Faszination Nordsee – 10 Highlights zu Gunsten von Küstenfans
1. Stockfisch: Glücksgefühle am Gaumen
Was dem Norddeutschen sein Fischbrötchen ist dem Schotten sein Räucherfisch. In ganz Britannien berühmt ist der Arbroath Smokie – nach einem speziellen Verfahren geräucherter Schellfisch (Haddock), der in dieser Form ausschließlich in und um das schottische Nordseestädtchen Arbroath und in dem alten Fischerdorf Auchmithie hergestellt wird.
Und zwar ausgesprochen aufwendig: Die geköpften Schellfische werden zunächst gesalzen, danach mit Juteschnur zusammengebunden, über Nacht getrocknet und schließlich zum Räuchern über ein dreieckiges Holzstück in mit nasser Jute abgedichtete Fässer gehängt.
Im Inneren der Fässer wird ein Feuer aus Buchen- und Eichenholz entzündet. Durch das sehr heiße, feuchte, rauchige Feuer bekommen die Fische ihren typischen kräftig-rauchigen Geschmack und Geruch. Gegart wird so lange, bis die Haut goldkupfern schimmert.
Skandinavische Siedler sollen in der Wikingerzeit diese Zubereitungsmethode nach Schottland gebracht haben. Lokale Fischweiber sind dann auf die Idee gekommen, zum Räuchern ausrangierte Whiskyfässer zu benutzen, was den Geschmack des Schellfischs zusätzlich verfeinert.
Zwischen Arbroath und Auchmithie verläuft der Arbroath Smokie Trail, ein rund sechs Kilometer langer Wanderweg, der an Leuchtturm, Hafen, Klippen und natürlich an diversen Räuchereien vorbeiführt, die seit Generationen in Familienhand sind.
Man kann die lokale Delikatesse als Fishcake oder als geräucherte Pastete mit Senfmayonnaise probieren. Am besten aber schmeckt der Schellfisch frisch geräuchert und noch warm direkt aus dem Fass, mit Butter bestrichen und Zitrone beträufelt: Das Fleisch ist zart und weich und schmeckt herrlich aromatisch – eine wunderbare Mischung aus rauchigen, salzigen Noten, die zusammen mit der natürlichen Süße des Schellfischs Glücksgefühle am Gaumen auslösen.
2. Northumberland: Schloss am Meer
Es ist ganz großes Kino. Wer unter Bamburgh Castle in Northumberland am öffentlich zugänglichen Nordseestrand sitzt, fühlt sich wie in einer historischen Filmkulisse. Man meint, gleich kämen die Ritter der Tafelrunde in Rüstungen hinabgeklettert. Tatsächlich hört man oft von weitem Schwerter und Lanzen oben am Burgwall klirren: Dann steigen entweder Ritterspiele für Besucher oder Dreharbeiten.
Egal ob „Ivanhoe“ oder „Macbeth“, „Elizabeth“, „Maria Stuart“ oder „The Last Kingdom“, das gut 45 Meter hoch auf einem Basaltfelsen über dem Strand thronende Bamburgh Castle ist für historische Dramen wie geschaffen: Die Festung, einst Bebbanburg genannt, ist über 1400 Jahre alt.
Erst kamen Kelten, dann Angelsachsen und Wikinger; die heutige steinerne Burg auf den Ruinen entstand nach der normannischen Eroberung im späten 11. Jahrhundert. Könige kamen und gingen, Bamburgh blieb. Die Mischung aus dramatischer Höhe, weitem Sandstrand und offenem Meerblick macht es zu einem der eindrucksvollsten Küstenschlösser in ganz England. Zugleich zählt Bamburgh zu den größten noch bewohnten Schlössern des Landes.
Heute ist die Burg mit ihrem neun Hektar großen Burggarten zwar in Privatbesitz der Familie Armstrong, kann aber täglich besichtigt werden – und im ehemaligen Glockenturm sowie in benachbarten Cottages am Schloss wird auch gern übernachtet.
Für Kinder gibt es eine „Ritter- und Prinzessinnen-Schule“, auch eine „Kriegerschule“ zum Mitmachen mit Plastikschwertern, für Erwachsene Bogenschießen und Ritterspiele mit Pferden und Lanzen. Zu Ostern werden gern dicke Plastik-Ostereier durch Holzkanonen geschossen. Wem das zu kämpferisch ist, der kann einfach im prächtigen Königssaal heiraten. Oder man bleibt unten am Strand und genießt den Blick auf die Burg.
