Waffenruhe im Irankrieg: Die Mullahs können sich denn Sieger wahrnehmen

Nicht nur die Iraner können froh sein, dass Donald Trump doch noch nicht ihre Zivilisation ausgelöscht hat, für immer. Denn die „verrückten Bastarde“ in Teheran hätten sicher nicht tatenlos zugesehen, wie die Amerikaner und Israelis ihr Land in die Steinzeit bomben, wie Trump sich ebenfalls auszudrücken pflegte.
Entgegen dessen Behauptungen hat Iran noch genug Raketen übrig, um Israel und den arabischen Staaten am Golf tödliche Grüße zu schicken und mit einer solchen Eskalation des Krieges auch den Ölpreis weiter explodieren zu lassen.
Doch werden sich die Kriegsparteien, wie von Trump in Aussicht gestellt, binnen zweier Wochen auf eine dauerhafte Waffenruhe, gar einen Friedensvertrag einigen können? Was bisher über die Positionen Teherans bekannt ist, lässt äußerst schwierige Verhandlungen erwarten. Die Mullahs fordern demnach unter anderem den Abzug der Amerikaner aus der Region und Reparationen für die von den USA und Israel verursachten Kriegsschäden.
Bedingungen, wie sie ein Sieger stellt
Das sind Bedingungen, wie sie ein Sieger dem Verlierer stellt. Ganz unbegründet wäre es nicht, wenn sich die Mullahs, die das amerikanische und israelische Stahlgewitter überlebt haben, als Sieger fühlten. Trump und Netanjahu konnten das iranische Regime dezimieren, aber nicht von der Macht vertreiben. Es verfügt immer noch über das hoch angereicherte Uran, aus dem sich zumindest eine schmutzige Bombe bauen lässt. Und nicht einmal der stärksten Militärmacht der Welt gelang es, Teheran davon abzuhalten, die Straße von Hormus zu sperren und damit die Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen.
Man darf gespannt sein, wie die Europäer, auch Deutschland, dazu beitragen wollen, die freie Schifffahrt an diesem Nadelöhr zu „gewährleisten“, wie es Kanzler Merz ankündigte. Es wäre ein – Trump zu verdankender – Treppenwitz der Geschichte, wenn für die Passage künftig Schutzgeld an Teheran bezahlt werden müsste. Bei aller Ungewissheit über den weiteren Verlauf des Konflikts und der Versuche, ihn beizulegen, kann man wohl davon ausgehen, dass nicht die Amerikaner den bisher vom Seerecht untersagten Wegezoll zahlen würden.
Source: faz.net