Spritpreise steigen weiter, Gewiss nicht mehr so stark wie zuvor

Die Kraftstoffpreise werden auf einer Anzeigetafel an einer Tankstelle in Dresden angezeigt.

Stand: 08.04.2026 • 15:23 Uhr

Trotz abgestürzter Rohölpreise haben die allermeisten Tankstellen ihre Preise erneut deutlich erhöht. Der ADAC erklärt die 12-Uhr-Regel für gescheitert. Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer für Autofahrer.

Nach der Verkündung des zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und Iran ist der Ölpreis für die Nordseesorte Brent um gut 15 Prozent auf aktuell knapp 93 Dollar je Fass abgestürzt. An den Zapfsäulen spiegeln sich die fallenden Ölpreise allerdings bislang nicht wider.

Im Gegenteil: Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11:45 Uhr und 12:15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilte. Nach der Erhöhung kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.

ADAC: 12-Uhr-Regel ist gescheitert

Gegenüber der Vorwoche verteuerte sich Diesel damit um 13,1 Cent je Liter, Super E10 um 8,1 Cent. „Angesichts eines für beide Stichtage vergleichbaren Ölpreises und dennoch stark zulegender Kraftstoffpreise kann man das so genannte Österreich-Modell als gescheitert ansehen“, betonte der ADAC.

Seit dem 1. April dürfen Tankstellen in Deutschland nur noch einmal täglich um 12 Uhr die Preise anheben, jedoch beliebig oft im Tagesverlauf senken.

Kartellamt soll Preisgestaltung prüfen

Nach Einschätzung des ADAC haben die Mineralölkonzerne auf die mangelnde Flexibilität bei Preisanpassungen mit deutlichen Risikoaufschlägen reagiert. Die Preise seien abgekoppelt vom Ölpreis weiter angestiegen. „Ohne ein hartes Eingreifen des Bundeskartellamtes sowie der Länderbehörden“ bleibe das Österreich-Modell daher „zahnlos“, ergänzte der Club.

Auch die Unionsfraktion im Bundestag hat angesichts hoher Kraftstoffpreise ein Eingreifen des Bundeskartellamts gefordert. Dessen Präsident Andreas Mundt müsse die Preisgestaltung an den Tankstellen konsequent prüfen und unzulässige Aufschläge sofort unterbinden.

Hoffnungsschimmer bei Benzin und Diesel

Doch es gibt auch positive Signale von den Tankstellen für die Verbraucher. So war der heutige Preisanstieg der bisher niedrigste seit Einführung der 12-Uhr-Regel. Noch vergangene Woche hatten die Preissprünge um die Mittagszeit teilweise mehr als zehn Cent betragen, nun ging es weit weniger stark nach oben.

Und auch die Durchschnittspreise um 12.15 Uhr waren niedriger als am Vortag zur selben Zeit – bei E10 um knapp drei Cent, bei Diesel um gut drei Cent.

Wann sinkende Preise durchschlagen könnten

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, sie gehe davon aus, dass die niedrigeren Ölpreise weitergegeben werden. Allerdings brauchen Verbraucher Geduld: „Hoch gehen die Preise immer schnell, die Absenkung dauert in der Regel einige Tage.“

Auch das Bundeskartellamt betonte zuletzt, dass sinkende Rohöl- und Großhandelspreise im Iran-Krieg an den Tankstellen meist nur mit Verzögerung ankamen.

Spritpreise könnten bis zu zehn Cent fallen

Wie stark der Effekt der fallenden Rohölpreise an den Tankstellen ausfallen könnte, dazu gibt es in Frankreich bereits erste Schätzung. Der Vorsitzende der Ölindustrieunion, Olivier Gantois, sagte im Sender France Info, dass die Spritpreise in den kommenden Tagen um fünf bis zehn Cent pro Liter sinken könnten, falls sich der Ölpreis pro Barrel bei etwa 93 bis 95 Dollar halten sollte.

Doch die weitere Entwicklung an den Rohstoffmärkten und damit an den Tankstellen ist derzeit noch völlig unklar. Ökonomin Schnitzer betonte, es sei fraglich, ob die Entspannung von Dauer sein wird. Derzeit sei die Lage noch „sehr volatil“.

Source: tagesschau.de