3. Belgien: Mit der Tram am Meer entlang
Was viele nicht auf dem Schirm haben: Auch Belgien grenzt an die Nordsee, insgesamt 67 Kilometer misst die Küste Flanderns. Die lässt sich gut ohne Auto erkunden: mit der legendären Kusttram, einer Küstenstraßenbahn, die seit 1886 die 15 belgischen Seebäder miteinander verbindet. Vom Tramwagen aus ist die Nordsee meist in Sichtweite – Gewaltmärsche stehen also nicht an, um schöne Strandabschnitte zu erreichen.
Die 67-Kilometer-Strecke mit 67 Stationen ist eine der längsten Straßenbahnrouten des Planeten, sie verläuft von De Panne an der Grenze zu Frankreich über Ostende und Zeebrugge bis Knokke, einen Steinwurf von den Niederlanden entfernt. Die Strandbahn ist ausgesprochen populär: Pro Jahr sind 15 bis 16 Millionen Passagiere mit ihr unterwegs, weshalb sie in der Hauptsaison tagsüber im Zehnminutentakt die Küste entlangrauscht.
Knokke ist das eleganteste belgische Seebad. Der Strand ist 70 Meter breit und bietet genügend Platz für Sonnenanbeter, Beachvolleyballer und Strandsegler. Knokkes Nordsee-Promenade allein misst neun Kilometer, an der sich Strandbars, Boutiquen und Lokale aneinanderreihen.
Aussteigen lohnt sich unterwegs beispielsweise in De Haan (Strandvillen, Jugendstil), am Naturpark Zwin (versandete Flussmündung, gut zum Vogelbeobachten) oder in Koksijde (Fischereimuseum mit Pottwalskelett und Schiffsmodellen).
Wer in die düstere Landesgeschichte abtauchen mag, steigt in Raversijde aus und wandert durch die Stellungen zweier Weltkriege: Der Abschnitt des Atlantikwalls zählt zu den besterhaltenen Relikten der deutschen Verteidigungslinie, mit 60 Bunkern, unterirdischen Gängen, Beobachtungsposten.
Die Zeitreise mit der Kusttram zählt übrigens zu den günstigsten Freizeitvergnügungen an der gesamten Nordsee: Das Tagesticket kostet gerade mal neun Euro (delijn.be).
4. Schottland: Eine Insel nur für Vögel
Von Weitem sieht Bass Rock aus wie mit Schnee bedeckt. Kommt man näher, sieht man, dass unzählige weiße Vögel das 107 Meter hohe Vulkaneiland bevölkern – und über und über mit Vogelkot dekoriert haben. Das passt, schließlich ist der Felsklotz eine der wichtigsten Vogelbrutplätze in der Nordsee: Bass Rock, nur drei Hektar groß, beherbergt die größte Basstölpel-Kolonie der Erde – mit rund 150.000 bis 200.000 Exemplaren.
Die Tölpel verbringen viele Monate auf dem Felsen, der zwei Kilometer vor der schottischen Küste in der Nordsee liegt. Alljährlich Ende Februar treffen die Zugvögel ein, Ende Oktober ziehen sie weiter zur Westküste Afrikas. An den unteren Felsvorsprüngen der Insel leben außerdem noch Kormorane, Trottellummen und Tordalken, manchmal sonnen sich auch Robben auf den Felsen.
Basstölpel gehören mit einer Flügelspannweite bis zu zwei Meter zu den größten Seevögeln an der Nordsee. Ihr Gefieder ist leuchtend weiß, mit markanten schwarzen Flügelspitzen und gelbem Kopf. Im Flug wechseln sie zwischen Flügelschlagen und Gleiten, dabei kreisen sie tief über dem Wasser auf der Suche nach Fischen, bevor sie die Flügel anlegen und mit fast 100 km/h kopfüber ins Wasser stürzen, um einen Fisch zu überraschen und zu fangen. Offenbar ist die Nordsee hier besonders beutefischreich, sonst hätten sich die Tölpel nicht die Gegend ausgesucht.
Naturforscher Sir David Attenborough bezeichnet Bass Rock wegen der vielen Basstölpel als „eines der Naturwunder der Welt“, das seit den 50er-Jahren ein Naturschutzgebiet ist. Um die Vögel nicht zu stören, lebt kein Mensch auf dem Eiland, es darf auch nicht betreten werden.
Der Leuchtturm ist seit 1988 unbemannt und wird vom schottischen Festland aus ferngesteuert. Von menschlichen Spuren – der ehemaligen Festung, der Kapelle und einem Gefängnis – sind nur noch Ruinen übrig.
