Feuerpause im Iran-Krieg: Donald Trumps Machtverlust am Golf
Nach der maximalen Eskalation offenbart der Waffenstillstand nun das Scheitern von Trumps Strategie. Das Regime in Teheran bleibt handlungsfähig, der angestrebte Regime-Change ist gescheitert – mit fatalen Folgen für das Ansehen Washingtons
Steigerte sich über Ostern in einen Shitstorm der Verleumdungen und Verunglimpfungen seiner Gegner hinein – Donald Trump
Foto: Imago/ MediaPunch
Auf Donald Trumps maximale rhetorische Eskalation folgt nun eine temporäre, militärische Deeskalation. Ob sie Bestand hat, wird vom realen Kräfteverhältnis der Kriegsparteien und ihrem Willen zur Verständigung abhängen. Jedenfalls schien der Iran bis zuletzt so weit satisfaktionsfähig, dass er die Blockade der Straße von Hormus aufrechterhalten konnte.
Geschlagen ist die Islamische Republik offenkundig nicht, das theokratische Regime bleibt handlungsfähig – es dürfte mit seinem Durchhaltevermögen an politischem Rückhalt im eigenen Land gewonnen haben. Das war im Juni vergangenen Jahres nach den Tagen des damaligen Luftkrieges der USA und Israels nicht anders.
Der von Donald Trump Ende Februar mit Beginn der Angriffshandlungen angekündigte Regime Change hat (bisher) nicht stattgefunden. Im Gegenteil, dem US-Präsidenten sind Grenzen aufgezeigt worden, die ihm so nicht bewusst gewesen sein dürften. Gezielte Luftschläge und die Belagerung des Iran allein durch zwei US-Flugzeugträger und eine Armada von Schiffen wurden zum Auslöser einer schweren regionalen Sicherheitskrise. Mit der jetzt verkündeten Waffenruhe ist die alles andere als beendet.
Trump erweckte den Eindruck eines fortschreitenden Kontrollverlusts
Der Iran hat durch seine asymmetrische Kriegsführung standhalten können und doch nichts anderes getan, als für den Ernstfall einer gegen ihn gerichteten Aggression stets angekündigt war. Sein Raketenarsenal scheint nicht in einem Maße erschöpft zu sein, dass daraus keine erneute Gegenwehr erwachsen könnte. Damit bleibt auch die Sicherheitslage aller Golfstaaten prekär, die mit den US-Stützpunkten die materielle Basis für die militärische Infrastruktur der US-Armee im Nahen Osten aufrechterhalten.
Dieses Geflecht der Basen, mit dem sich eine ganze Region in Schach halten lässt, geht nicht unbeschadet aus den gut 40 Tagen dieses Krieges hervor. Es gibt bereits Anzeichen, dass sich Saudi-Arabien, Kuwait und Katar anderen Partnern zuwenden, mit denen sich wie im Fall Pakistans risikoärmer kooperieren lässt.
Wenn das so ist, dann konnte Präsident Trump weder als vorausschauender Stratege noch als operativer Feldherr überzeugen. Er steigerte sich über Ostern in einen Shitstorm der Verleumdungen und Verunglimpfungen seiner Gegner hinein, der auf einen fortschreitenden Kontrollverlust schließen ließ.
Der Iran wird in dieser Lage nicht kompromissbereiter sein
Dieser Eindruck ist in der Welt und lässt sich nicht mehr korrigieren. Für das Verhältnis zum Iran und die angekündigten Verhandlungen sind das denkbar schlechte Vorzeichen. Ohnehin hat dieser Waffengang den Grundkonflikt zwischen den USA und dem Iran alles andere als gelöst, sondern ungemein verschärft. Er besteht darin, dass US-Regierungen seit der Islamischen Revolution von 1979 einer Islamischen Republik Iran das Existenzrecht bestreiten.
Noch nie ist das in einer solch vehementen und gewaltsamen Form geschehen wie seit dem 27. Februar 2026, noch nie ist dazu eine derartige Kriegskoalition aktiv gewesen wie die zwischen Israel und den USA. Davon lässt sich nichts wegverhandeln, erst recht nicht, wenn US-Vizepräsident JD Vance als Verhandlungsführer ins Gespräch gebracht wird. Der Iran könnte das als Zugeständnis werten, das seiner Widerstandskraft Rechnung trägt, sie womöglich sogar anerkennt. Aber kompromissbereiter wird das Emissäre aus Teheran nicht stimmen.