US-Stützpunkte: Trumps neue Expansionspläne in Grönland

Die amerikanische Regierung ist mit dem Irankrieg zwar länger beschäftigt als geplant. Andere außenpolitische Pläne hat Donald Trump deshalb aber nicht aufgegeben. So ist Außenminister Marco Rubio mit Geheimverhandlungen mit Havanna befasst, um einen politischen Wandel in Kuba zu bewirken. Und das Pentagon befindet sich in Gesprächen mit Kopenhagen, um die militärische Präsenz der Vereinigten Staaten in Grönland zu verstärken. Trump hatte im Januar vorerst ausgeschlossen, die Insel militärisch einzunehmen. An seiner Behauptung, Washington benötige Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, hält er aber fest.
General Gregory Guillot, Kommandeur des für die Region zuständigen Nördlichen Kommandos (Northcom), hat jüngst Kongressmitglieder über Verhandlungen mit der dänischen Regierung unterrichtet. Demnach strebt das Pentagon Zugang zu drei weiteren Militärbasen an, zwei davon hatte Washington vor Jahrzehnten aufgegeben. Angesichts einer wachsenden Bedrohung und der strategischen Bedeutung Grönlands wollten die amerikanischen Streitkräfte mehr Zugriff, sagte er. Mit der wachsenden Bedrohung waren China und Russland gemeint. Und mit der strategischen Bedeutung die Lage der Insel im Falle künftiger geopolitischer Konflikte in der Arktis.
Guillot trug in der Kongressanhörung vor, das Verteidigungsministerium arbeite daran, mehr Häfen und Flugfelder zu errichten beziehungsweise auszubauen, um Washington mehr Optionen zu geben, sollte man das Militär in der Arktis benötigen. Die dänische Regierung befindet sich nun in der schwierigen Lage, den amerikanischen Plänen zustimmen zu müssen, obwohl seit der jüngsten Grönlandkrise das Vertrauen in den NATO-Partner schwer erschüttert ist.
In Kopenhagen gibt es Zweifel an den wahren Absichten Washingtons
Als Trump nach der Rückkehr ins Weiße Haus im vergangenen Jahr seine schon in der ersten Amtszeit geäußerten Begehrlichkeiten mit Blick auf Grönland militärstrategisch begründete, hatte Kopenhagen darauf verwiesen, Washington könne mit Bezug auf ein Verteidigungsabkommen zwischen beiden Ländern jederzeit seine militärische Präsenz verstärken, ohne in die Souveränität eines anderen Staates einzugreifen.
Die autonome Region ist Teil des Königreichs Dänemark. Da Trump aber zwischenzeitlich nicht ausgeschlossen hatte, militärisch auf der Insel zu intervenieren, gibt es in Kopenhagen Zweifel an den wahren Absichten Washingtons. Kürzlich berichteten Medien in Dänemark, dass die dänischen Soldaten, die im Januar auf dem Höhepunkt der Grönlandkrise auf die Insel entsandt worden waren, aufgrund der Sorge vor einer amerikanischen Invasion sich darauf vorbereitet hätten, Landebahnen zu zerstören. Das Verteidigungsministerium in Kopenhagen wollte die Berichte nicht kommentieren. Obwohl Trump später auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ankündigte, keine Gewalt anzuwenden, blieb Kopenhagen misstrauisch.
Die amerikanische Seite beruft sich nun bei ihren Plänen, ihre Militärpräsenz in Grönland zu verstärken, auf ebenjenes Abkommen aus dem Jahr 1951. Die Vorgeschichte des Vertrages war die deutsche Besetzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg, die Grönland vom Königreich abschnitt. Die amerikanische Regierung errichtete nach Verhandlungen mit dem dänischen Botschafter in Washington Militärbasen auf der Insel. Nach dem Krieg erwog Washington, die Insel zu kaufen, was Kopenhagen aber ablehnte. Mit dem Verteidigungsabkommen erhielten dann die amerikanischen Militärbasen, deren wichtigste die Thule Air Base (heute: Pituffik Space Base) in Nordwestgrönland ist, eine neue rechtliche Grundlage.
USA müssen Grönland und Dänemark für Vorhaben nur konsultieren
Die strategische Bedeutung der Stützpunkte im Kalten Krieg bestand in der Abschreckung der Sowjetunion. Mehrere Basen wurden in den vergangenen Jahrzehnten aufgegeben. Die Zahl amerikanischer Soldaten in Grönland, die im Kalten Krieg zeitweise 6000 betrug, war 2025 auf etwa 150 geschrumpft, die in der Pituffik Space Base stationiert sind.
General Guillot sagte in der Anhörung, Washington benötige kein neues Abkommen mit Kopenhagen. Das bestehende, das 2004 erneuert wurde, sei umfassend. Washington muss danach die Behörden in Grönland und Dänemark nur konsultieren und unterrichten, wenn es seine Militärpräsenz ausbauen wolle. Guillot sagte im Kongress, Grönland und Dänemark verhielten sich hilfsbereit. Die Verhandlungen verliefen reibungslos.
Derzeit werde in Betracht gezogen, amerikanische Streitkräfte nach Narsarsuaq im Süden der Insel, wo es einen Tiefwasserhafen gibt, sowie nach Kangerlussuaq im Südwesten zu entsenden. Dort seien bereits Landebahnen vorhanden. Beide Ortschaften sind frühere Standorte amerikanischer Basen. Das Pentagon äußerte sich nicht darüber, wie viele Soldaten es entsenden will. Auch im State Department schweigt man. Guillot sagte in der Kongressanhörung lediglich, dass man die Basen für Spezialkräfte und maritime Fähigkeiten benötige.
Source: faz.net