Gemeinsam Vorlesung halten: Unendliche Geschichte welcher Heimatsuche

„Es führt kein Weg zurück“, so heißt ein amerikanischer Klassiker der Heimatliteratur. Thomas Wolfe erzählt darin von einem Schriftsteller, der ein Buch über die kleine Stadt schreibt, in der er groß geworden ist – und die ihm aber nicht dankt, was er zu erzählen hat. Er wird verstoßen, bricht in die Welt auf, sucht sich selbst und einen neuen Ort, findet aber nie wieder das, was er dort hatte, woher er kam. Nur: Findet man das überhaupt je wieder? „You Can’t Go Home Again“, so hieß das Buch im Original: Das ist ein Lebensthema der Literatur, aber auch eine zutiefst menschliche Erfahrung, die so gut wie alle machen, wenn sie das Elternhaus verlassen, die Schule, die Straße, die Gerüche und Klänge der Kindheit, den Ort des Aufwachsens. Es wird nie wieder so riechen, so klingen wie damals, aber es wird einen auch nie mehr loslassen, im Guten wie im Schlechten. Wer kennt es nicht?

Die Autorin Hannah Häffner hat diese unendliche Geschichte der Literatur und des Lebens in ihrem neuen Roman noch einmal neu und packend erzählt: „Die Riesinnen“ handelt von drei Frauen, Großmutter, Mutter und Tochter Riessberger, die in dem kleinen Dorf im Schwarzwald, in dem sie leben, nie so richtig ankommen, die aber die Heimat, die dieses Wittenmoos dann doch für sie wird, auch nie hinter sich lassen können (F.A.Z. vom 28. März).

Das Cover zu  „Die Riesinnen"
Das Cover zu  „Die Riesinnen“Penguin Verlag

Bleiben, Weggehen, Wiederkommen, die Wurzeln, die einen halten, aber zugleich nicht loslassen: Über diesen großen Stoff der Literatur, über Hannah Häffners „Die Riesinnen“ wollen wir von jetzt an mit Ihnen in den Austausch gehen. Das Projekt „Gemeinsam lesen“, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gemeinsam mit der Buchhandelskette Thalia Anfang des Jahres mit Leïla Slimanis Roman „Trag das Feuer weiter“ begonnen haben (F.A.Z. vom 14. Januar), geht in die nächste Runde.

„Die Riesinnen“ ist das vierte Buch der Autorin Hannah Häffner – und ihr erster Roman nach den Krimis „Nordsee-Nacht“, „Nebelküste“ und „Dunkle See“, die alle auch Landschaftsgeschichten von der Nord- und Ostsee erzählten. Im neuen Roman, der schon seit Wochen auf der Bestsellerliste steht, geht es also in den Schwarzwald – nicht ganz die Heimat der Autorin, die 1985 in Heidelberg geboren wurde und nach Stationen in Konstanz, Passau und Paris heute mit ihrem Mann und zwei Kindern bei Stuttgart lebt. Aber Hannah Häffner selbst, so hat sie es Sophia Coper erklärt, die sie porträtiert hat (F.A.S. vom 29. März), kennt das Gefühl der Heimat, die nicht loslässt, auch aus ihrem eigenen Umfeld: „Egal, wie lange man woanders lebt, bei manchen bleibt die Frage, ob man nicht doch in dieses kleine Dorf, das niemand kennt, gehört.“

Die eigenen Wurzeln suchen sich selbst

Die Geschichte der drei Frauen aus der Familie Riessberger wollen wir jetzt gemeinsam mit Ihnen lesen – im digitalen Book Circle von Thalia können Sie sich mit anderen Leserinnen und Lesern über „Die Riesinnen“ austauschen. So groß, wie der Titel des Romans vermuten lässt, sind die drei übrigens gar nicht, nur etwas größer als alle anderen in ihrem Dorf, aber das reicht, um aufzufallen.

Solche und viele weitere Informationen über den Roman, seine Autorin und deren andere Bücher werden wir ab jetzt in unserem Feuilleton und in unserem Literatur-Newsletter mit Ihnen teilen. Und gemeinsam mit Ihnen und den anderen Leserinnen und Lesern die Fragen ergründen, die Hannah Häffner in ihrem Roman stellt. Am 26. Mai wird es zum Abschluss eine Veranstaltung mit der Autorin in der Berliner Thalia-Buchhandlung in der Tauentzienstraße geben, die von Anna Vollmer, Redakteurin im Feuilleton der F.A.S., und Tobias Rüther, dort für die Literatur verantwortlich, moderiert wird.

„Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst, ein Stück Erde, und man muss damit leben“, heißt es einmal in den „Riesinnen“. Kaum ein Thema ist so unendlich wie die Heimat, kaum eines eignet sich in seinen Widersprüchen und Sehnsüchten, in seiner Nähe zum echten Leben so gut, es literarisch zu verarbeiten – und lesend zu ergründen. Und dazu möchten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, ab jetzt einladen.

Source: faz.net