Touristen und Vogelfans können Insel und gefiederte Bewohner trotzdem in Augenschein nehmen: Vom Badeort North Berwick aus stechen täglich Boote zu Besichtigungstouren rund um die Insel in See. Man sollte unbedingt Regenkleidung anziehen: erstens, weil die Wellen oft hoch sind und spritzen, zweitens, weil die Tölpel sich gern auch mal beim Überfliegen über den Ausflüglern entleeren.
5. Niederlande: Reiten am Meer
Es ist der Traum vieler Reiter, einmal mit dem Pferd am Sandstrand der Nordsee zu galoppieren oder über den Meeressaum zu traben, dass es nur so platscht. An der niederländischen Nordsee funktioniert Strandreiten viel unkomplizierter als an deutschen Küsten und ist deshalb auch bei Anfängern beliebt.
Der entscheidende Vorteil: Dort sind Strandritte grundsätzlich auch im Sommer so gut wie überall morgens bis ungefähr zehn Uhr und abends ab 19 Uhr gestattet, das ist die beste Zeit für Ausritte, damit es den Tieren nicht zu heiß wird.
Eines der besten Ziele überhaupt ist die westfriesische Insel Texel mit ihren kilometerweiten Stränden – auch dank der festen Sandstruktur, ideal für lange Ausritte mit Traben und Galoppieren, ohne mit den Hufen zu stolpern.
Viele Reitställe auf Texel haben sich auf Strandtouren für Gäste spezialisiert, besonders schön ist das Reiten in den Dünengebieten, etwa beim Naturschutzgebiet Bollekamer. Es gibt auch einstündige geführte Touren für Anfänger und Fahrten mit der Ponykutsche. Und wer sein eigenes Pferd dabei hat, nichts einfacher als das: Die Fähren nach Texel nehmen Pferdeanhänger mit, die haben sogar Vorfahrt und dürfen zuerst an Bord. Das nennt man pferdefreundlich!
Neben Texel sind auch Ameland und Vlieland ein guter Pferde-Tipp: Auf Vlieland kann man als Tagestour einmal quer über die Insel reiten, von der Heide bis zum Strand; zwischendurch gibt es eine Mittagspause für Reiter und Pferd am „Restaurant Posthuys“. Für Strandtouren sind auch die Küsten von Zeeland und Nordholland ein Reitvergnügen.
6. Lindesnes: Essen unter Wasser
Normalerweise verortet man Unterwasserrestaurants gern auf den Malediven, da gibt es ein gutes Dutzend in den Lagunen zum Tropenfische gucken. Doch das spektakulärste und größte weltweit steht ausgerechnet an der Nordsee: in Båly in Lindesnes, am südlichsten Zipfel Norwegens. Es sieht aus wie ein massiver Betonmonolith, der zwischen Felsen ins Meer gekippt wurde – und dabei schräg im Meeresboden stecken geblieben ist.
Im Innerem speist man tatsächlich unter Wasser. Es gilt als das außergewöhnlichste Unterwasserrestaurant – wegen seiner Science-Fiction-Architektur. Das 34 Meter lange Stahlbetonkonstrukt ist mit Pfeilern in 25 Meter Tiefe in den Meeresboden verschraubt. Eine Metallbrücke ermöglicht den Zugang. Auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern bietet es Platz für bis zu 90 Gäste, es gibt auch noch eine Bar.
Dagegen wirken andere Unterwasserrestaurants wie kleine Goldfischgläser. Sein norwegischer Name ist dabei Programm und Wortspiel zugleich: „Under“ bedeutet auf Norwegisch nicht nur „unter“, sondern auch „Wunder“– und genau darum geht es hier: um das Staunen. Gut 5,50 Meter sitzen die Gäste unter der Wasseroberfläche und können durch eine riesige Glaswand das Meer beobachten. Das Panoramafenster ist elf Meter lang und 3,50 Meter hoch; seitlich gibt es ein weiteres Fenster, dahinter nichts als Wasser.
Freilich darf man kein tropisch-klares Aquarium an der Nordsee erwarten. Das Wasser kann auch mal trübe sein, grau, aufgewühlt, manchmal fast milchig. Aber gerade das macht den Reiz aus. Bei ruhiger See wird es überraschend klar, und dann ziehen sie vorbei: Dorsche und Makrelen, Krabben gucken durchs Fenster, und hin und wieder tanzen Quallen im Licht. Denn abends wird das Wasser angeleuchtet – die Fenster verwandeln sich in ein Unterwasser-Kino.
