Podcast-Skandal um „Brave Mädchen“: Wenn welcher ÖRR hinaus Reichweite statt Qualität setzt

Der Podcast „Brave Mädchen“ startete mit viel Selbstbewusstsein, doch nach nur zehn Folgen ist er Geschichte. Die Message ist eindeutig: Von einem Funk-Format hatten die Hörerinnen mehr erwartet


Mit dem Titel „Wie viele Folgen schaffen wir, bis wir gecancelt werden?“ bewiesen die beiden Hosts des Podcasts „Brave Mädchen“ hellseherische Fähigkeiten

Foto: funk von ARD und ZDF


Ein Blick zurück kann eine gemeine Angelegenheit sein. Große Pläne, selbstbewusste Ankündigungen oder unbedachte Äußerungen haben die Tendenz, schlecht zu altern. Das hat unlängst ein Podcast-Projekt demonstriert: Brave Mädchen, ein Format der öffentlich-rechtlichen Jugendsparte Funk. Zum Start des Podcasts hieß es in einer Mitteilung: „Suki & Henna liefern Storys, Haltung & Chaos.“ Das war im August 2025.

Seitdem hat es in der Tat einige Storys und viel Chaos gegeben. Und Brave Mädchen ist schon wieder Geschichte. Auch wenn sich Funk bemüht, zu betonen, dass eine solche Staffel-Logik normal sei, ist die Causa exemplarisch für eine unglückselige Entwicklung in der Podcast-Welt. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen.

Im Zentrum von Brave Mädchen standen die Social-Media-Persönlichkeiten Suki Tegan und Henna Urrehman. Tegan hat auf Tiktok knapp 200.000 Follower. Urrehman, bekannt aus Reality-TV-Formaten, hat knapp 100.000 Follower. Man muss kein Experte sein, um darauf zu kommen, dass die große Reichweite ein wichtiges Argument für die Wahl der Hosts war.

Gleich in der ersten Folge von „Brave Mädchen“ geht es schief

Inhaltlich – so man das Format mit diesem Adjektiv überhaupt versehen will – war Brave Mädchen ein Laberpodcast, in dem es um „Freundschaft, Feminismus, Dating, Popkultur“ gehen sollte, lose zusammengehalten von mäßig kreativen Rubriken wie „Schrott der Woche“. Da beleidigte das Duo gleich in der ersten Folge eine andere Influencerin als „Pick Me Girl“, also eine Frau, der es vor allem um die Aufmerksamkeit von Männern geht.

Gründlich recherchiert oder gut belegt schien diese „Haltung“ nicht, die Empörung war entsprechend groß. Sogar Morddrohungen habe es gegeben, berichteten Tegan und Urrehman in einer Aufarbeitungsfolge, in der sie sich entschuldigten.

Kategorie „schlecht gealtert“

Nach gerade mal vier Episoden folgte eine kreative Pause von fünf Monaten, um alles so richtig aufzuarbeiten. Vor diesem Hintergrund fiel der Titel der ersten Folge „Wie viele Folgen schaffen wir, bis wir gecancelt werden?“ nicht nur ebenfalls in die Kategorie „schlecht gealtert“, sondern hatte etwas Hellseherisches.

Was passt, denn die beiden Hosts scheinen grundsätzlich einen Draht zur Hellseherei zu haben. In einer Folge diskutierten sie erst in epischer Breite über eine „Hexe“, die sie regelmäßig für Lebensratschläge gebucht hatten, bevor Suki Tegan ihrer Freundin die Zukunft mit Hilfe von Tarotkarten legte. Es half alles nichts, nach insgesamt zehn Folgen endete das Kapitel Brave Mädchen Ende Februar bei Funk.

Man könnte das als besonders kuriosen Einzelfall abtun. Podcasts werden begonnen und eingestampft. Mit einem Format zu scheitern, gehört dazu und sollte erlaubt sein. Doch Brave Mädchen steht sinnbildlich für eine sich verändernde Podcast-Landschaft.

Nicht skandalös, eher traurig

Wo einmal Raum für unkonventionelle Ideen und spannende Formate war, geht es inzwischen vor allem um die (vermutete) Strahlkraft der Hosts. Reichweitenstarke Persönlichkeiten haben also einen enormen Vorteil. Sie bringen nicht nur ihre eigene Fanbase mit, sie sind auch viel schneller auf dem Radar der Redaktionen.

Umgekehrt gehört der Podcast immer häufiger ins Must-have-Portfolio eines modernen Creators. Dass da die Liebe zum Medium und eine Lust am Ausprobieren des Formats auf der Strecke bleiben, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich. Traurig ist es trotzdem.

Denn am Ende war Brave Mädchen zusätzlich zu aller inhaltlichen Streitbarkeit uninspiriert zusammengeklöppelt. Dass sich eine öffentlich-rechtliche Redaktion gedacht hat, sie könnte damit durchkommen, ist überhaupt das Ärgerlichste. Hoffnung macht dagegen, dass der enttäuschte Anspruch an ein öffentlich-rechtliches Format einer der Hauptkritikpunkte war. Der Auftrag an Funk ist also klar: Mehr Mühe geben bei der Podcast-Entwicklung.