Allianz Trade: Deutsche Exporteure erwarten Wachstum

Die deutschen Unternehmen bewerten ihre Aussichten im Außenhandel trotz des Nahostkonflikts zuversichtlich. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Kreditversicherers Allianz Trade rechnen 83 Prozent der Exporteure mit steigenden Umsätzen. Sie beurteilen die Perspektiven optimistischer als ihre Pendants auf der ganzen Welt. Von den insgesamt 6000 befragten Unternehmen aus 13 Märkten rechnen drei Viertel mit einem Wachstum.
Die Auswirkungen des Nahostkonflikts halten sich für Aylin Somerson Coqui, Vorstandsvorsitzende von Allianz Trade, in Grenzen, insbesondere im Vergleich zum Zollschock von 2025, als die Erwartungen deutlicher zurückgingen. Sie fügt aber warnend hinzu, dass der Optimismus weiterhin fragil sei und schnell schwinden könnte, sollte sich der Konflikt hinziehen. Während der Irankrieg bei deutschen Unternehmen die Zuversicht kaum dämpfte, drückte er die Stimmung amerikanischer, spanischer und chinesischer Unternehmen deutlicher.
Größtes Risiko bleiben geopolitische Unsicherheiten
Von den befragten deutschen Unternehmen stellen sich 41 Prozent auf ein moderates Wachstum von zwei bis fünf Prozent ein. Skeptisch beurteilen sie die Folgen der amerikanischen Zölle. Knapp die Hälfte rechnet im laufenden Jahr mit weiteren negativen Folgen. Nur chinesische Unternehmen zeigen sich diesbezüglich noch pessimistischer. Rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen stufen geopolitische Unsicherheiten abermals als größtes Risiko ein. Dahinter folgen die Bedrohungen für die Lieferketten. 47 Prozent befürchten eine schlechtere Zahlungsmoral und 40 Prozent steigende Zahlungsausfälle.
„Geopolitische Unsicherheiten sind die neue Normalität – und deutsche Exportunternehmen zeigen sich nach dem neuen Schock relativ widerstandsfähig“, sagte Björn Griesbach, der bei Allianz Trade Makroökonomie- und Kapitalmarkt-Research leitet. Seit der Pandemie und mehreren aufeinanderfolgenden Krisen hätten sie ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt. Sie fühlten sich offenbar besser gewappnet, den neuen Herausforderungen zu begegnen.
Seit Beginn des Handelskriegs hätten acht von zehn Unternehmen ihre Handelsrouten und Lieferketten angepasst. Jedoch erwartet in der Umfrage von Allianz Trade knapp die Hälfte der Befragten angesichts der drohenden Exportverluste und des zunehmenden Wettbewerbs aus China weiterhin negative Folgen des Handelskriegs und denkt deshalb angesichts der aktuellen geopolitischen Konflikte über weitere Anpassungen von Warenströmen nach. Im Fokus der geplanten Maßnahmen stehe der Ausbau von Marktanteilen in „befreundeten Ländern“.