Das 2019 erbaute Gebäude ist so konzipiert, dass sein rauer Außenbeton längst von Algen, Napfschnecken und Muscheln als künstliches Riff besiedelt wurde. Nur die Fensterscheiben müssen geputzt und gewienert werden, auch von außen, jede Woche von Tauchern. Drumherum: Nur Wind, Felsen, der historische Lindesnes-Leuchtturm und die dramatische Küste Südnorwegens.
Kulinarisch setzt die Küche, mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, genau hier an: beim Ökosystem vor dem Fenster. Serviert wird ein Menü, das sich dem Meer widmet, kreiert vom Küchenchef Bernt Sætre. Nur mit Reservierung, Menü ab 250 Euro (under.no).
7. Leuchtturm Campen: Ostfriesischer Eiffelturm
Er misst genau 65,30 Meter: der Leuchtturm von Campen an der Mündung der Ems in die Nordsee. Damit ist er das höchste Leuchtfeuer Deutschlands, sein Licht strahlt 55 Kilometer weit.
Wie das Wahrzeichen von Paris ist er ein Metallfachwerkturm, errichtet aus genieteten Eisenteilen, was ihm den Titel „Ostfriesischer Eiffelturm“ eingebracht hat. Beide Türme wurden ab 1889 erbaut, der Leuchtturm ist allerdings gut 263 Meter niedriger und überwiegend knallrot gestrichen.
Das Leuchtlicht auf der Turmspitze wird seit 1932 elektrisch betrieben, ursprünglich war zur Energieversorgung eine Dampfmaschine im Einsatz. 1906 wurde diese durch eine Dieselmaschine mit 20 PS ersetzt. Sie steht noch heute im Maschinenraum und ist der älteste Dieselmotor der Welt, der betriebsfähig an seinem ursprünglichen Standort steht.
Wer fit ist, kann die 308 Wendeltreppenstufen durch das weiß gestrichene Treppenrohr in der Turmmitte zur vergitterten Aussichtsplattform hinaufklettern; von Mitte März bis Anfang November steht das Meisterwerk der Ingenieurskunst Besuchern offen. Bei gutem Wetter können die dann, oben angekommen, bis zur Nordseeinsel Borkum und in die Niederlande schauen.
8. Rømø oder Eiderstedt: Wer hat den größten Sandstrand?
Hier findet jeder sein Plätzchen im Sand. Wer den Strand-Superlativ an der Nordsee sucht, fährt nach Rømø: Die südlichste dänische Insel im Wattenmeer darf zu Recht für sich in Anspruch nehmen, den größten Sandstrand Nordeuropas zu bieten.
Zumal der sich auch noch jedes Jahr um etwa vier Meter gen Südwesten verbreitert. Das dänische Amt für Naturverwaltung misst ganz genau, was der Wind und die Gezeitenströmung zuverlässig an Sand und Schlick heranbringen. Die flache Wattinsel liegt quasi im Windschatten von Sylt, die als Brandungsinsel ständig Sand verliert.
So kann man auf Rømøs breitestem Strand sogar mit dem Auto oder Camper herumkurven, das ist erlaubt und beliebt: Er ist bis zu drei Kilometer breit, bei Ebbe wohlgemerkt, und bis zu 15 Kilometer lang. Ideal zum Sandbuddeln und Plantschen für Familien, zum Schwimmen muss man freilich weit hinaus waten. Besonders beliebt sind Spaziergänge und Strandsegeln, Beachsoccer und Kitesurfen.
Auch das nordfriesische Seebad St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt kommt dem sandigen Superlativ sehr nah: Sein Sandstrand ist zwölf Kilometer lang und bis zu zwei Kilometer breit – ebenfalls ein Hotspot für Kitesurfer und Windsurfer. Hier gibt es deutlich mehr Strandkultur, mit Restaurants auf Stelzen, Beachbars und Partys.
9. Sylt: Ab ins Watt
Sterneküche, fantastische Hotels, lange Strände, einzigartige Dünen: Deutschlands beliebteste Nordseeinsel bietet auf ihren rund 100 Quadratkilometern jede Menge Highlights. Aber nicht nur dort – auch das Watt vor Sylt ist großartig und sollte beim Inselurlaub auf keinen Fall links liegengelassen werden.
Bei Ebbe lässt sich der maritime Vorgarten, der seit 2009 Unesco-Weltnaturerbe ist, wunderbar erkunden, allerdings sollte man nie allein weit hinaus ins Watt gehen, sondern sich einer geführten Wattwanderung anschließen. Die Flut kommt nämlich schneller, als man laufen kann. Es gibt auf der Insel eine Reihe von kompetenten Tourenanbietern, von Kampen über Keitum bis Hörnum.
