Idylle, in welcher ihn niemand sah: Cover von neuem Buch von JD Vance wirft Fragen aufwärts
Idylle, in der ihn niemand sahCover von neuem Buch von JD Vance wirft Fragen auf
04.04.2026, 21:58 Uhr

In einem neuen Buch zeigt sich der US-Vizepräsident JD Vance so persönlich wie es nur geht. Das Cover des Buches lässt daran aber Zweifel aufkommen.
JD Vance hat ein neues Buch geschrieben und bald steht es in den USA in den Regalen zum Verkauf. Sein Verlag bewirbt es beim Online-Händler Amazon als „intimen Bericht darüber, warum Vizepräsident JD Vance sich vom Christentum seiner Jugend abwandte und was ihn zum Glauben zurückführte.“ Die Cover-Wahl hat nun in den USA für Irritationen gesorgt.
Einige Kommentatoren kamen ins Grübeln, weil das Cover eine Methodistenkirche zeigt und Vance in den vergangenen Jahren zum passionierten Katholiken geworden ist. Für eine frühere Pastorin der abgebildeten Kirche scheint dies aber grundsätzlich kein Problem zu sein. „Die Katholiken, die Baptisten, die Methodisten – wir werden alle zusammen im Himmel sein“, sagt die Dame einer Reporterin der „Washington Post“ am Telefon.
Was Kritikern in den USA noch mehr aufstößt, ist die Tatsache, dass niemand in der abgebildeten Kirche, der „Mt. Zion United Methodist Church“ in Elk Creek im ländlichen Südwesten Virginias, Vance dort überhaupt je gesehen zu haben scheint. Dass also das, was als „intimer Bericht“ angekündigt wird, schon auf dem Cover diesen Ansprüchen nicht genügt.
War JD Vance nie da?
Ein 78 Jahre altes Urgestein der Gemeinde erklärt einer Reporterin der „Washington Post“ vor Ort, dass es nur einige Dutzend regelmäßige Kirchengänger in der Gemeinde gebe. Vance habe die Kirche, zumindest nach seinem Kenntnisstand, noch nie besucht. Ein schlechtes Wort verliert der Mann Vance gegenüber aber nicht. Die Sache mit dem Cover sei „zwischen ihm und Gott“.
Auf Leute, die Vance die Bebilderung übel nehmen, trifft die Reporterin nicht. Sondern eher auf meist betagte Menschen, die ihr Gemeindeleben – trotz schrumpfender Kirchgängerzahlen – zelebrieren, etwa beim gemeinsamen Verspeisen von Brokkoli-Auflauf, aber von sich aus nicht allzu viel über Politik sprechen.
Die Antwort liegt in der Ökumene
Der 78-jährige Gesprächspartner der „Washington Post“, ein früherer Landwirt und zudem Air-Force-Veteran, befindet das Cover-Foto jedenfalls für schön. Einen politischen Seitenhieb ringt er sich dann doch ab: Als Demokrat wünsche er sich, dass sich die politischen Führer des Landes auf die Probleme im eigenen Land konzentrieren würden. Der Krieg im Iran belastete ihn angesichts der gestiegenen Kraftstoffpreise persönlich.
Auch der Verlag von JD Vance, Harper, äußert sich gegenüber der „Washington Post“ und bringt noch etwas Licht ins Dunkel. „Die Kirche stammt aus dem Teil des Landes, in dem Vizepräsident Vance aufgewachsen ist“, erklärt die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit in einer E-Mail. Und in der Tat verbrachte JD Vance während des Heranwachsens Zeit mit Verwandten im an Virginia angrenzenden Kentucky. Weiter schreibt sie: „Er wurde in protestantischen und evangelikalen Kirchen erzogen; im gesamten Buch spricht er über das Christentum in einem ökumenischen Sinne.“
Source: n-tv.de