„Kritische Mission“ : USA und Iran liefern sich Wettrennen um Suche nachher abgeschossenem Crew-Mitglied

„Kritische Mission“ USA und Iran liefern sich Wettrennen um Suche nach abgeschossenem Crew-Mitglied

04.04.2026, 12:42 Uhr

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Das Kampfflugzeug vom Typ F-15E war im Süden des Iran abgeschossen worden. (Foto: via REUTERS)

Im Krieg der USA und Israels gegen den Iran gelingt dem angegriffenen Land wohl ein empfindlicher Gegenschlag. Der Iran schießt am Freitag erstmals einen US-Kampfjet ab. Ein US-Crew-Mitglied wird noch vermisst. Seine Gefangennahme wäre laut Experten eine Eskalation der Lage.

Nach Berichten über zwei abgestürzte US-Kampfjets in der Golfregion suchen iranische und US-Streitkräfte fieberhaft nach dem zweiten Crewmitglied eines der Flugzeuge. Der Status des US-Soldaten des über dem Iran abgeschossenen F-15-Jets ist weiterhin unklar. Berichten zufolge soll es sich bei dem gesuchten Crewmitglied um einen Waffensystemoffizier handeln. Der Kampfjet vom Typ F-15E hat zwei Besatzungsmitglieder: den Piloten und einen Waffensystemoffizier, der in der Regel hinten im Cockpit sitzt.

Der Iran hatte am Freitagabend mitgeteilt, ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-15E abgeschossen zu haben. Die US-Armee startete US-Medienberichten zufolge umgehend eine großangelegte Such- und Rettungsaktion. Bilder und Videos auf Onlineplattformen zeigten mutmaßlich tief fliegende US-Hubschrauber und mindestens ein Flugzeug in der Gegend. Laut dem Nachrichtensender CNN wurde das gerettete Crewmitglied medizinisch versorgt. Die USA bestätigten den Abschuss durch den Iran.

Medienberichten zufolge haben im Iran staatsnahe Sender dazu aufgerufen, das Besatzungsmitglied lebend zu fassen. Angeblich wurde eine Belohnung ausgerufen. Die Gefangennahme eines amerikanischen Besatzungsmitglieds wäre ein „riesiger Erfolg“ für den Iran, sagte die Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, Laurel Rapp, im Gespräch mit der BBC. Dies böte dem Regime in Teheran ein „sehr starkes Druckmittel“. Daher sei die Rettung des vermissten Besatzungsmitglieds aus dem abgestürzten Flugzeug eine „kritische Mission“ für die USA, so die Expertin.

Sollten der US-Soldat gefangengenommen und Bilder von ihm veröffentlicht werden, könnte dies die öffentliche Meinung in den USA zu einem ohnehin schon unpopulären Krieg weiter verschärfen, fügte Rapp hinzu. „Wenn diese Bilder an die Öffentlichkeit gelangen würden, würde das die amerikanische Sichtweise grundlegend verändern.“

Rettung ist „Last für Trump“

Militärexperte Ralph Thiele nennt die Rettung des vermissten Crew-Mitglieds eine schwierige Mission auf feindlichem Gebiet. Auch er sieht eine mögliche Gefangennahme des US-Soldaten als eine „Last für US-Präsident Donald Trump“. Medial sei sie von enormer Bedeutung, gerade bei einem „terroristischen Regime“ wie dem Iran, „das sich nicht scheuen würde, seine Gefangenen zu martern, zu quälen und dann der Öffentlichkeit vorzuführen“, sagte Thiele im Gespräch mit ntv.

Zunächst hatten iranische Staatsmedien am Freitag von dem Abschuss des F-15-Kampfjets berichtet. Ein örtlicher TV-Sender zeigte Bilder, die den zerstörten Jet am Boden zeigen sollen. Laut dem TV-Bericht unter Berufung auf eine Polizei-Mitteilung wurde das Flugzeug über dem Zentraliran ins Visier genommen und stürzte daraufhin ab.

„Ein feindlicher amerikanischer Kampfjet ist im zentraliranischen Luftraum von dem Luftverteidigungssystem der Luftwaffe der iranischen Revolutionsgarden getroffen und zerstört worden“, erklärte die Kommandozentrale der iranischen Streitkräfte. „Der Jet wurde vollständig vernichtet, die weitere Suche dauert an.“

Weiterer Absturz einer US-Maschine

Später berichtete das iranische Staatsfernsehen von einem weiteren abgeschossenen US-Kampfjet. Ein Flugzeug vom Typ A-10 sei von der iranischen Luftabwehr getroffen worden, die Maschine sei in den Persischen Golf gestürzt, hieß es den Medienberichten zufolge. Die „New York Times“ berichtete, die A-10 sei nahe der Straße von Hormus etwa zur selben Zeit abgestürzt, zu der ein Kampfjet vom Typ F-15E über dem Iran abgeschossen worden sei. Der Pilot der A-10 sei gerettet worden. 

Das für den Iran zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte (Centcom) äußerte sich bislang nicht zu den Angaben der iranischen Streitkräfte, wonach ein zweiter US-Kampfjet über dem Persischen Golf abgeschossen worden und abgestürzt sei. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte lediglich, Präsident Trump sei „unterrichtet“ worden.

„Es ist eben Krieg“

Nach den Worten von Präsident Trump wirken sich die Vorfälle nicht auf die Verhandlungen mit der Führung in Teheran aus. „Nein, überhaupt nicht“, antwortete Trump im US-Nachrichtensender NBC auf eine entsprechende Frage und ergänzte: „Es ist eben Krieg.“ Auf die Frage der britischen Zeitung „The Independent“, was er tun würde, falls das vermisste Crew-Mitglied von Iranern gefangengenommen oder verletzt werden sollte, antwortete Trump: „Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil – wir hoffen, dass das nicht passieren wird.“

Die US-Armee hat bei dem seit gut einem Monat andauernden Einsatz im Iran bereits einige Flugzeuge verloren, darunter ein Tankflugzeug, das im Irak abgestürzt war, sowie drei F-15-Jets, die versehentlich von Kuwait abgeschossen wurden.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Die gegenseitigen Angriffe gingen indes mit unverminderter Härte weiter. 

Quelle: ntv.de, gut/AFP/dpa

Source: n-tv.de