Am besten geht man barfuß – wenn der weiche Schlick die Füße umspielt, manchmal sogar die Waden, stellt sich ein unvergessliches Nordseegefühl ein, das durch die salzige, nach Algen duftende Luft noch verstärkt wird.
Unterwegs kann man Kleinvieh sichten (Herzmuschel, Wattschnecke, Strandkrabbe), natürlich auch das auf Sylt stationierte Fluggeschwader (Austernfischer, Silbermöwe, Brandgans), und mit etwas Glück bekommt man sogar Seehunde oder Schweinswale im Wasser am Horizont zu sehen.
Für Feinschmecker empfiehlt sich eine Watttour durch die Blidselbucht – von hier kommt die „Sylter Royal“, Deutschlands einzige Austernzucht; eine Verkostung der lokalen Delikatesse ist Teil des Programms.
Wer partout nicht zu Fuß durchs Watt laufen möchte, kann in Hörnum oder List alternativ an Bord eines Ausflugsschiffs gehen. Auf diesen Touren ist die Chance besonders groß, Seehunde oder Kegelrobben zu sichten, die gern auf Sandbänken vor Sylt herumlungern.
Einen Blick aufs Watt bekommt übrigens jeder, der mit dem (Auto-)Zug nach Sylt anreist: Alle Züge nach Westerland nutzen den Hindenburgdamm, und der verläuft zu mehr als acht Kilometern quer durch die Wattlandschaft zwischen Festland und Insel.
10. Helgoland: Das besondere Hochsee-Gefühl
Für eine schnelle Runde ist Helgoland, 50 Kilometer vom Festland entfernt, eigentlich viel zu schade. Viele Tagesgäste huschen auf dem drei Kilometer langen Nordseeweg einmal oben um die Inselkante (es gibt sogar einen Fahrstuhl, um sich 184 Treppenstufen zu sparen), mit spektakulärem Blick auf die roten Felsen, die Vogelkolonien und auf die Lange Anna, den markanten 47 Meter hohen Brandungspfeiler.
Danach geht es wieder runter zum Shoppen in die 1400-Einwohner-Gemeinde Helgoland, denn bekanntermaßen ist Deutschlands einzige Hochseeinsel von Mehrwertsteuer und Zollabgaben befreit, da die Insel nicht zum Zollgebiet der EU gehört.
Dann aber passiert das Beste: Die Tagesgäste fahren wieder ab mit den Fähren zum Festland nach Cuxhaven, Brunsbüttel oder Hamburg. Plötzlich wird es richtig ruhig auf Helgoland. Kaum Zivilisationslärm. Beim Sonnenuntergang an den Klippen stellt sich dieses ganz besondere Hochseegefühl ein. Nur Meeresrauschen, Wind, Möwengeschrei, Natur. Helgoland zeigt sich dann von seiner besten Seite, wenn man sich dafür Zeit nimmt und mindestens eine Übernachtung einplant.
Nach dem Sundowner auf dem Felsplateau geht es zur Dünenfähre: Sie fährt in knapp zehn Minuten (Fahrzeiten: täglich im Sommer alle halbe Stunde von halb acht Uhr bis 23 Uhr) auf Helgolands Sandkiste, die gut ein Kilometer entfernte Düne.
Das ist Helgolands zweites Antlitz: Strand, Kegelrobben, alles unter Naturschutz. Diese Sandinsel war übrigens bis zu einer Sturmflut im Jahr 1721 mit der Hauptinsel verbunden; es gibt immer wieder Überlegungen, den Sandwall aufzuschütten. Auf der Düne darf man campen, in Strandbungalows oder sogar im Schlafstrandkorb am Meer übernachten. Morgens grüßt oft eine Kegelrobbe.
Beim Morgenspaziergang sind viele Fossiliensammler unterwegs. Denn auf der Düne gibt es eine weltweit einmalige geologische Besonderheit: rote Feuersteine, auch „rote Diamanten“ genannt, vor allem am Oststrand und an den Kiesstränden der Düne.
Man benötigt etwas Glück, um die durch Eisenoxid rot gefärbten Steine zu entdecken, doch das Rot im Inneren scheint oft durch, wenn man sie im Wasser wäscht. Ein hübsches Souvenir! Mittags geht es zurück auf die Hauptinsel zum nächsten Highlight am Hafen: fangfrischen Helgoländer Hummer und die als Knieper bekannten Scheren der Taschenkrebse.
Source: welt.de