Zwei Tore in jener Nachspielzeit – in Schlusslicht Sekunde dreht Bayern dies Spiel

Der FC Bayern kann einen Dämpfer vor dem Champions-League-Gipfel gegen Real Madrid gerade so verhindern. Im Abstiegskampf fällt Wolfsburg nach Führung auseinander, der HSV erzittert in Unterzahl einen Punkt.

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Die Youngster Tom Bischof und Lennart Karl haben dem FC Bayern München bei der Generalprobe für das Giganten-Duell in der Champions League einen dramatischen Last-Minute-Sieg beschert. Der deutsche Fußball-Rekordmeister gewann beim SC Freiburg spektakulär mit 3:2 (0:0), holte dabei einen 0:2-Rückstand auf und verhinderte drei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel bei Real Madrid in der Königsklasse einen Dämpfer.

Johan Manzambi (46. Minute) und Lucas Höler (71.) erzielten die Tore für Freiburg, das im ersten Europa-League-Viertelfinale seiner Historie am Donnerstag auf Celta Vigo trifft. Die Gäste schlugen durch späte Tore von Bischof (81./90.+2) und Karl (90.+9) aber noch eindrucksvoll zurück.

Die Bayern, die ohne ihren angeschlagenen Torjäger Harry Kane auskommen mussten, steuern in der Bundesliga weiter klar auf die Meisterschaft zu. Zudem stehen sie nun bei 100 Liga-Treffern und somit kurz davor, ihre eigene Bestmarke aus der Saison 1971/72 zu knacken. Keeper Manuel Neuer parierte zweimal stark, sah beim zwischenzeitlichen 0:2 aber nicht gut aus.

Der Sport-Club verpasste vor 34.700 Zuschauern nur knapp seinen ersten Sieg gegen die Münchner seit fast elf Jahren. Stürmer Höler beschenkte sich mit dem Tor in seinem 300. Pflichtspiel für Freiburg aber immerhin selbst.

Gegen forsche und vor allem in der Anfangsphase früh attackierende Freiburger taten sich die Bayern in der ersten Halbzeit offensiv schwer. Serge Gnabry, der die Position von Kane in der Spitze übernahm, tauchte nach rund zehn Minuten frei vor dem aufmerksamen SC-Keeper Noah Atubolu auf. Ansonsten gelang es den Gästen kaum, sich nennenswerte Torraumszenen zu erspielen.

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Erst kurz vor der Pause wurde der Rekordmeister richtig gefährlich. Atubolu parierte zunächst einen Schuss von Karl, nach einem Fallrückzieher-Versuch von Luis Díaz jagte Bischof die Kugel schließlich über den Kasten.

Und hinten? Hatte Bayerns Neuer bei seinem Comeback nach einer Wadenverletzung erst großes Glück, dass Freiburgs Philipp Treu eine Riesenchance ungenutzt ließ (15.). Dann zeigte der langjährige Nationaltorwart in seinem ersten Spiel als 40-Jähriger aber auch zwei klasse Reflexe – erst gegen den auffälligen Höler (28.), dann gegen Philipp Lienhart (34.). Nach beiden Aktionen ging allerdings die Fahne des Linienrichters hoch.

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel war dann auch der Weltmeister-Torwart von 2014 machtlos: Freiburgs Manzambi dribbelte durch das Mittelfeld und traf mit einem platzierten Distanzschuss halbhoch ins rechte Eck.

Kurz später hätte Höler in seinem Jubiläumsspiel erhöhen müssen, vergab aber gleich zwei Topgelegenheiten (52./54.). Bayern-Trainer Vincent Kompany reagierte auf Freiburgs Drangphase mit einem Dreifachwechsel und brachte unter anderem Offensiv-Wirbler Michael Olise, der wenige Sekunden nach seiner Hereinnahme bereits gefährlich wurde (57.). Auch Jamal Musiala kehrte für die letzten 25 Minuten ins Münchner Team zurück.

