Nach Trumps Ansprache: Das wäre ein bitteres Ergebnis des Irankriegs

Es ist bekanntlich nicht immer ratsam, Trump beim Wort zu nehmen. Er schlägt einfach zu viele rhetorische Haken. Nach seiner Fernsehansprache ist aber erkennbar, dass der Präsident eher früher als später aus dem Irankrieg aussteigen will. Lange Kriege sind (nicht nur) in Amerika unpopulär, und die Benzinpreise bleiben auch dort ein gewichtiger innenpolitischer Faktor.
Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Trump demnächst, vielleicht wie angekündigt in zwei oder drei Wochen, einen Sieg verkünden wird und das (durch seine Intervention erst entstandene) Problem in der Straße von Hormus dann tatsächlich den Ländern überlässt, die von dort Öl und Gas beziehen. Das sind primär asiatische Staaten, aber einiges geht auch nach Europa. Die Weltmarktpreise betreffen sowieso alle.
Das System wurde nicht beseitigt
Das ist der schwierige Hintergrund, vor dem nun die europäischen Überlegungen zur Wiedereröffnung der strategisch so bedeutenden Meerenge spielen. Es fällt auf, dass vor allem Frankreich, das hier mit Großbritannien eine Führungsrolle übernimmt, skeptisch ist, was den Einsatz militärischer Mittel betrifft.
Die Straße „im Einvernehmen mit Iran“ zu öffnen, wie Macron sagt, hieße aber, dass die Europäer (und die Asiaten) der Führung in Teheran entgegenkommen müssten: finanziell, politisch, wirtschaftlich. Nach derzeitigem Stand wäre das immer noch das alte, für das Land und die Welt so problematische Regime, auch wenn Trump das Gegenteil behauptet. Beseitigt wurden bisher nur Teile der Führungsriege, nicht die Ideologie oder das System.
Die militärische Schwächung Irans, die Trump und Netanjahu ohne Zweifel erreichen werden, liegt im Interesse Europas. Das wird hier meist übersehen. Aber sollte das Regime zum Torwächter an einer Lebensader der Weltwirtschaft werden, dann wäre das ein bitteres Ergebnis dieses Krieges. Ganz zu schweigen vom Schaden, den die NATO genommen hat. Putin bleibt ein großer Profiteur von Trumps Politik, selbst noch als Verbündeter Irans.
Source: faz.net