Pro den Fall jener Fälle: DRK sieht „gewaltigen Nachholbedarf“ beim Bevölkerungsschutz
Für den Fall der FälleDRK sieht „gewaltigen Nachholbedarf“ beim Bevölkerungsschutz
02.04.2026, 09:50 Uhr

Wie resilient ist Deutschland im Krisenfall? Offenbar nicht sonderlich, glaubt man dem Deutschen Roten Kreuz. Dessen Chef hält den Bevölkerungsschutz für völlig unterfinanziert. „Tritt der Krisenfall erst ein, ist es für Vorsorge zu spät.“
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat erhebliche Defizite im deutschen Bevölkerungsschutz kritisiert. Trotz wachsender Sicherheitsrisiken und jüngster Krisen wie Hochwasser oder Stromausfällen sei der Bevölkerungsschutz „völlig unterfinanziert“, sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe im Interview mit dem „Tagesspiegel“. Gröhe forderte mindestens eine zusätzliche Milliarde Euro für den Bevölkerungsschutz und warnte, dass ohne bessere Vorsorge keine echte Verteidigungsfähigkeit bestehe.
Es passe nicht zusammen, „mit markigen Worten eine zeitnahe Herstellung der ‚Kriegstüchtigkeit‘ anzumahnen, wenn nicht mit gleicher Entschlossenheit der Schutz der Bevölkerung vorangetrieben wird“, sagte Gröhe. Der DRK-Präsident sieht „einen gewaltigen Nachholbedarf“. Ohne Bevölkerungsschutz gebe es keine Verteidigungsfähigkeit.
Besonders Krankenhäuser müssten krisenfester werden, erklärte Gröhe. Zudem brauche es mehr Wissen über die Einsatzbereitschaft von Ehrenamtlichen sowie bundesweit klare Regelungen und Unterstützung. „Jetzt verlangt die völlig veränderte Sicherheitslage einen nachhaltigen echten Kraftakt auf allen politischen Ebenen“, sagte Gröhe. „Für Zuständigkeitsstreitereien zwischen Bund und Ländern haben wir keine Zeit“. Dabei gehe es auch um Katastrophenvorsorge. „Tritt der Krisenfall erst ein, ist es für Vorsorge zu spät.“
Der DRK-Präsident forderte, erheblich mehr Mittel für Erste-Hilfe-Kurse mit Selbstschutzinhalten im Bundeshaushalt zur Verfügung zu stellen. „Wenn in jedem zehnten Haushalt jemand lebt, der im Ernstfall weiß, was zu tun ist, stärkt das die Widerstandskraft der Gesellschaft insgesamt deutlich“, sagte Gröhe.
Zusätzliche Mittel für den Bevölkerungsschutz seien bisher vor allem Bundesbehörden oder dem Technischen Hilfswerk zugutegekommen, das dem Innenministerium unterstellt ist. „Die anerkannten Hilfsorganisationen wie das DRK wurden aber bislang nicht ausreichend berücksichtigt“, kritisierte Gröhe. Dabei müssten dessen Ehrenamtliche im Ernstfall einen Großteil der Arbeit leisten. „Da kann es nicht sein, dass sie an Gerät üben, das aus der Zeit der Eltern oder gar der Großeltern stammt.“
Source: n-tv.de