Statt des erhofften Ausgleichs gab es für die Bayern nach einer Ecke aber den nächsten Rückschlag: Neuers Klärungsversuch geriet zu kurz, Höler traf mit einem abgefälschten Schuss zum 2:0 für den heimstarken Underdog. Die Münchner steckten nicht auf. Olise prüfte den starken Atubolu (77.), Bischof traf mit einem Flachschuss ins linke Eck und machte es noch mal spannend. In der Nachspielzeit traf der Defensivmann auch zum 2:2, ehe Karl aus kurzer Distanz sogar noch nachlegte und die dramatische Partie vollends drehte.

HSV erzittert Punkt in Unterzahl

Der Hamburger SV und der FC Augsburg haben einen entscheidenden Schritt im Abstiegskampf verpasst. Trotz mehr als 25 Minuten Unterzahl holten die Hamburger beim 1:1 (0:1) gegen den FCA immerhin noch einen Punkt. Arthur Chaves (22.) hatte die Augsburger in Führung gebracht, Ransford Königsdörffer (60.) gelang der Ausgleich. Nach der Roten Karte für Miro Muheim (64.) mussten die Hamburger zu Zehnt agieren.

Durch das Remis sind beide Mannschaften noch nicht gerettet, haben aber weiter einen beruhigenden Vorsprung auf die Gefahrenzone. Mann des Spiels war vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion ein Ex-HSVer: Augsburgs Michael Gregrotisch korrigierte eine Foul-Entscheidung von Schiedsrichter Deniz Aytekin an der HSV-Strafraumgrenze zu seinen Ungunsten.

Polzin hatte ein wenig überraschend Robert Glatzel in die Startelf beordert. Es war der vierte Einsatz des Stürmers in dieser Saison von Beginn an. Noch vor zwei Wochen hatte der HSV-Trainer den 32-Jährigen für das Spiel bei Borussia Dortmund (2:3) aus dem Kader gestrichen, nachdem dieser sich in einem nicht mit dem Verein abgestimmten Interview über sein Reservisten-Dasein geklagt hatte.

Glatzel blieb zunächst ohne Wirkung. Nach vorn ging beim HSV in der Anfangsphase nur selten etwas. Die Augsburger bereiteten mit ihrem frühen Pressing den Hamburgern einige Probleme und waren auch mit Ball zu Beginn gefälliger.

Die Gäste kamen so in aussichtsreiche Abschlusssituationen wie bei den Schüssen des Ex-HSVer Michael Gregoritsch (4.) und Fabian Rieder (11.), gefährlich wurde es aber lange Zeit nicht.

Doch mit dem ersten Ball auf das Tor von Hamburgs Schlussmann Daniel Heuer Fernandes ging der FCA auch in Führung. HSV-Verteidiger William Mikelbrencis verlor erst ein Kopfballduell, Chaves stocherte die Kugel aus kurzer Entfernung über die Linie.

In der Folgezeit hatten die Hanseaten mehr Ballbesitz, aber wenig Ideen. Ein Freistoß von Miro Muheim war die bis dahin nennenswerteste Aktion der Gastgeber. Augsburgs Torwart Finn Dahmen hatte nur wenig Mühe, den Schuss zu entschärfen. Die beste Chance des HSV vor der Pause hatte noch Philip Otele (39.), der ebenfalls an Dahmen scheiterte. Fünf Minuten später verzog Glatzel nur knapp.

In der zweiten Halbzeit erhöhte der HSV den Druck und kam zu mehr und mehr Chancen. Den besten Spielzug über Muheim und Glatzel schloss Königsdörffer nach einer Stunde Spielzeit mit seinem fünften Saisontor ab. Doch schon vier Minuten später brachte sich der HSV in neue Nöte, als Muheim den Ball verstolperte, den auf das HSV-Tor eilenden Augsburger Anton Kade foulte und dafür die Rote Karte sah.

Augsburg drückte, die Hamburger waren fast nur noch in der Defensive. In der 74. Minute verpasste Gregoritsch die Führung, als er den Ball aus kurzer Entfernung den Ball an den Pfosten setzte. Dennoch war der HSV mit Kontern gefährlich und verteidigte den Punkt verdient.

