Leo zum Irankrieg: Der Papst uff Konfrontationskurs zu Trump

„Es geht sicherlich um Fragen des Völkerrechts, aber noch viel mehr als das ist es eine moralische Frage“, sagte der Papst beim Verlassen der Residenz südöstlich von Rom vor Journalisten. Leo XIV. stammt aus Chicago und ist der erste Papst aus den USA; er verfügt zudem über die peruanische Staatsangehörigkeit.
Der Papst forderte alle Beteiligten im Irankrieg auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: „Lasst uns reden. Lasst uns auf friedliche Weise nach Lösungen suchen.“ Er appellierte zudem an „die Bürger aller beteiligten Länder“, sich an ihre Behörden, an die Verantwortlichen und an ihre gewählten Vertreter zu wenden, um diese aufzufordern, „für den Frieden zu arbeiten und den Krieg immer abzulehnen“.
Katholische Bischofskonferenz bittet Trump um „Schritt zurück vom Abgrund des Krieges“
Auch der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz der USA, der Erzbischof von Oklahoma City, Paul Coakley, hatte sich am Dienstag mit einem direkten Appell an Trump gewandt und diesen aufgefordert, „einen Schritt zurück vom Abgrund des Krieges“ zu nehmen. „Die Drohung, eine ganze Zivilisation zu vernichten, und die gezielte Bekämpfung ziviler Infrastruktur können nicht moralisch gerechtfertigt werden“, heißt es in der Mitteilung Coakleys. Der Präsident solle „im Interesse des Friedens eine gerechte Lösung“ aushandeln, „ehe noch mehr Menschenleben verloren gehen“.
Schon in der Karwoche und in seinen Predigten während der Osterfeiertage hatte der Papst den Krieg in Iran sowie die Kriegsrhetorik des Weißen Hauses und namentlich des Pentagons mit zunehmender Deutlichkeit kritisiert. „Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“, sagte der Papst in seiner Ansprache vor dem traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdenkreis) am Ostersonntag auf dem Petersplatz.
In seiner Predigt am Palmsonntag zu Beginn der Karwoche hatte Leo in unverblümter Weise auf die Rhetorik von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sowie von evangelikalen Christen reagiert. Diese hatten den Waffengang der USA und Israels gegen Iran mit historischen und biblischen Bezügen zunehmend religiös aufgeladen und die Amerikaner zu Gebeten für ein günstiges Kriegsglück für die USA und Israel in Iran aufgerufen.
Trump als biblische Gestalt
So pflegt etwa der evangelikale Pastor Franklin Graham, der Sohn des Erweckungspredigers Billy Graham, Präsident Trump mit der biblischen Gestalt Esther zu vergleichen, die gemäß Altem Testament beziehungsweise Hebräischer Bibel die Juden in der Diaspora vor der Vernichtung durch den persischen Großwesir Haman rettete. Trump sei von Gott „für eine Zeit wie diese“ gesandt worden, sagte Graham bei einem Treffen evangelikaler Pastoren vor der Karwoche im Weißen Haus.
„Blicken wir auf Jesus, der sich als König des Friedens zeigt, während um ihn herum der Krieg vorbereitet wird“, so dagegen der Papst in seiner Palmsonntagspredigt. Jesus habe „in seiner Sanftmut“ geruht, während sich die anderen in Gewalt ereifert hätten. Er habe „sein Leben liebevoll für die Menschheit hingegeben“, während andere zu Schwertern und Stöcken gegriffen hätten, er habe „das Leben gebracht, während er zum Tode verurteilt worden“ sei, sagte Leo. „Brüder, Schwestern“, fuhr der Papst fort, „das ist unser Gott: Jesus, der König des Friedens. Ein Gott, der den Krieg ablehnt; den niemand dazu benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen; der das Gebet derer, die Krieg führen, nicht erhört und es mit den Worten (aus Jesaja 1,15) zurückweist: Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut.“
Die Sprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt reagierte unmittelbar nach der Palmsonntagspredigt auf die Worte des Papstes. „Ich denke nicht, dass etwas falsch daran ist, wenn unsere militärischen Führungskräfte oder der Präsident das amerikanische Volk dazu aufrufen, für unsere Soldaten und für diejenigen zu beten, die im Ausland für unser Land im Einsatz sind“, sagte sie vor Journalisten. „Tatsächlich halte ich das für eine sehr edle Sache.“
Source: faz.net