„Vorbild zu Händen viele Menschen“ – Herbert Grönemeyer erhält Deutschen Nationalpreis
Herbert Grönemeyer erhält für seine Auftritte und Äußerungen gegen den Rechtsruck und die AfD den Deutschen Nationalpreis. Der 69-Jährige reagiert mit einem Verweis auf seine Herkunft.
Der Musiker Herbert Grönemeyer wird mit dem Deutschen Nationalpreis 2026 ausgezeichnet. Damit sollen seine künstlerische Leistung und sein Engagement für die Werte der Demokratie gewürdigt werden, wie die Deutsche Nationalstiftung am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Der Nationalpreis wird seit 1997 an Menschen und Organisationen vergeben, die sich für eine demokratische Gesellschaft einsetzen. Die Verleihung findet laut Stiftung am 23. Juni in Berlin statt.
Der Stiftungsvorsitzende Thomas Mirow erklärte zur Begründung, Grönemeyer habe deutsche Pop-Geschichte geschrieben. „Sein stetiger Einsatz für eine offene, freiheitliche Gesellschaft und sein glaubwürdiges Plädoyer für soziale Gerechtigkeit haben ihn darüber hinaus für viele Menschen zum Vorbild werden lassen.“
Grönemeyer macht auf seinen Konzerten und mit öffentlichen Äußerungen seit Jahren deutlich, dass er einen Rechtsruck in der Gesellschaft ablehnt. Mehrfach trat er auf Demonstrationen gegen die AfD auf, unter anderem bei einer Großkundgebung in Berlin im vergangenen Jahr. Im Dezember forderte er die Aufnahme von Afghanen, denen die Ampel-Regierung ein Leben in Deutschland in Aussicht gestellt hatte.
Der 69-Jährige zeigte sich erfreut über die Ehrung und verwies auf seine Herkunft: „Als Kind des Ruhrgebiets, schon in den 50er-, 60er-Jahren ein Schmelztiegel in Europa, wurde ich groß auf engstem Raum mit Menschen aller Nationalitäten, Kulturen, Religionen, Ansichten und Spielauffassungen“, sagte er. Aus diesen Erfahrungen erwachse eine Verantwortung, die Vielfalt und jeden Menschen zu schützen und gegen Ausgrenzung, Hass und Hetze zu verteidigen.
Frank-Walter Steinmeier ist Schirmherr der Nationalstiftung
Die Deutsche Nationalstiftung wurde 1993 vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung als überparteiliche und unabhängige Stiftung in Weimar gegründet. Zu den Mitgründern zählten Altkanzler Helmut Schmidt und die Unternehmer und Bankiers Kurt Körber, Gerd Bucerius, Michael Otto und Hermann Josef Abs. Die Schirmherrschaft liegt bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Zuletzt wurden die beiden Biontech-Mitgründer Özlem Türeci und Uğur Şahin mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet.
Neben dem mit rund 30.000 Euro dotierten Nationalpreis verleiht die Nationalstiftung den mit 20.000 Euro ausgelobten Förderpreis. Ausgezeichnet wird in diesem Jahr das Projekt „Rhapsody in School“, das Künstler aus Klassik und Jazz an Schulen vermittelt, um jungen Menschen Zugang zur Musik zu ermöglichen.
KNA/sebe
Source: welt.de