energieinfrastruktur, sowie eine neuerliche „Waffenruhe über die Osterfeiertage“ erwähnt, wie es sie 2025 schon gab. Auch damals hatte sie der russische Herrscher Wladimir Putin kurzfristig angekündigt, seinerzeit als Zeichen eines vermeintlich guten Willens an die Adresse des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Später hatten Moskau und Kiew einander vorgeworfen, die Waffenruhe nicht eingehalten zu haben, doch ließ der gegenseitige Beschuss nach.
Putins Sprecher, Dmitrij Peskow, maß der neuen „Osterwaffenruhe“ am Freitag einen „ausschließlich humanitären Charakter“ zu und verwies auf das in beiden Ländern „heilige Fest“.
Selenskyj verärgert über Fernbleiben von US-Unterhändlern
Doch hatte Moskau lange gezögert, auf den Vorstoß Selenskyjs einzugehen, sodass dieser angekündigt hatte, die USA bitten zu wollen, den Russen das Kiewer Angebot zu übermitteln. Auf Selenskyjs Vorschlag einer neuerlichen „Energie-Waffenruhe“ ging Moskau nicht ein. Denn die Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe an den russischen Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk, im Schwarzmeerhafen von Noworossijsk sowie an einer Reihe von Raffinerien, werden in Moskau nicht offiziell thematisiert. Auch ein mit Wirkung von Anfang April erneuertes Benzinexportverbot wurde nicht mit Kriegsschäden begründet, sondern mit Folgen „der nahöstlichen Krise“. Offenkundig will es der Kreml vermeiden, Schwäche im Bereich der Drohnenabwehr einzugestehen.
Peskow machte klar, dass der Kreml weiter an seinen Kriegszielen festhält. Am Freitag sagte er, „wir wollen keine Waffenruhe, wir wollen Frieden“, der eintrete, wenn Selenskyj „Verantwortung übernimmt und die entsprechende Entscheidung trifft“. Gemeint sind insbesondere Gebietsräumungen zugunsten der Invasoren, die Moskau und auch Washington von der Ukraine einfordern. Selenskyj selbst sagte jüngst, dass die amerikanische Seite Druck auf Kiew ausübe, Moskau den Donbass zu überlassen, den es seit zwölf Jahren vergeblich vollständig zu erobern versucht.
Das würde das Tor für Eroberungen weiterer Gebiete und Großstädte wie Dnipro und Saporischschja öffnen. Auch äußerte sich Selenskyjs verärgert darüber, dass die Trump-Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff, die mehrfach bei Putin zu Gast waren, bisher Kiew meiden. Für einen Besuch gebe es bisher keinen Termin, sagte Selenskyj nun. Sein Präsidialamtschef Kyrylo Budanow hatte zuvor gesagt, man erwarte, dass Kushner und Witkoff Kiew nach dem 12. April besuchen würden.
Source: faz.net