Russische Schattenflotte: Geisterschiff mit Flüssiggas treibt durchs Mittelmeer – mit hohem Risiko

Der manövrierunfähige russische LNG-Tanker „Artic Metagaz“ stellt ein gewaltiges Umweltrisiko dar. Zuletzt scheiterte ein Abschleppversuch. Doch was passiert jetzt?
Der russische LNG-Tanker „Artic Metagaz“ treibt weitgehend zerstört und unbemannt zwischen der libyschen Küste und der Insel Malta im Mittelmeer. Jetzt ist laut übereinstimmender Medienberichte ein Abschleppversuch durch die libysche Küstenwache gescheitert – und das Risiko einer Umweltkatastrophe gewaltig gestiegen.
Die Küstenwache wollte das Schiff ursprünglich in einen Hafen schleppen und entladen, so der Plan. Doch offenbar scheiterte das Vorhaben. Ob es an der unruhigen See lag oder der Tanker durch das tagelang Abschleppen zu instabil war, ist nicht bekannt.
Sicherheitsabstand zur libyschen Küste
Der Branchendienst „G Captain” schreibt, dass die „Metagaz“ stattdessen über hundert Seemeilen – also mindestens 185 Kilometer – von der libyschen Küste weggeschleppt und sich selbst überlassen wurde. Bei dieser Distanz ist zumindest die Küste vor einer möglichen Umweltkatastrophe sicher. Wind und Strömung könnten den Tanker Richtung Malta treiben und damit in die Zuständigkeit des Inselstaates.
Das Problem ist die Ladung. Der Tanker, der der russischen Schattenflotte zugeschrieben wird, hatte Flüssiggas geladen. Was sich davon noch an Bord befindet, ist unklar. Doch selbst bei einer Havarie wäre das Flüssiggas nicht die größte Gefahr. Es würde sich verflüchtigen, sobald es an die Luft gelangt. Eine Explosion gilt ebenso als unwahrscheinlich.
Die große Gefahr für die Umwelt ist der verbliebende Treibstoff des Schiffes. Würde er unkontrolliert auslaufen, wäre der Schaden groß. Die libyschen Behörden gehen davon aus, dass die „Arctic Metagaz“ 62.000 Tonnen LNG transportierte, dazu 900 Tonnen Diesel und eine unbekannte Menge Benzin. Genauso bedeutet die halb ausgebrannte „Arctic Metagaz“ ein Risiko für andere Schiffe, die ihr ausweichen müssen.
Viel spricht für Angriff der Ukraine auf LNG-Tanker
Wie es aktuell weitergeht, ist unklar. Das Schiff befindet sich in einem schlechten Zustand. Die Schlagseite hat sich verstärkt, das Heck ist abgesunken, ein Zeichen dafür, dass Wasser eindringt. Es ist möglich, dass der Tanker durch den tagelangen Abschleppversuch zusätzlich geschädigt wurde.
Die Odyssee begann Anfang März. Da hatte die russische Regierung mitgeteilt, dass die Ukraine einen ihrer Tanker im Mittelmeer mit einer „Marinedrohne“ angegriffen habe. In der Seite des Schiffes ist ein gewaltiges Explosionsloch zu sehen, was für die russische Behauptung spricht. Die Ukraine schweigt bis heute offiziell zu dem Vorfall, aber kurz danach hatte ein ukrainischer Aktivist Bilder des havarierten Schiffes gepostet. Nach russischen Angaben wurden die 30 Besatzungsmitglieder nach der Explosion gerettet.
Source: stern.de