Comeback-Tour von BTS: „Hitman“ Bangs nächster Coup
Wenn sich an diesem Donnerstagabend die Sonne über Seoul senkt, beginnt im Goyang Stadion am Rande der südkoreanischen Hauptstadt das nächste Kapitel in der größten Erfolgsgeschichte des K-Pop. Die Boygroup BTS startet die Welttournee zu ihrem im März erschienenen Comeback-Album „Arirang“.
Schon jetzt ist absehbar, dass die Konzertreise der sieben jungen Koreaner, die manche wegen ihres weltumfassenden kommerziellen Erfolgs schon als die Beatles unserer Zeit bezeichnen, ein Triumphzug wird. Alle Konzerte – zwei davon im Juli in München – waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Die Schwarzmarktpreise gingen schnell in die Tausenderbeträge. Am Dienstag kündigte die Plattenfirma von BTS, Hybe, vier zusätzliche Shows in Südamerika an.
Sechs Nummer-eins-Singles in den USA
Die Verkaufszahlen stimmen. Gemessen an den Erfolgswerten, die für das Album „Arirang“ seit seiner Veröffentlichung aus aller Welt eintrudeln, können die Band und ihre Macher an die früheren Erfolge anknüpfen. Bevor RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jung Kook in den vergangenen vier Jahren pausierten, weil einer nach dem anderen seinen Wehrdienst ableisten musste, konnten sie rund um ihren wohl bekanntesten Song „Dynamite“ in kurzer Zeit sechs Nummer-eins-Singles und vier Nummer-eins-Alben allein in den Vereinigten Staaten landen.

Das neueste Werk debütierte nun sogar auf der Spitzenposition der amerikanischen Billboard-Charts, was zuvor noch keiner K-Pop-Combo gelungen war, und hält sich seit bislang an der Spitze. In den Streamingcharts, die nicht nur Verkäufe, sondern eben auch Abrufe auf Streamingplattformen wie Spotify auswerten, landeten sogar alle Songs des Albums in den Top 100. Auf Apple Music hat „Arirang“ die Albumcharts in 115 Ländern und Regionen angeführt. Der koreanische Musikverkaufs-Tracker Hanteo Chart beziffert die Verkäufe von „Arirang“ allein in der ersten Woche schon auf 4,17 Millionen Exemplare.
Es spricht also vieles dafür, dass Bang Si-hyuk, genannt „Hitman“ Bang, mit dem maximal kommerziell ausgeschlachteten Comeback seiner Schützlinge der nächste Coup gelungen ist.
Bang hat einst die sieben smarten Teenager zusammengestellt, zu Südkoreas erfolgreichstem Kulturexport hochgejazzt und damit zugleich den Anstoß für die gesamte K-Pop-Welle gegeben, die inzwischen mit der Netflix Erfolgsserie „K-Pop Demon Hunters“, dem dazugehörigen Ohrwurm „Golden“ und Bands wie Blackpink, La Sserafim und Enhypen allgegenwärtig ist.
Bang selbst ist, inzwischen als Verwaltungsratschef des von ihm gegründeten Labels Hybe, zum reichsten Mann in dem Milliardengeschäft aufgestiegen. Vor allem wegen der Beteiligung an einigen Plattenfirmen schätzte der Marktforscher Korea CXO Institute Bangs Vermögen vor wenigen Tagen auf 4,8 Billionen Koreanische Won (2,8 Milliarden Euro).
Bang Si-hyuk formte die Band BTS
Schon in der Hochschule begann Bang mit dem Komponieren von Liedern und gründete 1997 gemeinsam mit einem Partner seine erste Plattenfirma JYP Entertainment, die eine der damals erfolgreichsten Bands Südkoreas hervorbrachte. Vier Jahre später gründete Bang allein Big Hit Entertainment. Bald darauf nahm er den damals 15 Jahre alten RM unter Vertrag, um den herum er die Gruppe „Bangtan sonyeondan“ formte. Der Name heißt so viel wie „Schusssichere Pfadfinder“. Unter der Abkürzung BTS eroberten sie mit ihrer Mischung aus softem, makellosem Auftreten, durchchoreographierten Auftritten, gut tanzbaren Rhythmen und einer engen Bindung zu den Fans über Social Media rasch die Teenie-Herzen in der ganzen Welt.
Aus dem kleinen Plattenlabel Big Hit Entertainment wurde, inzwischen in Hybe Corporation umgetauft, einer der großen Player im internationalen Musik-Geschäft. Allein der Börsengang im Jahr 2020 ließ Bangs Vermögen nach Angaben von Bloomberg von 770 Millionen Dollar auf 2,8 Milliarden Dollar ansteigen. Mehrere der erfolgreichsten K-Pop-Gruppen stammen aus Bangs Imperium. Gemeinsam mit dem amerikanischen Label Geffen Records hat Hybe zudem vor zwei Jahren ein Castingprojekt gestartet, um im K-Pop-Stil dezidiert den amerikanischen Markt zu erobern. Herausgekommen ist die Girlgroup Katseye, deren Mitglieder aus den Vereinigten Staaten und einigen anderen Ländern stammen.
Inzwischen ist die Börse allerdings skeptisch, ob Bang nach dem Mega-Comeback von BTS noch weitere große Erfolge gelingen können. Der Aktienkurs von Hybe war vom Bekanntwerden des Comebacks bis kurz vor der Veröffentlichung von „Arirang“ von 250.000 auf 400.000 Won gestiegen – inzwischen ist er aber auf 260.000 Won zurückgegangen. Ein Auslöser für den Kursverfall war das erste Konzert der Combo nach ihrer vierjährigen Pause. Zu dem Auftritt in der Innenstadt von Seoul am 21. März hatten die Veranstalter 260.000 Besucher in der Hauptstadt erwartet. Nach Angaben von Hybe kamen am Ende allerdings nur knapp über 100.000 Fans. Die Polizei von Seoul sprach hinterher sogar gerade einmal von 42.000 Besuchern.