Artemis-Astronauten benennen Mondkrater nachdem gestorbener Ehefrau „Carroll“
Beim historischen Vorbeiflug am Mond kommt es in der Orion-Kapsel zu einer berührenden Geste. Die Astronauten benennen einen Mondkrater nach der gestorbenen Ehefrau von Kommandant Reid Wisemann. An Bord folgen emotionale Momente.
Die vier Astronauten der „Artemis 2“-Mission haben einen zuvor namenlosen Mondkrater nach der Ehefrau ihres Kommandanten Reid Wiseman benannt. Der Krater – ein „heller Punkt auf dem Mond“ – solle fortan Carroll-Krater heißen, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen mit tränenerstickter Stimme aus der „Orion“-Kapsel. Damit solle an die 2020 im Alter von 46 Jahren an Krebs gestorbene Ehefrau des „Artemis 2“-Kommandanten Reid Wiseman erinnert werden.
„Vor einigen Jahren haben wir diese Reise in unserer eng verbundenen Astronautenfamilie begonnen, und wir haben einen geliebten Menschen verloren“, funkte Hansen zur Erde. „Und es gibt da ein Merkmal an einem wirklich schönen Ort auf dem Mond. Es ist ein heller Fleck. Und wir möchten ihn gerne ‚Carroll‘ nennen.“ Dabei musste der Astronaut, sichtlich berührt, eine kurze Pause einbauen, weil ihm die Stimme versagte.
Auch Wiseman weinte, als sein Kollege den Antrag an die Missionskontrolle stellte, und alle vier Astronauten umarmten sich unter Tränen – neben Hansen und Wiseman noch Christina Koch und Victor Glover.
„Was für eine majestätische Aussicht hier draußen“, funkte Wiseman, sobald er sich wieder gefasst hatte und anfing, Fotos zu machen. Die zwei Töchter von Wiseman verfolgten das Ganze im Kontrollzentrum in Houston im US-Bundesstaat Texas.
Nach Angaben der Nasa wird der vorgeschlagene Kratername der Internationalen Astronomischen Union (IAU) vorgelegt, die für die Benennung von Himmelskörpern und deren Oberflächenmerkmalen zuständig ist. Wann dies geschieht, ist bisher nicht bekannt.
Kurz nach der rührenden Szene trat die Orion-Kapsel ihren etwa viertägigen Rückflug zur Erde an. Er erfolgt über eine sogenannte freie Rückkehrbahn. Dabei wird das Raumschiff allein durch die Mondschwerkraft und ohne zusätzlichen Antrieb wieder auf Kurs zur Erde gebracht.
Die vier Astronauten waren am Mittwoch (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida zu ihrer historischen Reise gestartet. „Artemis 2“ ist die erste bemannte Mission in Richtung Mond seit mehr als 50 Jahren.
Für das Jahr 2028 strebt die Nasa dann erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert wieder eine Mondlandung an. Zuletzt waren US-Astronauten 1972 mit Apollo 17 auf dem Mond gelandet. Danach wurde das kostspielige Programm eingestellt. Der Konkurrent China plant für 2030 eine Mondlandung.
mit dpa
Source: welt.de