Brief an die Aktionäre: JP-Morgan-Chef Dimon warnt

Er ist einer der bekanntesten Banker der Branche, Jamie Dimons Worte haben also Gewicht. Im jährlich erscheinenden Brief an die Aktionäre warnt der Vorstandsvorsitzender der amerikanischen Großbank J.P. Morgan unter anderem vor den Problemen im Markt für Privatkredite und nennt diesen als eines der großen Risiken für die Finanzmärkte.

Er warnt davor, dass die Ausfälle von hoch verschuldeten Unternehmen für private Kreditgeber „höher ausfallen werden als erwartet“. Der Grund seien unter anderem die schwachen regulatorischen Standards zur Kreditvergabe, schreibt der Manager in seinem knapp 50 Seiten umfassenden Papier. Als weitere große Risiken für die Märkte nennt er unter anderem die geopolitische Situation, also den Ukrainekrieg und nun auch den Irankrieg, der Auswirkungen auf die Energiemärkte habe. Auch die hohen Verschuldungsgrade von Staaten nennt Dimon sowie unter anderem auch die angespannten Beziehungen zwischen China und den USA.

Schon seit einigen Wochen gehen an den Finanzmärkten die Sorgen um den sogenannten Private-Credit-Markt um. In dieses Segment fallen Nichtbanken, also Finanzinstitute wie spezialisierte Fonds oder auch Versicherungen, die Kredite an private Unternehmen vergeben.

Als problematisch sieht Dimon unter anderem, dass Kredite in dem Bereich mit zu positiven Annahmen vergeben würden. Er schreibt: Es gelte im Großen und Ganzen, dass Private Credit meist nicht besonders „transparent“ sei und auch nicht über strenge Bewertungskriterien für die Kredite verfüge. Das erhöhe wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger verkauften, wenn sie glaubten, dass sich das Umfeld verschlechtern werde — „selbst wenn sich die tatsächlich realisierten Verluste kaum verändern“.

Der Private-Credit-Markt ist im vergangenen Jahrzehnt stark gewachsen und mittlerweile rund 1,8 Billionen Dollar schwer – was auch Dimon in seinem Brief anmerkt. Er vergleicht die Größe unter anderem mit dem Markt für amerikanische Hochzinsanleihen, der rund 1,5 Billionen Dollar groß sei. Allerdings sei der Private-Credit-Markt um ein Vielfaches kleiner als beispielsweise das Volumen von Hypothekenkrediten und entsprechenden Wertpapieren. Auch der Gesamtmarkt für Unternehmensanleihen mit Investment-Grade sei mit 13 Billionen Dollar deutlich größer. Insofern stelle der private Kreditmarkt aus seiner Sicht „kein systemisches Risiko“ dar.

Investmentgesellschaften verlieren

Dennoch zeigen sich an den Märkten schon deutliche Spuren, da die Angst vor faulen Krediten in den Büchern der Fonds wächst. So mussten verschiedene Investmentgesellschaften deutliche Verluste an der Börse hinnehmen. Blue Owl Capital hat seit Jahresbeginn rund 40 Prozent eingebüßt, Aktien von Ares Management und Blackstone immerhin jeweils rund 30 Prozent. Blue Owl und andere haben zudem Auszahlungen an Kunden eingeschränkt, was zu weiterer Verunsicherung geführt hat. Dimon, der die amerikanische Großbank seit dem Jahr 2006 führt, geht in seinem Brief außerdem auf die amerikanische Wirtschaft ein, die sich widerstandsfähig zeige, mit Verbrauchern, die weiterhin das Geld ausgäben trotz der unsicheren Situation.

Er schaut zudem auf die amerikanisch-europäischen Beziehungen. Die Vereinigten Staaten brauchten ein erfolgreiches Europa. Der Kontinent befinde sich im entscheidenden Jahrzehnt, sei aber unfähig zu handeln. Europa habe die wirtschaftliche Einheit niemals vollendet, was dazu geführt habe, dass europäische Länder wirtschaftlich konstant schlechter abschnitten als die USA. Im Vergleich zur Wirtschaftsleistung der USA sei die EU von 90 Prozent im Jahr 2000 auf heute noch 70 Prozent abgesackt.

Source: faz.net