Weltraumförderung: Her mit den Aufträgen!

Eine Gruppe junger deutscher Raumfahrtunternehmen ist in großer Sorge. Sie fürchtet, dass der Bund den Großteil der 35 Milliarden Euro zum Aufbau einer technischen Infrastruktur im Weltraum an die arrivierten Anbieter wie Rheinmetall oder OHB ausgeben wird. So werde kein Ökosystem entstehen und auch kein Wettbewerb forciert, warnen sie in einem Brief an Bundeskanzler Merz und die beteiligten Ressortminister. Das Risiko steige, dass der Staat damit Monopolstrukturen zementiere und im Falle von Verzögerungen oder des Scheiterns den Schaden habe.

Na klar, wenn man die Eier in wenige Körbe legt, ist im Falle eines Sturzes die Gefahr des Totalschadens hoch. Andererseits ist Eile das Gebot der Stunde, denn Deutschland und Europa befinden sich in großer Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern.

Starlink aus dem Imperium von Elon Musk hat mehr als 10.000 Satelliten im Orbit. Damit entscheidet der reichste Mann der Welt über die Geschicke auf den Schlachtfeldern, denn rasche und effektive Aufklärung ist eine Kernkompetenz moderner Kriegsführung. Also doch Schnelligkeit vor Ausdifferenzierung? Ein klassischer Zielkonflikt.

Unternehmen von Elon Musk wurden durch staatliche Aufträge groß

Interessanterweise wurde bei der Vergabe der staatlichen Aufträge für Kampfdrohnen das gegenteilige Argument laut: Wenn die Drohnen von Helsing doch funktionierten, warum musste dann mit Stark ein zweites Start-up einen Auftrag bekommen, obwohl dessen Produkte zunächst die Ziele weit verfehlten? Und dann auch noch Rheinmetall, dessen Modell noch gar nicht im Einsatz ist?

Worauf es bei der Vergabe aber letztlich ankommt, ist die zügige Vergabe von Aufträgen und die Ausgestaltung der Verträge. Auch die Unternehmen von Elon Musk sind durch staatliche Aufträge groß geworden, anders ist es im Verteidigungssektor gar nicht möglich. Aber die Mittel müssen an klar definierte Meilensteine und Leistungsnachweise gekoppelt vergeben werden. Nur wer liefert, wird bezahlt.

In einem derart gestalteten, nachgehaltenen und transparenten Verfahren sind die Chancen des Staates am größten, für das Geld der Bürger deren Schutz auf die beste Art und Weise zu sichern. Dagegen ist die Geschichte voll von Beispielen, in denen die öffentliche Hand als Investor in den vermeintlichen besten Anbieter der besten Technologie gescheitert ist. Die Pleite des einstigen Batterie-Hoffnungsträgers Northvolt harrt noch immer der kompletten Aufarbeitung.