Wolfsburg fällt in Leverkusen auseinander

Bayer Leverkusen hat mit einem Comeback in einer wilden und torreichen Partie seine kleine Ergebniskrise beendet und den VfL Wolfsburg dem Abstieg noch näher gebracht. Das Team von Kasper Hjulmand gewann nach einem 1:3-Rückstand 6:3 (2:3) gegen den Tabellen-Vorletzten aus Niedersachsen. Für den VfL unter Trainer Dieter Hecking setzte sich damit die Durststrecke in der Rückrunde fort, während Bayer 04 nach zuletzt fünf sieglosen Pflichtspielen im Saisonendspurt wieder Selbstvertrauen tankte.

Vor 29.619 Zuschauern im Leverkusener Stadion brachte Jonas Wind die Gäste (16. Minute) in Führung, ehe Alejandro Grimaldo per Elfmeter (30.) ausglich. Nur eine Minute später stellte Joakim Maehle die erneute VfL-Führung wieder her (31.), Christian Eriksen erhöhte mit dem zweiten Elfmeter der Partie (38.) sogar auf 3:1 für Wolfsburg. Grimaldo schnürte kurz vor der Pause seinen Doppelpack (44.). Nach der Pause traf Joker Patrik Schick per Strafstoß zum 3:3 (53.), ehe Edmond Tapsoba (68.), Ibrahim Maza (73.) und Malik Tillman (90.+6) die Partie für Leverkusen entschieden.

Schon in einer turbulenten Anfangsphase erspielten sich beide Teams früh erste Torchancen. Nach rund einer Viertelstunde führte ein Einwurf der Werkself aus der eigenen Hälfte zum ersten Treffer: Der Ball landete bei Wolfsburgs Konstantinos Koulierakis, der per Kopf in den Strafraum verlängerte. Dort setzte sich Wind im Zweikampf gegen Rückkehrer Loïc Badé durch und erzielte sein erstes Saisontor.

Bayer 04 versuchte mit teils hohem Risiko, den Ausgleich zu erzwingen und öffnete dabei in der Defensive immer wieder Räume, die den Gästen Chancen ermöglichten. Nach einem Kontakt von Maehle an Maza im Sechzehner der Gäste entschied der Schiedsrichter Martin Petersen nicht unumstritten auf Elfmeter. Standardspezialist Grimaldo verwandelte souverän und flach halblinks zum 1:1.

Noch während der Jubel auf den Rängen anhielt, brachte Verursacher Maehle den VfL mit einem 20-Meter-Schuss ins rechte Eck erneut in Führung. Wenige Minuten später brachte Tapsoba dann Mohamed Amoura im Strafraum zu Fall. Zunächst ließ der Schiedsrichter weiterspielen, während der Stürmer vor dem Tor am Boden lag. Erst nach rund zwei Minuten und VAR-Eingriff gab es Elfmeter. Eriksen traf rechts unten zum 3:1.

Noch vor der Pause gelang der Werkself nach einem perfekt ausgespielten Angriff über die rechte Seite der Anschluss. Grimaldo vollendete nach einer schönen Passkombination mit Ezequiel Fernández und dem erst 18-jährigen Montrell Culbreath seinen Doppelpack. Dass Leistung und vor allem der Rückstand zur Pause zu wünschen übrigließen, machte die versteinerte Miene von Bayer-Trainer Hjulmand beim Gang in die Kabine deutlich.

Leverkusen startete schwungvoller aus der Pause, ehe der dritte Elfmeterpfiff der Partie ertönte – Sael Kumbedi hatte Tella im Strafraum zu Fall gebracht. Der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Schick verwandelte sicher zum 3:3-Ausgleich. Wenige Minuten später konnte Wolfsburg nach einer Ecke nicht klären. Tapsoba nutzte das Durcheinander und brachte den Ball aus rund neun Metern mit Hilfe des rechten Innenpfostens im Tor unter. Fünf Minuten später machte der Treffer von Maza zum 5:3 alles klar. Tillman gelang kurz vor dem Schlusspfiff dann noch das neunte Tor der Partie zum 6:3-Endstand gegen die konsternierten Wolfsburger.

