Chef gibt 14.000 Euro aus, um seine Führungskräfte in ein Bootcamp zu schicken
Kein Handy, kein Slack, kein Laptop: Dieser CEO nimmt sein Führungsteam für einen Tag komplett aus dem Büro-Alltag – für ein Bootcamp. Was andere Unternehmer daraus lernen können.
Für Jason Modemann, Gründer und CEO von Mawave, ist Führung nichts, was nebenbei im Daily Business passiert. Warum er dafür regelmäßig Raum und Ressourcen zur Weiterentwicklung schafft – und was andere Gründer daraus lernen können.
Wir veranstalten viermal im Jahr ein internes People Manager Bootcamp. Dafür nehmen wir alle Führungskräfte einen ganzen Tag komplett aus dem Tagesgeschäft raus. Und zwar wirklich komplett: Kein Slack, keine Handys, kein Laptop – volle Konzentration auf die Themen vor Ort.
Leadership-Bootcamp für einen Tag
Der Grund ist relativ simpel: Führung passiert im Alltag meistens reaktiv. Man springt von Termin zu Termin, löst Probleme, trifft Entscheidungen. Aber die wenigsten nehmen sich bewusst Zeit, um an Leadership und dem Unternehmen zu arbeiten.
Genau dafür sind die Bootcamps da. Für Anreise, Hotel, Location, Verpflegung und natürlich die Zeit selbst investieren wir pro Session rund 14.000 Euro. Klingt erstmal viel – vor allem für einen Tag, an dem operativ nichts passiert. Für uns ist es allerdings eine der sinnvollsten Investitionen in unser Team, die wir machen.
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Ziele: Business und Persönlichkeit weiter entwickeln
Inhaltlich arbeiten wir während der Bootcamps an zwei Dingen gleichzeitig: am Business und an der persönlichen Weiterentwicklung der Führungskräfte in ihrer Rolle, und wie sie ihre Teams entwickeln können.
Auf der Business-Seite geht es viel um Alignment: Wo stehen wir strategisch? Wo arbeiten Teams unterschiedlich? Wo verlieren wir Effizienz, weil Prozesse nicht sauber ineinandergreifen? Wir schauen uns wirklich ganz konkret an, wo es hakt, lösen Knoten zwischen Teams und definieren, wie wir besser zusammenarbeiten können. Gleichzeitig geht es um die Zukunft: Wo wollen wir uns als Agentur hinentwickeln? In welchen Bereichen wollen wir vorangehen? Jede Führungskraft arbeitet dabei auch an einem eigenen Innovation-Track.
Mindestens genauso wichtig ist die persönliche Ebene. Wir erarbeiten gemeinsam Fragen wie: Wann bin ich im Flow? Was motiviert mich und was blockiert mich? Wo stehe ich mir vielleicht selbst im Weg? Denn wir haben gemerkt, dass sich diese soften Themen nicht von Business-Themen trennen lassen. Wie jemand führt, hat extrem viel damit zu tun, wie er oder sie selbst tickt.
Meine Tipps für die Personalentwicklung
Solche Formate funktionieren allerdings nur, wenn man sie richtig aufsetzt. Diese Dinge beachten wir bei der Planung und Durchführung dieser Termine:
1. Kein Elfenbeinturm
Ein großer Fehler ist, Personalentwicklung losgelöst vom Alltag zu denken. Theoretische Frameworks, Modelle, Studien – alles schön und gut. Aber wenn sie nichts mit den echten Themen im Unternehmen zu tun haben, bringt es nichts. Die besten Sessions entstehen meiner Meinung nach immer dann, wenn es konkret wird und wenn echte Herausforderungen auf dem Tisch liegen und gemeinsam daran gearbeitet wird.
2. Interaktion
Im Tagesgeschäft arbeitet man oft in Silos. Jeder optimiert seinen eigenen Bereich. Im Bootcamp brechen wir diese bewusst auf. Denn wenn man Menschen aus unterschiedlichen Teams zusammenbringt, entsteht fast automatisch ein Perspektivwechsel. Jeder schaut mit einer anderen Brille auf das gleiche Problem, Dinge werden hinterfragt, Zusammenhänge werden klarer – und oft entstehen Lösungen, auf die man alleine nie gekommen wäre. Ganz nebenbei stärkt das dann auch die Zusammenarbeit im Alltag: Man versteht besser, wie andere Teams denken und arbeiten.
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3. Offenheit
Als Geschäftsführer muss man den Raum dafür aktiv öffnen, dass auch unangenehme Themen angesprochen werden können. Bei uns passiert das im „Ask me Anything“ am Ende eines jeden Bootcamps. Dort kommen die Themen hoch, die sonst unter der Oberfläche bleiben und vor sich hin brodeln würden. Darüber zu sprechen, löst Konflikte, schon bevor sie entstehen.
4. Umsetzung
Nach so einem Tag gehen meist alle raus mit neuer Energie, Inspiration und dem Gefühl, wirklich etwas bewegt zu haben. Die eigentliche Herausforderung kommt danach. Denn oft scheitert es an der Umsetzung im Alltag. Deshalb achten wir darauf, aus jedem Bootcamp konkrete Schritte abzuleiten: Wer macht was bis wann? Zusätzlich bauen wir bewusst Mechaniken ein, damit nichts im Daily Doing untergeht. Zum Beispiel durch feste Check-ins oder sogenannte Accountability-Partner, die sich regelmäßig über Fortschritte austauschen.
Am Ende geht es natürlich nicht darum, wie viele Workshops man macht oder wie viel Budget man investiert. Aber für mich ist wichtig, Leadership-Themen ernst zu nehmen. Und das bedeutet, bewusst Raum dafür zu schaffen.
Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er rund 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“
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Source: businessinsider.de