Vermittler Pakistan: Was reichlich die geplanten Friedensgespräche prestigeträchtig ist

Ein Sicherheitsbeamter patrouilliert vor dem Präsidentenpalast im Vorfeld der iranisch-amerikanischen Gespräche in Islamabad, Pakistan


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Stand: 10.04.2026 • 04:37 Uhr

Im pakistanischen Islamabad sollen die ersten Friedensgespräche zwischen den USA und Iran stattfinden – doch bereits jetzt ist die Waffenruhe fragil. Wer nimmt an den Gesprächen teil? Und welche Rolle spielt Pakistan? Ein Überblick.

Nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und Iran blickt die Welt nach Islamabad. In der pakistanischen Hauptstadt werden in den kommenden Tagen Gespräche zwischen den beiden Kriegsparteien über eine mögliche Friedenslösung erwartet. Doch die Waffenruhe ist fragil – und vieles noch unklar.

Wer soll an den Gesprächen teilnehmen?

Dem Weißen Haus zufolge sollen die direkten Verhandlungen am Samstag stattfinden. US-Präsident Donald Trump entsende dafür eine Delegation um Vizepräsident JD Vance, den Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner, sagte Regierungssprecherin Karoline Leavitt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters nehmen auf iranischer Seite Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi teilt. Anderen Quellen zufolge ist die Zusammensetzung der Delegation noch unklar.

Der iranische Botschafter in Pakistan, Resa Amiri Moghadam, kündigte auf X die Ankunft eines iranischen Verhandlungsteams in Islamabad noch im Lauf des Donnerstagabends an. „Trotz der Skepsis in der iranischen Öffentlichkeit aufgrund wiederholter Verstöße gegen die Waffenruhe durch das israelische Regime […] trifft die iranische Delegation heute Abend in Islamabad ein, um ernsthafte Gespräche auf der Grundlage der vom Iran vorgeschlagenen zehn Punkte zu führen“, schrieb er. Allerdings löschte er seinen Beitrag ohne Begründung nach wenigen Stunden.

Warum vermittelt Pakistan?

Pakistan hat die Vermittlerrolle eingenommen, nachdem traditionelle Mediatoren im Nahen Osten wie etwa Katar ausgefallen sind – sie werden in dem Krieg selbst angegriffen. Pakistan hat seit seiner Unabhängigkeit enge militärische und wirtschaftliche Beziehungen zu den USA. Auch durch seine geographische Lage – mit Grenzen zu Afghanistan, Iran, China und Indien – ist es ein bedeutender Partner der Amerikaner in der Region.

Gleichzeitig pflegt das Land regelmäßige hochrangige Kontakte zu Teheran. In dieser Position konnte es an einer Zwei-Phasen-Strategie arbeiten: Das Ziel waren Verhandlungen, und dafür brauchte es zunächst eine Waffenruhe.

Wie Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP) im Interview mit tagesschau.de erklärt, geht es für Pakistan dabei nicht nur um internationalen Imagegewinn – etwa mit Blick auf die Rivalität zu Indien -, sondern auch um eigene Sicherheitsinteressen.

Wie sind die Vorbereitungen?

In Islamabad wurden hohe Sicherheitsvorkehrungen ergriffen. Hunderte zusätzliche Polizisten und paramilitärische Kräfte wurden eingesetzt, um einen störungsfreien Ablauf zu gewährleisten. Teile der Stadt wurden abgeriegelt. Wichtige Straßen zu einem besonders gesicherten Viertel, in dem sich unter anderem der Amtssitz des Präsidenten, das Büro des Ministerpräsidenten, das Außenministerium und ausländische Botschaften befinden, wurden mit Schiffscontainern blockiert.

Ein Hotel, in dem Unterhändler erwartet wurden, wurde unter strenge Sicherheitsvorkehrungen gestellt. Schulen und Regierungsämter sollten zwei Tage lang geschlossen bleiben.

Welche Rolle spielt die Lage im Libanon?

Die massiven israelischen Angriffe auf den Libanon am Mittwoch belasten die Gespräche schon, bevor sie überhaupt begonnen haben. Iran droht mit Vergeltung und wirft Israel vor, die Waffenruhe-Vereinbarung zu verletzen. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi forderte die USA auf, sich zwischen einem Waffenstillstand und einem fortgesetzten Krieg durch Israel zu entscheiden. Beides zusammen sei nicht möglich.

Doch über die Frage, ob der Libanon auch in die Waffenruhe-Vereinbarung fällt, sind sich beide Seiten uneins: Israel und die USA sehen ihn nicht inbegriffen. Dass der Iran davon ausgehe, sei ein Missverständnis, sagte US-Vizepräsident JD Vance. Damit widerspricht er auch der Darstellung Pakistans: Das Land hatte erklärt, die Feuerpause beziehe den Libanon mit ein.

Wegen der Angriffe auf den Libanon bleibt auch der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus laut iranischen Angaben weiter weitgehend eingestellt. Öltanker müssten umkehren, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars, die der Revolutionsgarde nahesteht.

Wie werden die Erfolgsaussichten der Gespräche eingeschätzt?

Auch abgesehen vom Libanon ist vor den Verhandlungen noch vieles unklar. Die USA haben jedenfalls dem Zehn-Punkte-Plan zugestimmt, den Pakistan von Iran übermittelt hat. Über den Inhalt gibt es jedoch Verwirrung. So liegen laut Angaben der Nachrichtenagentur AP zwei Versionen vor, die sprachlich wie inhaltlich voneinander abweichen.

Ein großer Streitpunkt ist das Ende des iranischen Atomprogramms – ein zentraler Aspekt des Krieges. Auch was die Öffnung der Straße von Hormus angeht, bleiben Fragen offen – so gibt es Berichte über mögliche Mautforderungen für Schiffe. Außerdem fordere Iran den Abzug der US-Kampftruppen aus der Region, die Aufhebung der Sanktionen und die Freigabe seiner eingefrorenen Vermögenswerte.

Laut dem Politikwissenschaftler Christian Mölling von der Denkfabrik EDINA ist noch nicht einmal ganz sicher, ob es wirklich zu ersten Gesprächen kommt – oder ob Iran diese platzen lasse. „Denn was sollte ihnen passieren?“, sagte er im ARD-Morgenmagazin. „Die Iraner haben ja demonstriert, dass sie in der Lage sind, wochenlangen Beschuss durch die USA auszuhalten. Und im Grund genommen können sie versuchen, den Preis weiter in die Höhe zu treiben.“ Trump hingegen habe nicht mehr viele Möglichkeiten. „Er kann noch eskalieren, aber selbst das muss nicht bedeuten, dass die Straße von Hormus frei wird.“

Trump selbst erklärte, die amerikanischen Truppen bis zum Abschluss eines Friedensabkommens im Nahen Osten belassen zu wollen. Schiffe, Flugzeuge und Personal würden mit zusätzlicher Munition und Waffen vor Ort bleiben, um notfalls „einen erheblich geschwächten Feind“ zu zerstören, schrieb er in einem Beitrag in den sozialen Medien. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass ein dauerhaftes Abkommen erzielt und eingehalten werde.

Mit Informationen von Lena Bodewein, ARD Singapur

Source: tagesschau.de