Marktbericht: Deutscher Aktienindex-Erholung wohl von kurzer Dauer

Blick in die Frankfurter Börse.


marktbericht

Stand: 02.04.2026 • 07:42 Uhr

Die jüngste Markterholung dürfte am Gründonnerstag abrupt enden. Der US-Präsident versetzte mit der Ankündigung „extrem harter“ Angriffe gegen Iran den Hoffnungen auf ein Kriegsende einen Dämpfer.

Genau ein Jahr nach Donald Trumps „Liberation Day“ mit massiven Zoll-Ankündigungen gegen dutzende Nationen hat sich der Fokus der Investoren und der Welt völlig verlagert: Mit dem Iran-Krieg sind Öl und Gas, ihr Preisanstieg und die Auswirkungen auf Inflation und Zinsen marktbeherrschende Themen geworden. So auch heute:

Kaum hatte der US-Präsident vor wenigen Tagen ein Ende des Krieges in zwei bis drei Wochen angekündigt und damit für etwas Entspannung bei Ölpreisen, Anleihen-Renditen und Aktienkursen gesorgt, machte seine jüngste Ankündigung „extrem harter“ Angriffe diese Erholung zunichte. Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende ist wieder etwas kleiner geworden.

Die Kursreaktionen sind entsprechend: In Japan und China fielen Aktienkurse bereits mehrheitlich. Sowohl in Shanghai als auch in Tokio reagierten die Märkte negativ. Besonders ausgeprägt waren die Verluste im Kospi in Südkorea.

Am Vortag hatte die Hoffnung auf baldigen Frieden in Nahost die Börsen weltweit noch beflügelt. Der Dow Jones in New York hatte 0,5 Prozent auf 46.566 Punkte gewonnen, der S&P 500 sogar 0,7 Prozent auf 6.575 Punkte und der NASDAQ 1,2 Prozent.

In Frankfurt wird nun – wie in Asien – mit einer schwächeren Markteröffnung gerechnet, die die Erholung vom Mittwoch abrupt beendet. Zur Wochenmitte hatte der DAX noch um 2,7 Prozent auf 23.298 Punkte zugelegt. Am Gründonnerstag wird allerdings hier auf dem Parkett mit wenig Umsatz gerechnet.

Die Auswirkungen von Donald Trumps Rede an die Nation hatte aber vor allem Auswirkungen auf den Rohstoff-Märkten. Öl wurde sprunghaft teurer. Zuletzt kostete die Nordsee-Sorte Brent 107,58 Dollar und damit 7,4 Prozent mehr als am Vortag. Die Rating-Agentur S&P bemerkte, ihr Basis-Szenario von Brent-Preisen bei 80 Dollar in diesem Jahr im Schnitt und etwa 65 Dollar im kommenden Jahr hätten nur überschaubare Effekte auf die Kreditwürdigkeit mittel- und osteuropäischer Staaten.

„Die geringen bis neutralen Auswirkungen des Krieges auf die Bonitätseinstufungen der mittel- und osteuropäischen Staaten spiegeln die konservative Einschätzung unseres Vorkriegsszenarios wider, aber auch unsere Annahme, dass der europäische Gaspreis, selbst wenn er höher ausfällt, unter seinem Höchststand von 2022 bleiben wird“, sagte Karen Vartapetov, Kreditanalyst bei S&P Global Ratings. Sollten die Erdgaspreise in Nordwesteuropa (TTF) sich den Höchstständen von 2022 annähern – was in den S&P- Energiepreisszenarien nicht berücksichtigt sei –, wären die negativen Auswirkungen auf die mittel- und osteuropäischen Volkswirtschaften und der Abwärtsdruck auf die Bonitätseinstufung weitreichender und deutlicher.

Ein weiterer Verlierer ist der Goldpreis, denn Investoren ist klar: ohne eine Verbesserung der Lage in Nahost stehen Zinserhöhungen der Notenbanken weiter im Raum – wenn auch nicht sofort. Diese Aussicht belastet den Goldpreis einmal mehr.

Immerhin – ein Jahr nach der Zollankündigung am „Liberation Day“, dem Tag der Befreiung, wie er genannt wird, steht der DAX gut vier Prozent höher als damals.

Source: tagesschau.de