Werder verliert gegen Angstgegner

Nach der erstmaligen Rückkehr von Ole Werner ins Weserstadion bleiben seine Leipziger auf Champions-League-Kurs. Der frühere Aufstiegstrainer von Werder Bremen bejubelte ein letztendlich ungefährdetes 2:1 (1:0) von RB bei den abstiegsbedrohten Norddeutschen. Vor 40.000 Zuschauern im Weserstadion erzielten Antonio Nusa (15.) und Romulo (52.) die Treffer. Der 20 Jahre alte Salim Musah (90.+4) erzielte nur noch den Anschlusstreffer.

Die Bremer, die schon seit 2019 auf einen Sieg gegen Leipzig warten, verpassten im Abstiegskampf einen überraschenden Erfolg gegen ihren Angstgegner – und müssen weiter zittern. Bei einem Abstand in der Tabelle von vier Punkten auf den Relegationsrang, der aber noch schrumpfen kann. Am Sonntag spielt der FC St. Pauli bei Union Berlin.

Besonders bitter wurde es zu Beginn der zweiten Hälfte, als Bremen-Verteidiger Amos Pieper bei seinem Comeback unglücklich nach einem Kopfballduell auf dem Boden aufprallte und ausgewechselt werden musste.

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Die Sachsen gingen mit ihrer ersten gefährlichen Aktion in Führung. Nusa zog flach von der Strafraumkante ab und sein Schuss krachte unten links ins Tor. Werders mutige Spielweise öffnete immer wieder große Räume für die Gäste. Defensiv war die Situation ohnehin angespannt. Die Bremer musste ohne ihre Leistungsträger Jens Stage im Mittelfeld und Innenverteidiger Karim Coulibaly auskommen. Beide hatten sich im Training Blessuren zugezogen. Amos Pieper feierte nach Knie-Operation notgedrungen sein Comeback. Zuletzt stand er im Januar bei einem Spiel auf dem Rasen.

Nach dem Schock durch die Pieper-Verletzung folgte der nächste Dämpfer für die Bremer, als Romulo vom Chaos im Strafraum profitierte und unbedrängt die Führung ausbaute. Das Spiel flachte danach merklich ab. Und auch die eingewechselten Bremer um den teuren Sommer-Zugang Samuel Mbangula sorgten kaum für Gefahr.

Erst in der Nachspielzeit verpasste der eingewechselte Salim Musah zunächst den Anschluss – und machte es dann kurz darauf besser und verkürzte mit seinem ersten Ligator im dritten Spiel.

Gladbach lässt Punkte liegen

Borussia Mönchengladbach hat im Kampf um den Klassenerhalt ganz wichtige Punkte liegen gelassen. Die Mannschaft von Trainer Eugen Polanski kam gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten 1. FC Heidenheim daheim nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus.

Die Heidenheimer dagegen, die trotz des zweiten Remis in Serie den Abstieg wohl nicht mehr vermeiden können, bewiesen erneut Moral. Nach dem Tor von Wael Mohya (16. Minute) zur Gladbacher Führung drehten Patrick Mainka (26.) und Mamon Busch (64.) die Partie für die Gäste. Den Schlusspunkt aber setzte vor 52.129 Zuschauern Gladbachs Angreifer Frank Honorat (74.) mit seinem Treffer zum 2:2.

Hoffenheim mit herbem Rückschlag

Die TSG 1899 Hoffenheim hat auf dem erhofften Weg in die Champions League den nächsten herben Rückschlag erlitten. Die Mannschaft von Trainer Christian Ilzer unterlag dem FSV Mainz 05 mit 1:2 (1:1). Die Rheinhessen jubelten nach zwei Toren von Philip Tietz (13. und 79.) über drei wertvolle Punkte im Abstiegskampf und das sechste ungeschlagene Spiel in Serie.

Vor 30.150 Zuschauern im ausverkauften Sinsheimer Stadion hatte Fisnik Asllani (23.) mit seinem neunten Saisontreffer zwischendurch ausgeglichen. Die Kraichgauer sammelten damit in den letzten sechs Spielen nur fünf Punkte und gewannen lediglich bei Schlusslicht Heidenheim.

luwi/dpa

Source: welt.de